Gestern jährte sich die Weltpremiere des ersten Harry-Potter-Films zum 25. Mal – ein großer Tag für dessen Fans. Passend dazu wurde gestern auch in London der bislang größte offizielle Harry-Potter-Shop Großbritanniens eröffnet. Nicht ganz so zauberhaft: Demonstrationen vor dem Shop gegen Harry-Potter-Schöpferin J. K. Rowling. Allerdings war das nichts Neues. Seit gut fünf Jahren wird die Feministin, die Hunderte Millionen für Frauenhäuser spendet, mit Mord-, Folter- und Vergewaltigungsdrohungen so überflutet, dass sie nach eigenen Angaben damit ihr Haus tapezieren könnte. Warum? Weil sie sich für Frauen einsetzt. Von wem kommen die Drohungen? Von Transaktivisten, aber auch von Feministinnen.
Im gespaltenen Feminismus-Lager gibt es nämlich diejenigen, die meinen, Transfrauen – also biologische Männer – müssten in allem dieselben Rechte wie biologische Frauen haben. Und diejenigen – wie Rowling –, die der Ansicht sind, dass bestimmte Forderungen der Transrechtsbewegung wie der Zugang von Transfrauen zu Frauenschutzräumen, Frauengefängnissen und zum Frauensport die Rechte und Sicherheit biologischer Frauen gefährden und deshalb entschieden zurückgewiesen werden müssen.
Erst vor zwei Wochen bekräftigte Rowling in einem Essay ihre Positionen – am 21. Oktober, also genau dem Tag, an dem bekannt wurde, dass Alice Schwarzers „Emma“ nach 50 Jahren eingestellt wird. Rowling und Schwarzer haben so manches gemeinsam. Beide treten für die – wie Schwarzer es formuliert – „unverrückbare wissenschaftliche Tatsache, dass es rein biologisch nur zwei Geschlechter gibt“ ein. Beide verteidigen Schutzräume von biologischen Frauen vor Transfrauen, auch wenn sie beide immer und immer wieder betonen, dass sich ihre Kritik nicht gegen Transpersonen richtet, sondern gegen gewisse Forderungen von Transaktivisten. Beiden wird Transfeindlichkeit vorgeworfen. Beide Feministinnen sind vonseiten anderer Feministinnen heftigen öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt. Auch wenn man nicht alles in ihrem Lebenswerk befürwortet, so kann man den Hut ziehen vor ihrem Mut, die Wahrheit auch dann weiterhin öffentlich zu äußern, wenn es sehr ungemütlich wird und ihnen öffentlicher Hass entgegenschlägt, der ihr Leben bedroht.
Doch der Umgang mit ihnen wirft eine grundsätzliche Frage auf: Was ist aus einem Feminismus geworden, der einst gegen Denkverbote antrat, wenn heute in seinen eigenen Reihen Andersdenkende massiv eingeschüchtert und ausgegrenzt werden? Ausgerechnet eine Bewegung, die Frauen von gesellschaftlichen Zwängen befreien wollte, scheint heute selbst bestimmen zu wollen, was Frauen denken und sagen dürfen.
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