Die Spülmaschine war kaputt. Und natürlich gerade dann, wenn nach dem Mittagessen ein riesiger Berg Teller, Schüsseln und Besteck in der Küche stand. Opa seufzte und wandte sich an Jonas: „Jonas, kannst du heute den Abwasch übernehmen?“ Jonas verzog das Gesicht. „Jetzt? Opa, ich hab noch so viele Hausaufgaben! Tut mir leid, aber heute geht’s echt nicht.“ Genervt drehte er sich um und ging aus der Küche. Opa schaute Emma an. Sie lächelte freundlich. „Klar, Opa, mach ich doch gerne. Du kannst dich derweil aufs Ohr hauen!“ „Danke, Emma“, sagte Opa erleichtert.
Nach dem Mittagsschlaf kam Opa zurück in die Küche. Er schaute sich um. Teller, Töpfe und Besteck lagen noch genauso da wie vorher. „Na dann …“, seufzte er enttäuscht, ließ Wasser in die Spüle laufen und begann, das Geschirr zu waschen. Da kam Jonas in die Küche. Er blieb stehen und sah Opa an, der nach dem Kochen nun auch noch allein den Abwasch erledigen musste.
Jonas bekam ein schlechtes Gewissen. „Opa“, sagte er zögernd, „du hast doch schon genug gemacht. Ich helfe dir.“ Er krempelte die Ärmel hoch und stellte sich neben Opa. Gemeinsam waren sie bald fertig. „Danke, Jonas“, sagte Opa, „du hast mir echt geholfen! Weißt du was: Jetzt haben wir uns eine Nachspeise verdient.“ Die beiden setzten sich an den Tisch. Opa holte einen Kuchen hervor, und Jonas schnitt die ersten Stücke ab.
Da kam Emma herein. Sie blieb in der Tür stehen und sah auf den leeren Abwasch, dann auf den Kuchen, dann auf Jonas. „Das ist ja gemein!“, sagte sie. Jonas schaute sie überrascht an. „Was ist gemein? Dass wir Kuchen essen?“ „Nein!“, stotterte Emma. „Sondern dass … ich wollte doch den Abwasch machen, und du hast ihn mir weggenommen.“
Jonas musste kurz überlegen. Dann grinste er. „Aber du hast ihn doch gar nicht gemacht.“ Emma lief rot an. Opa lächelte. „Jetzt streitet euch nicht. Du kannst uns ja einen Kakao machen, Emma. Und dann setz dich zu uns!“ „Na gut“, meinte sie verwirrt und legte los. Dann servierte sie den Kakao und setzte sich dazu.
Da begann Opa zu erzählen: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Eines Tages gab ihnen der Vater einen Auftrag. Der eine sagte zuerst Nein, änderte aber seine Meinung und tat es schließlich doch. Der andere sagte sofort Ja – aber er tat nichts. Wer von den beiden hat getan, was sein Vater wollte?“ „Ist das ein Rätsel?“, fragte Jonas. „Es ist ein Gleichnis“, antwortete Opa und deutete auf die kleine Bibel, die immer neben ihm auf dem Tisch lag. „Ich weiß schon“, sagte Emma und senkte den Blick. Dann musste sie grinsen: „Der Enkel hat getan, was der Alte wollte.“ Da hustete Jonas ein paar Kuchenkrümel und Opa verwuschelte Emma lachend die Haare.
Der Autor ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern bei Landsberg am Lech.
Auflösung zum Bibel-Quiz:
Wie viele Söhne hatte der Mann? – Zwei
Wem wurde nicht geglaubt? – Johannes
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