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Ein Warn-Tag für die Freiheit: Der Fall Constantin Schreiber

Der bekannte Journalist will sich nicht mehr zum Islam äußern. Schreiber war in der Vergangenheit immer wieder angegriffen und verunglimpft worden.
Tagesschausprecher Constantin Schreiber
Foto: IMAGO/STAR-MEDIA (www.imago-images.de) | In seinem Interview mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zeichnet Schreiber ein düsteres, aber eben leider auch realistisches Bild eines Alltages, der immer mehr von Negativität überlagert worden sei.

Heute um 11 Uhr haben überall im Land die Sirenen geheult: Probealarm. Alarm hat auch Constantin Schreiber geschlagen. Aber es war nicht auf Probe. Vielleicht eher eine Art letzter Dienst, den der 44-Jährige seiner Zunft erwiesen hat: Der Journalist will sich künftig nicht mehr zum Islam äußern.

Da er aber nicht von heute auf morgen einfach den Mund hält, sondern sein Schweigen vorher ankündigt, haben wir jetzt wenigstens eine Debatte. Verstärkt wird sie durch den Promi-Faktor, denn Schreiber ist nicht nur als Islam-Experte bekannt, für die Deutschen ist der 44-Jährige vor allem als „Tagesschau“-Sprecher zu einem öffentlichen Gesicht geworden. 

Düsteres, aber realistisches Bild des Alltags

In seinem Interview mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zeichnet Schreiber ein düsteres, aber eben leider auch realistisches Bild eines Alltages, der immer mehr von Negativität überlagert worden sei. Beispiele: Bei einer Lesung an der Universität Jena wird Schreiber mit einer Torte beworfen. Gleichzeitig wird sein Wirken mit dem NS-Propagandafilm „Jud Süß“ in Verbindung gebracht. Aber von den Veranstaltern erhält er, so sein Eindruck, keine Rückendeckung gegenüber dieser Verunglimpfung. Schreiber fährt mit einem Taxi nach Hause, der Fahrer spricht kein Wort, erst vor der Haustür: „Jetzt weiß ich, wo du wohnst.“ Bei einem Seminar, das er geben wollte, bestand die Gefahr, dass die Veranstaltung gesprengt wird. 

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Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass Schreiber auf solche Erlebnisse keine Lust mehr hat. Mancher mag nach der Lektüre des „Zeit“-Interviews mit den Schultern zucken: Soll er sich doch nicht so anstellen. Aber hier geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern tatsächlich um uns alle.  Schreiber beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Islam. Seine Bücher waren teilweise Bestseller. Er hat sich immer vollkommen sachlich mit seinem Thema auseinandergesetzt und bestach durch gute Vor-Ort-Kenntnisse, er berichtete etwa aus dem Libanon und Ägypten.

Wenn so jemand als rechtsextrem verunglimpft wird, dann muss auch dem Letzten klar werden: Wir haben in Deutschland ein Debatten-Problem. Die Meinungsfreiheit ist in Gefahr. Bei allem großen menschlichen Verständnis für Schreiber, Selbstzensur ist keine Lösung. Weiter muss für Journalisten gelten: sagen, was ist.   

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Sebastian Sasse Giovanni di Lorenzo Islam Joseph Süß Oppenheimer

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