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Wenn Worte verletzen

Unkrautjäten will gelernt sein. Nicht nur im Garten, sondern auch in unserem Herzen. Die Auflösung des Bibel-Quiz aus der Print-Ausgabe der „Tagespost“ findet ihr am Ende des Evangeliums-Impulses.
Unkraut jäten
Foto: Peter Esser | Unkraut unter dem Weizen: Kinderimpuls zu Mt 13, 24–43.

An einem sonnigen Nachmittag wollten Jonas und Emma ihrem Opa im Garten helfen. Hinter dem Haus lag sein großes Gemüsebeet. „Ich hole nur schnell ein paar Sachen aus dem Schuppen“, sagte Opa. „Ihr könnt in der Zeit schon einmal das Unkraut jäten. Aber seid vorsichtig und passt auf, dass ihr meine Pflänzchen nicht beschädigt!“

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Kaum war Opa weg, griff Jonas zur Harke und legte los. „Du bist viel zu schnell“, meinte Emma sofort. „Opa hat gesagt, wir sollen vorsichtig sein.“ „Ich sehe doch“, sagte Jonas, „was Unkraut ist.“ Er zog mit der Harke durch die Erde, riss Gräser heraus und lockerte die Beete auf. Emma kniete daneben und zupfte lieber alles einzeln mit den Fingern heraus. „Da!“, rief sie plötzlich. „Du hast gerade eine kleine Karotte erwischt!“ Tatsächlich lag zwischen den Unkrautbüscheln ein kleines Karottenpflänzchen mit feinen Wurzeln. Emma verschränkte die Arme. „Hab ich doch gesagt.“

In diesem Moment kam Opa zurück. Als er das Beet sah, runzelte er die Stirn. „Oje“, sagte er ruhig und kniete sich hin. „Hier sind einige junge Pflanzen beschädigt.“ Jonas wurde rot. Opa hob vorsichtig ein kleines Pflänzchen auf. „Seht ihr? Das Problem ist: Junge Gemüsepflanzen und Unkraut sehen sich manchmal ähnlich. Wenn man zu hastig arbeitet, reißt man leicht auch das Gute mit heraus.“ „Genau das habe ich die ganze Zeit gesagt!“, platzte Emma heraus. „Jonas hört nie zu! Immer muss er alles besser wissen! Wegen ihm sind jetzt die Karotten kaputt!“

Jonas starrte sie an. „Ich … ich wollte doch nur helfen“, murmelte er. „Toll geholfen“, sagte Emma scharf. „Du machst immer alles kaputt!“ Da warf Jonas die kleine Harke ins Gras. „Dann macht euren blöden Garten doch allein!“ Er drehte sich um und stapfte davon. Emma schnaufte noch wütend. „So ein Depp!“ Aber Opa sagte nichts. Er sah Jonas nach, bis er hinter der Hecke verschwunden war. Dann setzte er sich langsam auf die Gartenbank.

„Emma“, sagte er schließlich ruhig, „merkst du etwas?“ „Was denn?“ „Gerade hast du denselben Fehler gemacht wie Jonas.“ Emma verstand nicht. „Aber ich habe doch gar keine Pflanzen kaputtgemacht!“ Opa nickte langsam. „Aber du hast beim Schimpfen etwas anderes beschädigt.“ Emma schaute auf den Boden. „Jonas wollte helfen“, sagte Opa. „Er war zu hastig und hat Fehler gemacht. Das stimmt. Aber als du nur noch seinen Fehler gesehen hast, hast du vergessen, vorsichtig mit ihm umzugehen.“

Opa zeigte auf das Beet. „Man kann nicht nur Pflanzen verletzen. Auch Menschen. Manchmal passiert das mit Worten.“ Eine Weile war es still im Garten. Dann meinte Emma leise: „Da gibt es doch so eine Geschichte in der Bibel, die Jesus erzählt hat, wo das auch passiert. Weißt du, welche ich meine?“ Opa lächelte: „Ja. Das Gleichnis vom Unkraut im Weizenfeld. Damit wollte Jesus sagen: Wenn Menschen nur noch das Schlechte sehen und sofort alles verurteilen, richten sie oft mehr Schaden an, als sie merken.“

Emma dachte nach. „Also, wenn man böse auf jemanden ist, dann wird man selber böse?“ Opa lachte. „Kann schon sein. Jedenfalls macht man es dem anderen schwer, wieder gut zu sein.“ Emma stand auf, ging zum Gartenzaun und schaute in die Richtung, in die Jonas verschwunden war. „Vielleicht“, sagte sie leise, „sollte ich ihn zurückholen.“ Opa nickte. „Das wäre klüger, als weiter Unkraut zu suchen.“

Der Autor ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern bei Landsberg am Lech.


Auflösung zum Bibel-Quiz:

Was sät der Feind? - Unkraut 
Was soll mit dem Weizen geschehen? - Es soll in die Scheune gebracht werden

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Florian Kopp

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