Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Deutsche Wirtschaft

Ökonom: Wer nicht erbt, hat einen riesigen Nachteil

Laut dem Wirtschaftsexperten Peter Bofinger gibt es Hoffnung für die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Für den Einzelnen ist der finanzielle Aufstieg allerdings schwer.
Ein Elternpaar mit Kind auf einer Türschwelle.
Foto: Katharina und Ekaterina via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Mutter, Vater, Eigenheim - ist das Märchen vom finanziellen Aufstieg für vorbei? Jein, meint Ökonom Peter Bofinger.

Ökonom Peter Bofinger schaut mit Zweifel in die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Laut dem ehemaligen Mitglied der „Wirtschaftsweisen“ fehlt es Deutschland an Produkten, mit denen es sich global durchsetzen kann. „Man spricht da von de ,Mitteltechnologiefalle‘“, so Bofinger. Deutschland verkaufe Autos, Maschinen und Chemieerzeugnisse. „Aber es fehlen uns – jedenfalls in der Breite – die intelligenten Produkte“, so der Professor für VWL an der Universität Würzburg. „Wenn dann der Sachverständigenrat also meint, wir müssten noch möglichst alle Frauen und Älteren in die Arbeit treiben, kann ich nur sagen: Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig Arbeitskräfte haben.“ Man merke nicht, dass sich Deutschland in einem „technologisch disruptiven Prozess“ befinde. „Was wollen wir in der Welt verkaufen?“, so der Ökonom. Bofinger gehörte selbst bis 2019 dem Sachverständigenrat für Wirtschaft an. 

Lesen Sie auch:

Unterschiede sind schwer aufzuholen

Die Frage, ob es heute für junge Menschen schwieriger als vor 30 Jahren sei, zu Geld zu kommen, ein Haus zu bauen oder eine Familie zu gründen, verneint Bofinger. „Grundsätzlich ist der Wohlstand heute deutlich höher als vor 30 Jahren“, so der Ökonom. Die Statistik könne viele Verbesserungen in Technologie oder Medizin gar nicht erfassen. Eine andere Sache sei es im Immobiliensektor: „Die, die nichts erben, haben hier einen riesigen Nachteil gegenüber Mittelschichtskindern, die von der Oma ein Häuschen überlassen bekommen.“ Mit einem durchschnittlichen Einkommen könne der daraus entstehende Wohlstandsunterschied nicht aufgeholt werden. DT/sdu

 

Erfahren Sie mehr über die Veränderungen in der Wirtschaft, im Immobiliensektor und die Perspektiven der deutschen Wirtschaft von morgen in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Weitere Artikel

Adam Smiths „Der Wohlstand der Nationen“ beschreibt die Grundlogik der Marktwirtschaft, die „unsichtbare Hand“. Die Katholische Soziallehre bindet dies an moralische Maßstäbe.
17.04.2026, 08 Uhr
Patrick Peters
Freiheit ohne Verantwortung führt zu Chaos, Verantwortung ohne Freiheit zu Zwang. Moderne Gesellschaften haben dieses Problem nicht gelöst. 
07.03.2026, 11 Uhr
Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele

Kirche

Der Vatikan veröffentlicht ein altes Dokument mit Neuigkeitswert. Nun ist klar: Die deutschen Bischöfe haben nicht nur mit dem Gehorsam, sondern auch mit der Wahrheit ein Problem.
05.05.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Pfingstaktion von Renovabis zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt in Europa neu wachsen kann – von der Ukraine bis in den Südkaukasus.
05.05.2026, 14 Uhr
Margarete Strauss
Am Beispiel der Chartreswallfahrt lässt sich beobachten, wie authentische Volksfrömmigkeit einen blühenden Zweig nach dem anderen hervorbringt.
04.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig