Flanieren geht über Studieren. So resümierte ich kürzlich nach einem burschikosen Beutezug durch die Villa Borghese, wo ich in der Galleria Berninis Statue von Aeneas bewunderte. Sie zeigt den Stammherrn der Römer, wie er mit Vater Anchises auf der Schulter und Sohn Ascanius an der Hand aus Troja flieht. Präzise auf den Punkt bringt das Monument das alte Verständnis der Familie: Während Aeneas Vater und Sohn mitnimmt, nehmen diese jeweils die Statuen der Hausgötter und das Herdfeuer mit sich – was man eben rettet, wenn einem die Stadt gebrandschatzt wird.
Daran zeigt sich aber, dass die ersten Siedlungen ursprünglich nichts anderes waren als Großfamilien: Jede Familie hatte ihre Unabhängigkeit dadurch, dass sie die jeweils eigenen Ahnen als Hausgötter verehrte und ihren Kult um das eigene Herdfeuer vollzog. Es zeigt sich auch, warum die Römer also zwei Begriffe für „Stadt“ hatten: Die „urbs“ bezeichnete lediglich den Ort, aber die „civitas“ war der eigentliche Stadtstaat, existierte überall dort, wo das heilige Feuer der Familie brannte und die Statuen der Ahnen verehrt wurden.
Auf diese Weise ist die Familie der erste Staat. Sie ist kein freier Zusammenschluss, sondern naturgegeben; oder christlich: gottgegeben. Im Altertum war sie auch die Grundlage für das Eigentumsrecht, da sie einforderte, ihre Ahnen dort verehren zu dürfen, wo sie gelebt hatten und begraben waren. In der Frühzeit Roms unterschied dies die Bürger von der sozialen Klasse der „plebs“, welche keine Verbindung zum Ahnenkult hatte und darum auch kein Recht besaß, Grundbesitz zu erwerben. Wirkliche Rechte hatte nur die funktionierende Hausgemeinschaft, die gleichsam ihre eigene Religion hatte und ein Staat im Staate war.
Der „Oikos“ als Ressource
Der Blick in unsere Zeit wirft dagegen die Frage auf, wie viel unsere Ökonomie eigentlich noch mit ihrem Ursprung zu tun hat, nämlich dem „Oikos“ als Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft. In der Generation meiner Großeltern war es normal, dass nur der Vater arbeiten musste, während die Mutter die Kinder erzog, die ihr im Haushalt zur Hand gingen; heute betreiben beide Elternteile meist vollzeitige Erwerbsarbeit, um den Staat dafür bezahlen zu können, dass er die Kinder in Kitas erzieht. Der alte „Oikos“ hat sich von einer dem Staat vorgelagerten Verantwortungsgemeinschaft zur Ressource für den staatlichen Arbeitsmarkt entwickelt; die Familie wurde vom Produzenten zum Konsumenten.
Es wundert daher wenig, dass die deutsche Wohneigentumsquote auf dem Tiefstand steht: Die Grundsteuer verwandelt Besitz in Belastung; die Erbschaftssteuer macht Vermögen zum Vorwurf. Selbst die Ersparnisse für die eigene Altersvorsorge scheinen nur dann noch zu nutzen, wenn sie der Gesamtwirtschaft am Aktienmarkt zur Verfügung gestellt werden. Es bleibt jedoch Wahrheit, dass der Staat die Eigendynamik der Familie vorfindet und darum nicht umerfinden kann. Oder mit C. S. Lewis: „Im eigenen Hause glücklich zu sein ist das Ziel aller menschlichen Unternehmung. Jede Wirtschaft, Politik, Gesetzgebung, Armee und Institution ist nur so viel wert, wie sie dieses Ziel unterstützt.“
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