Alle reden von der Rentenreform. Manche streiten sogar darüber. Das ist auch gut so. Eine verantwortungsvolle Streitkultur gehört zur Demokratie. Alle Standpunkte müssen einfließen, um für alle Beteiligten eine faire Regelung zu etablieren, und dabei sollen auch neue Ansätze einbezogen werden, die die Altersversorgung auf stabilere Füße stellen. Insofern ist zu begrüßen, wenn die Reformvorschläge jetzt zügig umgesetzt werden. Allerdings behandelt die Rentendiskussion nur Symptome, nicht die Ursache. Der entscheidende Faktor in unserer Gesellschaft ist nämlich unsere demografische Entwicklung, ganz konkret die Kinderlosigkeit.
In den vergangenen sechzig Jahren sind die Geburtenraten in den OECD-Ländern um die Hälfte gefallen. Bei der Geburtenrate, gemessen als Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr bezogen auf 1000 Einwohner, nimmt Deutschland nach letzter Statistik unter 228 Staaten mit 9,02 den 199. Platz ein. Es ist nicht tröstlich, dass Italien mit 7,00, Südkorea mit 6,95 und Japan mit 6,90 auf den Plätzen 223 bis 225 landen. Tatsache ist, dass wir ein negatives Bevölkerungswachstum haben. Die Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau ist deutlich unter dem Reproduktionsniveau von 2,1. Deshalb werden die Herausforderungen für unsere Gesellschaft eher zunehmen.
Was wir brauchen, sind viele gesunde Familien mit starken Kindern. Und dazu bedarf es einer wirklich familienfreundlichen Politik und einer ebenso familienfreundlichen Praxis in den Unternehmen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf kein Lippenbekenntnis sein, schon gar nicht durch begrenzte Entgeltersatzleistungen konterkariert werden und auch nicht bei der Wiedereingliederung im Unternehmen an der Forderung nach Vollzeitbeschäftigung scheitern.
Frauen nicht vom davon abhalten, Mutter zu werden
Kinder sind die Zukunft, ob arm oder reich. Jedes Kind muss für den Staat gleichwertig sein. Familienplanung darf keine Rechenaufgabe sein. Als Gesellschaft sollten wir dankbar sein, dass Elternpaare mit hohem Einkommen Kinder in die Welt setzen. Wahrscheinlich sind wohlhabende Ehepaare auch eher bereit, einen Prozentpunkt mehr Einkommensteuer zu zahlen, als dass sie in ihrer Elternrolle benachteiligt werden. Es ist pervers, wenn leistungsstarke Frauen davon abgehalten werden, ihrer Mütterrolle gerecht zu werden, und ihnen der teilweise Ausgleich von wegfallendem Einkommen nach der Geburt verweigert wird. Sicher sind derartige Elternpaare ohnehin schon irritiert, wenn sie aus versteuertem Einkommen einen der wenigen Plätze in einer sündhaft teuren Kindertagesstätte ergattern und erfahren, dass die anderen Plätze durch die staatliche Unterstützung für Migrantenkinder bezahlt werden. Schließlich ist es Müttern auch nicht vermittelbar, wenn sie nach akademischer Ausbildung und Berufsjahren der Entwicklung von drei Kindern bis zum Universitätsabschluss den Vorrang geben, dass sie dann eine Rente bekommen, die noch nicht einmal die Hälfte des Bürgergelds ausmacht.
Bei allem Verständnis für die Emanzipation der Frauen, aber auch in Anbetracht von rund 106.000 Schwangerschaftsabbrüchen pro Jahr in Deutschland, müssen wir ein neues Verständnis für die Mütter und die Familie entwickeln. Wir brauchen eine große öffentliche Wertschätzung von Mutterschaft.
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