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"Still Up": Schlaflos in London

Die Apple-TV+-Serie „Still Up“ entpuppt sich als eine Komödie mit schrägem Humor, die durch die Chemie zwischen den Hauptdarstellern und die schrulligen Nebenfiguren überzeugt.
Apple-TV+-Serie „Still Up“
Foto: Apple-TV+ | Danny (Craig Roberts) und Lisa (Antonia Thomas) telefonieren stundenlang miteinander, weil die beiden „besten Freunde“ unter Schlaflosigkeit leiden.

Zwei junge Menschen, die an chronischer Schlaflosigkeit leiden, verbringen stundenlange FaceTime-Gespräche miteinander. Danny (Craig Roberts), der an Agoraphobie leidet, hat seine kleine Wohnung seit langem nicht mehr verlassen. Lisa (Antonia Thomas), die Mutter einer kleinen Tochter aus einer früheren Beziehung, führt eine offenbar stabile Beziehung mit Veggie, einem liebenswürdigen, aber arbeitssüchtigen Mann, der jedoch eine gute Beziehung zu seiner Stieftochter pflegt. 

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Die Serie ist gespickt mit schrägem Humor, zum Beispiel als Lisa eines Nachts zur Apotheke geht, und sich angesichts des verschwundenen Apothekers selbst als solche ausgibt. Oder wenn sich Danny vor seinem schrulligen Nachbarn versteckt, der nur als „Katzenmann“ bekannt ist, und dabei akrobatische Klimmzüge machen muss, um an die telefonisch bestellte Pizza zu gelangen. Solche absurden Situationen treten immer wieder auf, gepaart mit einer Prise Slapstick. Das führt aber auch dazu, dass sich der Zuschauer fragt, wie die Protagonisten aus der jeweiligen Sackgasse entkommen.

Sind sie „nur“ beste Freunde oder entwickeln sie tiefere Gefühle?

Die beiden telefonieren nahezu pausenlos, und reden über alles, wie beste Freunde es tun. Die Frage, die sich durch die Serie wie ein roter Faden zieht: Sind sie „nur“ beste Freunde oder entwickeln sie tiefere Gefühle füreinander? Bemerkenswert in dem Zusammenhang: Lisa möchte Danny helfen, eine neue Frau kennenzulernen, nachdem ihn seine Freundin vor einiger Zeit verlassen hatte. Sie legt für ihn ein Profil in einer Dating-App an, und prompt erscheint auf ihrem eigenen Profil als bestmögliche Übereinstimmung … Danny! Situationskomik entsteht auch beim Besuch der charmanten Amy (Lois Chimimba) bei Danny, mit der sich der jungen Mann verabredet hat.


Sowohl die Drehbuchautoren Steven Burge, Natalie Walter und Bryce Hart als auch der praktisch unbekannte Regisseur John Addis lassen den Zuschauer sofort mitten ins Herz der Serie eintauchen. Sie beginnt unmittelbar mit einem Telefonat. Wie sich die beiden kennengelernt haben, bleibt nahezu die gesamte Laufzeit unerwähnt. Die knapp halbstündigen Folgen haben etwas Kammerspielartiges, besonders weil Danny so gut wie nie seine Wohnung verlässt. Auch wenn dies bei Lisa anders ist, erinnert das Setting stark an die sogenannten Sitcoms der 1990er Jahre.

Trotz der zeitlichen und teilweise auch räumlichen Begrenztheit des Formats, das an die während des Lockdowns produzierten Serien erinnert, gelingt es den Serienentwicklern, das Tempo hochzuhalten. Dazu tragen die kurze Laufzeit der Episoden, die Musikauswahl und die fast magischen nächtlichen Bildern von London bei, dem Schauplatz der Serie.

Unterhaltsame und in vielen Fällen lustige Komödie

„Still Up“ ist eine unterhaltsame und in vielen Fällen auch lustige Komödie. Dies liegt vor allem an der Chemie zwischen den Schauspielern Antonia Thomas und Craig Roberts, auch wenn sie eigentlich kaum eine reale – und nicht nur virtuelle – gemeinsame Szene haben.

Beide verkörpern ihre Figuren mit großer Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit, wodurch das Duo besonders unterhaltsam wirkt. Dazu kommen die skurrilen Nebenfiguren, die für zusätzliche Slapstick-Situationen sorgen, so dass „Still Up“ zwischen Slapstick-Comedy und romantischer Komödie pendelt.

Trotzdem zeichnet die Serie ein düsteres Bild der Familie, da sie kaum Möglichkeiten für eine dauerhafte Bindung bietet. Dennoch: Auch in dieser Hinsicht hebt sich „Still Up“ von anderen ähnlichen Serien ab, in denen Frivolität überwiegt.


„Still Up“. Drehbuch: Steven Burge, Natalie Walter, Bryce Hart, Regie: John Addis. USA 2023, 8 Folgen à ca. 30 Minuten. Auf Apple TV+.

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José García

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