Basel

Psychiater: Gottvertrauen trägt durch Krisen

Der Glaube gibt Kraft und bewirkt Solidarität, sagt der Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Samuel Pfeifer im „Tagespost“-Interview.

Gottvertrauen in Corona-Zeiten
Glaube kann in Krisenzeiten eine besondere Kraft geben, meint der Psychiater Samuel Pfeifer. Im Bild: Ein Banner vor der Nienstedtener Kirche in Hamburg. Foto: Jonas Walzberg (dpa)

Mit einer „deutlichen Zunahme von Ängsten“ angesichts der Corona-Krise rechnet der Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Samuel Pfeifer. „Viele Menschen, die vorher keine Angststörungen hatten, kommen jetzt in eine Angstspirale“, warnt er im Gespräch mit der „Tagespost“. Einerseits sei die Bedrohung durch die Krankheit objektiv stark, andererseits seien die Einschränkungen durch die Regierungsmaßnahmen für viele Leute höchst belastend.

Bereits jetzt mehr häusliche Gewalt

Die Bewegungsbeschränkungen sieht er als Herausforderung für Familien: „Paartherapeuten machen sich schon Sorgen, dass jetzt Spannungen auftreten und Ressentiments wachsen, was auch zum Zerbrechen von Beziehungen führt.“ Bereits jetzt gebe es mehr häusliche Gewalt. Es brauche eine neue Balance von Nähe und Distanz.

In der Krise würden aber auch neue Kraftquellen entdeckt, meint Pfeifer: „Es würde mich nicht wundern, wenn Menschen jetzt neue Formen der Resilienz entdecken würden, die sie vorher nicht gekannt haben.“ Die entscheidende Frage sei: „Werden die Menschen Ressourcen erkennen, die ihnen Trost geben, und das Vertrauen, von guten Mächten wunderbar getragen zu sein? Hier können Menschen ihre Werte neu überprüfen und neue Kraft schöpfen.“

Glaube spielt in Krisen tragende Rolle

Der Psychiater empfiehlt ganz direkt „Gottvertrauen in einem neuen Zeitalter der Angst“. Das habe unsere Vorfahren durch Krisenzeiten getragen. Pfeifers Begründung im Gespräch mit der „Tagespost“: „Es ist aus der Resilienzforschung bekannt, dass der Glaube für Menschen in Krisen eine tragende Rolle spielen kann und ihnen eine besondere Kraft gibt. Aus dieser Kraft heraus können sie Solidarität erfahren und anderen Solidarität geben. Das wäre meine Hoffnung.“

DT/sba

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