Jonas und Emma dürfen heute bei den Großeltern übernachten. Sie sitzen auf dem Balkon und die Sonne geht langsam unter. Es ist noch angenehm warm. Emma bringt drei Gläser Wasser und stellt sie auf den Tisch. „Gut, dass du daran gedacht hast“, sagt Opa. „Wasser kann richtig guttun.“ Jonas nickt. „Besonders, wenn man durstig ist.“
Opa schlägt die Kinderbibel auf. „Im morgigen Evangelium sagt Jesus Sätze, die zuerst ein bisschen schwer klingen.“ Emma schaut ihn an. „Schwer?“ „Ja“, sagt Opa. „Jesus sagt: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ Jonas runzelt die Stirn. „Aber wir sollen doch unsere Eltern lieben.“ „Natürlich“, antwortet Opa ruhig. „Und genau das will Jesus nicht wegnehmen. Er meint etwas anderes: Jesus soll für uns das Wichtigste sein. Noch wichtiger als alles andere.“
Emma denkt nach. „Also so, dass wir zuerst auf Jesus hören?“ „Ja“, sagt Opa. „Wenn wir Jesus lieben, lernen wir auch, andere richtig zu lieben. Ehrlich, geduldig und mit offenem Herzen.“ Opa liest weiter: „Jesus sagt auch: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“ Jonas fragt leise: „Was ist denn unser Kreuz?“ „Das sind die schwierigen Dinge im Leben“, erklärt Opa. „Wenn etwas nicht leicht ist: Streit, Enttäuschung, unangenehme Aufgaben … Jesus sagt: Ich lasse euch damit nicht allein. Geht mit mir durch diese Dinge.“
Emma schaut ernst. „Dann ist Jesus also auch da, wo es wehtut?“ „Genau“, sagt Opa. „Und wer Jesus vertraut, verliert am Ende nichts – sondern gewinnt das wahre Leben.“ Dann liest Opa den letzten Teil: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf … und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wird seinen Lohn nicht verlieren.“ Jonas schaut auf die Gläser. „So wie Emma gerade.“ Opa lächelt. „Ja. Jesus sagt: Kleine Zeichen zählen. Ein Glas Wasser, ein freundliches Wort, Hilfe zur richtigen Zeit.“
Emma strahlt. „Dann kann jeder etwas tun.“ „Genau“, sagt Opa. „Man muss kein Held sein. Jesus sieht auch das Kleine." Jonas denkt nach. „Also heißt Jesus lieben: ihm vertrauen – und anderen Gutes tun.“ „Sehr gut zusammengefasst“, sagt Opa. „Wer Jesus an die erste Stelle setzt, lernt, richtig zu leben.“ Die Sonne ist fast verschwunden, und es wird still. Opa sagt leise: „Jesus verspricht: Kein gutes Wort, keine kleine Tat der Liebe geht verloren.“ Jonas und Emma nicken – und halten ihre Gläser fest in der Hand.
Der Autor ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.
Auflösung zum Bibel-Quiz:
Wen soll man nicht mehr lieben als Jesus? – Vater, Mutter, Sohn, Tochter
Was passiert mit jemandem, der sein Leben für Jesus verliert? – Er wird das Leben finden









