Am Samstag standen sie in Essen im Mittelpunkt einer ungewöhnlichen Modenschau. Der Orden der „Barmherzigen Schwestern von der Heiligen Elisabeth“ feierte den 800. Geburtstag seiner Namensgeberin und präsentierte bei einem Mittelalter-Fest Schwesternbekleidung von der Antike bis heute. Zur Überraschung der Zuschauer entpuppten sich die Ordensgewänder vielfältiger als vermutet.
Blicke der Passanten gewöhnt
Lampenfieber auf dem Laufsteg? Keineswegs. Schwester Maria Mathilda lacht: „Ich führe meine eigene Tracht ja jeden Tag vor. Heutzutage, bei immer weniger Ordensschwestern, bin ich die Blicke der Passanten gewöhnt.“ Maria Mathilda gehört seit 1956 dem Essener Orden an und an diesem Samstag gemeinsam mit den Krankenschwester-Schülerinnen der Consilia-Akademie ausnahmsweise mal zur Model-Gilde. Im Gegensatz zu den professionellen Laufsteg-Schönheiten verzichteten die Nonnen allerdings auf den koketten Hüftschwung, sondern begnügten sich mit einer kleinen Drehung und einem freundlichen Lächeln.
Die klassischen Bestandteile des „Dress-Codes“ der Nonnen sind eine Haube und ein schlichtes Gewand. Doch der Habit war nicht immer Schwarz und Weiß. Maria Mathilda zeigte unter anderem die Tracht der Beginen. Sie war blau. Zur Kleidung der französischen Ordensschwestern „Hotel de Dieu“ gehörten hingegen eine braune Kordel und ein Schlüsselbund.
Die Nonnentracht soll nicht modisch sein
Das älteste Schwesternkleid, das am Samstag vorgeführt wurde, war das der „Weißen Hygeia“, einer Gestalt aus der griechischen Mythologie. Zu dem mit blaubestickten Rändern verzierten Gewand wurde ein Stirnband getragen – der Vorgänger der Haube. Viel strenger die Florence-Nightingale-Tracht: Schwarzer Rock, schwarze Bluse und ein weißer Kragen – immerhin aus Spitze. Die Tracht, die die Nonnen bei ihrer Arbeit tragen, soll gar nicht modisch sein, sondern „Barmherzigkeit und Helfen-Wollen“ ausdrücken, betont eine Organisatorin der Modenschau.
Das Essener Kloster öffnete mit dieser originellen Schau erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit. Gegründet wurde der Orden 1843. Heute sind die Schwestern in Krankenhäusern, Kindergärten und anderen sozialen Einrichtungen tätig. „Vor 15 Jahren ist die letzte dazu gekommen“, erzählt Schwester Annemarie. „Aber wir machen mit dem Fest heute keine Werbung für das Kloster. Schwester zu werden ist eine Berufung.“
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