US-Kongresswahlen: Katholische Wähler gespalten

50 Prozent der Katholiken stimmen für demokratische, 49 Prozent für republikanische Kandidaten. Ein völlig anderes Bild ergibt sich bei der evangelikalen Wählerschaft.

Kongresswahlen in den USA
Im Gegensatz zu den Anhängern anderer Religionsgruppen ist es für Katholiken in den USA üblich, nicht als einheitlicher Block die Kandidaten einer Partei zu unterstützen Foto: Liuu Yilin (XinHua)

Wie bereits bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 zeigte sich die katholische Wählerschaft auch bei den amerikanischen Kongresswahlen vom Dienstag gespalten zwischen Demokraten und Republikanern. 50 Prozent der katholischen Wähler gaben den Demokraten ihre Stimme, 49 Prozent den Republikanern. Dies geht aus einer Erhebung des in Washington ansässigen Meinungsforschungsinstituts „Pew Research Center“ hervor.

Spaltung der katholischen Wähler leicht zugenommen

Im Vergleich zu früheren Kongresswahlen hat sich die Spaltung der katholischen Wählerschaft leicht verschärft. So stimmten im Jahr 2014 noch 54 Prozent für die republikanische Partei und 45 für die Demokraten. Auch 2010 hatten 54 Prozent der katholischen Wähler für die Republikaner gestimmt; 44 Prozent unterstützten die Demokraten.

Im Gegensatz zu den Anhängern anderer Religionsgruppen ist es somit für Katholiken in den USA üblich, nicht als einheitlicher Block die Kandidaten einer Partei zu unterstützen. Anders verhält sich dies beispielsweise bei den Evangelikalen. Diese stimmten am Dienstag mit einer überwältigenden Mehrheit von 75 Prozent für die Republikaner. Nur 22 Prozent gaben ihre Stimme demokratischen Kandidaten. Das Abstimmungsverhalten der Evangelikalen bei den Kongresswahlen deckt sich in etwa mit dem Ergebnis der Präsidentschaftswahlen von 2016. Damals hatten gut 80 Prozent evangelikaler Wähler für den Republikaner Donald Trump gestimmt.

Experten konstatieren Lockerung der Bindung von Evangelikalen an die Republikaner

Doch Experten konstatieren, dass sich die enge Bindung der Evangelikalen an die republikanische Partei in den letzten Jahrzehnten gelockert habe. Dies erklärte etwa der Münchner Experte für amerikanische Kulturforschung und Kulturanthropologie, Michael Hochgeschwender, im Gespräch mit der „Tagespost“.

Wie auch die Gesellschaft als Ganzes sieht Hochgeschwender den US-Katholizismus als sehr gespalten an – eine Einschätzung, die das Ergebnis der Kongresswahlen bestätigte. „Ein großer Teil der liberalen Katholiken unterstützt die Demokraten, liegt allerdings mit der Kirche in vielen Dingen über Kreuz“, so der Experte für den amerikanischen Katholizismus. Konservative Katholiken hingegen hätten sich inzwischen eher den Republikanern zugewandt.

DT/mlu

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