Belgien: Erstmals Kinder unter Euthanasie-Gesetz getötet

Belgische Ärzte haben in den vergangenen zwei Jahren drei Kinder durch aktive Sterbehilfe getötet. Das geht aus den offiziellen Statistiken für das Jahr 2018 hervor. Insgesamt sind die Erkenntnisse aus den Statistiken erschreckend.

Aktive Sterbehilfe in Belgien
Insgesamt wurden in den Jahren 2016 und 2017 2 039 Menschen durch aktive Sterbehilfe getötet. Foto: Etienne Ansotte (BELGA)

Belgische Ärzte haben in den vergangenen zwei Jahren drei Kinder durch aktive Sterbehilfe getötet.  Das geht aus den offiziellen Statistiken für das Jahr 2018 hervor. Die Tötung der „nicht emanzipierten Minderjährigen“ - wie Kinder bezeichnet werden, die in der Obhut ihrer Eltern leben – tragen bei zu der Zahl von insgesamt 2 039 Fällen aktiver Sterbehilfe, die den belgischen Behörden in den Jahren 2016 und 2017 berichtet wurden.

Neues belgisches Gesetz erlaubt aktive Sterbehilfe bei Minderjährigen

Im Fall der drei Kinder wurde zum ersten Mal das neue belgische Gesetz aus dem Jahr 2014 angewandt, das aktive Sterbehilfe auch bei Minderjährigen erlaubt. Sie sollen 9, 11 und 17 Jahre alt gewesen sein und an Krebs gelitten haben.

Insgesamt weisen die jüngst veröffentlichten Zahlen darauf hin, dass die Fälle von Euthanasie in Belgien im vergangenen Jahr um 13 Prozent angestiegen sind. Im Vergleich zu 2011 verdoppelten sie sich sogar. Konkret bedeutet das, dass 2017 fast 300 Menschen mehr durch aktive Sterbehilfe getötet wurden als noch im Jahr 2016. Im Vergleich zu den Jahren 2002 und 2003, als Euthanasie in Belgien legalisiert wurde, haben sich die Zahlen beinahe verzehnfacht.

Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert kritischen Blick in Diskussion um Sterbehilfe

Belgien ist das einzige Land weltweit, das im Falle einer unheilbaren Krankheit aktive Sterbehilfe bei Kindern jeglichen Alters ermöglicht, wenn diese „unerträglichen Leiden“ ausgesetzt sind. In den benachbarten Niederlanden, dem ersten europäischen Land überhaupt, das Euthanasie nach dem Ende des 2. Weltkriegs erlaubte, ist aktive Sterbehilfe erst ab einem Alter von zwölf Jahren erlaubt.

Angesichts der Zahlen forderte die Deutsche Stiftung Patientenschutz dazu auf, in der deutschen Sterbehilfediskussion diese Entwicklung kritisch im Blick zu behalten. „Die Euthanasie-Statistik in Belgien ist erschreckend. Mittlerweile sterben viermal so viele Menschen durch aktive Sterbehilfe als im Straßenverkehr“, äußerte sich Vorstand Eugen Brysch. Unter dem Deckmantel der Selbstbestimmung würden so auch Kinder, psychisch Kranke und Demenzpatienten getötet.

DT/mlu

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