Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Deutsche Wirtschaft

Kommt jetzt der Aufschwung?

Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt seit Monaten. Was hinter der wachsenden Zuversicht deutscher Unternehmen steckt.
Zinkverarbeitung
Foto: Imago/Oliver Langel | Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut ifo die Stimmung im August deutlich verbessert.

Wir befinden uns in einer langwierigen Wirtschaftskrise. Ganz Deutschland ist in miesen Konjunkturdaten gefangen. Ganz Deutschland? Nein! Ein unbeugsamer Konjunkturindikator hört nicht auf, der Depression Widerstand zu leisten. Schon zum vierten Mal in Folge ist der „ifo-Geschäftsklimaindex“ des gleichnamigen Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts im August gestiegen. Waren es im April noch 84,5 Punkte, liegt der Index im August bereits bei 88,8. Doch was sagt diese Kennzahl überhaupt aus? Ist alles wieder gut? Kann Häuptling Merz jetzt das Festbankett mit gebratenem Hausschwein steigen lassen?

Lesen Sie auch:

Asterix-Witzchen beiseite: Beim ifo-Geschäftsklimaindex handelt es sich um einen der wichtigsten Frühindikatoren für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er soll zeigen, wie Unternehmen ihre Situation gegenwärtig und für die nahe Zukunft beurteilen. Dazu führt das ifo Institut eine Befragung von ungefähr 9 000 Unternehmen durch.

Bei der Bewertung ihrer gegenwärtigen Lage können die Unternehmen zwischen „gut“, „befriedigend“ und „schlecht“ wählen. Zudem geben sie an, ob sie in den kommenden sechs Monaten mit einer „günstigeren“, „gleichbleibenden“ oder „ungünstigeren“ Entwicklung rechnen. Aus den Antworten werden die Teilindikatoren „Geschäftslage“ und „Geschäftserwartungen“ gebildet. Aus beiden wird schließlich der Geschäftsklimaindex berechnet. 

Dabei fließt nicht jede Antwort gleich stark in den Index ein. Wie stark die Angaben eines Unternehmens ins Gewicht fallen, hängt unter anderem von seiner Größe beziehungsweise seinem Jahresumsatz ab. Auch die Bedeutung der jeweiligen Branche für die deutsche Wirtschaft spielt eine Rolle. So wird der Fahrzeugbau beispielsweise stärker gewichtet als die Textilindustrie. Erfasst werden das Verarbeitende Gewerbe, das Bauhauptgewerbe, der Groß- und Einzelhandel sowie der Dienstleistungssektor.

Ein Blick auf einzelne Branchen lohnt sich

Was den Geschäftsklimaindex vom August angeht, lohnt sich ein Blick auf die einzelnen Branchen: Laut ifo-Präsident Clemens Fuest habe sich besonders im Verarbeitenden Gewerbe die Stimmung deutlich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre laufenden Geschäfte erheblich besser und blickten weniger skeptisch auf die kommenden Monate. Auch die Produktion soll in den nächsten drei Monaten steigen. Mit der Auftragslage seien die Unternehmen allerdings weiterhin unzufrieden.

Auch im Dienstleistungssektor habe sich das Geschäftsklima verbessert. Während sich insbesondere die IT-Dienstleister zuversichtlicher zeigten, bleibe die Lage bei Transport und Logistik schwierig. Im Handel hätten sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen zugelegt. Besonders deutlich habe sich die Stimmung im Großhandel verbessert. Im Bauhauptgewerbe seien die Unternehmen ebenfalls weniger pessimistisch, hätten ihre aktuelle Lage jedoch etwas schlechter beurteilt.

Doch wie kommt es zu der Aufhellung der Stimmung? Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen sieht einen Grund in der stärkeren Nachfrage aus dem Ausland. Zudem dürfte der bislang eher verhaltene Rückenwind durch höhere Staatsausgaben in den kommenden Quartalen zunehmen. Zusammen mit dem stärker als zunächst angenommenen Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr ließen die guten ifo-Zahlen „die Aussichten für die deutsche Wirtschaft in einem positiveren Licht erscheinen“, so Solveen gegenüber der „dpa“. Die bessere Stimmung spreche zudem dafür, dass die negativen Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise und der extremen Trockenheit die Wirtschaft im dritten Quartal weniger stark belasten als bislang angenommen.

Krieg und Zölle

„Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft zeigt sich nach neuer Datenlage bereits seit Ende 2025“, erklärt das ifo Institut gegenüber der „Tagespost“. Die Unternehmen hätten den kräftigen Energiepreisanstieg zu Beginn des Irankrieges gut verkraftet. Risiken blieben jedoch ein Anstieg der Öl- und Gaspreise durch eine erneute Eskalation des Krieges und der Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU. Sollten derartige Faktoren ausbleiben, stehe einem „kräftigen Aufschwung nichts entgegen“.

Lesen Sie auch:

Dass es soweit noch nicht ist, zeigt allerdings auch der eigene Indikator: Referenzjahr für die Berechnung ist 2015, der Durchschnittswert des damaligen Geschäftsklimas ist auf 100 normiert – doch noch ein merkliches Stückchen besser als der aktuelle Wert. Damals wuchs die deutsche Wirtschaft dann immerhin um 1,7 Prozent. Ein Wert, der Politik und Unternehmer zweifellos würde aufatmen lassen.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Jetzt die „Tagespost“ abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Jakob Naser Deutsche Presseagentur

Weitere Artikel

Der Fachkräftemangel belastet die deutsche Wirtschaft. KI kann das Problem nicht über Nacht lösen, aber sie kann seine Folgen spürbar abmildern. Doch machen die Unternehmen mit?
16.07.2025, 07 Uhr
Thomas Rusche

Kirche

Grün schlug 1992 vor, einen beschuldigten Priester im Dienst zu lassen. An den Fall erinnerte er sich am Freitag nicht, nach Angaben von Münsterschwarzach jetzt offenbar doch.
09.09.2026, 12 Uhr
Meldung
Es soll eine „Botschaft des Friedens“ werden: Papst Leos Besuch in Metz, dem „Herz Europas“, steht im Zeichen Robert Schumans. Dazu äußerte sich auch Kardinal Hollerich.
08.09.2026, 17 Uhr
Elisabeth Hüffer
Die Bauerstochter diente im Zweiten Weltkrieg als Ordensschwester kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Ein spektakuläres Heilungswunder ermöglichte die Seligsprechung.
09.09.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Mariä Geburt: Die Kirche feiert den Geburtstag einer Frau, die Weltgeschichte schrieb. Doch warum wird sie als Morgenröte besungen?
08.09.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt