Satire ist kein Journalismus. Aber auch nicht alles, was zu Lachern führt, ist auch schon Satire. Manchmal geht es auch nur darum, eine Kampagne als Journalismus zu tarnen. Und wenn man die dann noch mit Satire ummanteln kann, dann kann besonders erfolgreich das eigentliche Ziel vor dem Publikum verschleiert werden. Die Zuschauer schlagen sich fröhlich auf die Schenkel, eigentlich aber werden sie indoktriniert.
Nach genau dieser Methode schien nach Meinung seiner Kritiker in den letzten Jahren Jan Böhmermann vorzugehen. Und am Ende hatten diese kritischen Stimmen wohl auch endlich Gehör in den Führungsetagen des ZDF gefunden. Im Dezember soll mit dem „ZDF Magazin Royale“ Schluss sein. Böhmermann betont seinen eigenen Entschluss. Aber auch Intendant Norbert Himmler fand zum Abschied kritische Worte für den, den doch vorher lange alle einfach nur verniedlichend „Böhmi“ genannt hatten: Böhmermann sei am Schluss vielleicht „zu fanatisch“ geworden, sagte er der „Zeit“.
Dass man auf dem Mainzer Lerchenberg zumindest langsam eine dunkle Ahnung davon bekommt, dass sich in der öffentlichen Meinung ein Umschwung vollziehen könnte und man darauf irgendwie reagieren müsse, konnte man schon vorher bemerken. Es gibt einige Indizien dafür, dass die Programmmacher einen Vibe-Shift, also den Wandel einer Meinungsdominanz von Mitte-links hin zu Mitte-rechts, nicht nur registrieren, sondern auch Konsequenzen ziehen wollen. So moderiert Jan Fleischhauer seit vergangenem Jahr „Keine Talkshow“. Ein Gesprächsformat, bei dem der prononciert nicht linke Journalist bevorzugt mit einem Gegenüber aus einem anderen politischen Lager in einer inszenierten Zellensituation über aktuelle Fragen der Zeit plaudert.
Zwischen den Stühlen
Und nun gibt es auch noch Florian Schroeder. Da der kein Journalist ist, sondern eben aus der Satire-Szene stammt, steht quasi unausgesprochen immer über seinem Kopf die Frage: Soll der nun der Anti-Böhmermann sein? Das sichert ihm einerseits eine besondere Aufmerksamkeit, andererseits aber auch besonders hohe Kritikbereitschaft. Zuerst schlug sie Schroeder von der linken Seite entgegen. Sie, merklich gekränkt über den Verlust ihres Helden „Böhmi“, möchte nun gerne Schroeder in rechtspopulistische Fahrwasser schieben. Die Taz: „Der ÖRR ist kein Bollwerk mehr gegen den Rechtsruck.“ Aber auch von rechter Seite wird gemosert. „Er gibt sich als Grenzgänger, doch wird es gefährlich, bleibt Schroeder auf Tuchfühlung mit dem Sendeauftrag“, lautet das Urteil der „Jungen Freiheit“. Schroeder selbst muss das nicht stören. Es ist erst die erste Folge seines „Journal deluxe“ ausgestrahlt worden. Und wer Kritik von allen Seiten bekommt, kann nicht alles schlecht machen. Wenn der 47-Jährige es schafft, die Böhmermann-Vergleiche abzuschütteln, könnte es für ihn noch ganz lustig werden, vielleicht auch für die Zuschauer.
Zum Abschied gab es selbst vom ZDF- Intendanten kritische Worte zu „Böhmi“.
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