Der Ex-Wrestler Dwayne „The Rock“ Johnson ist ein Halbgott: Für die Fans des Superstars war das schon lange klar, nun kann es die ganze Welt im Kino sehen. Die Rolle des selbstverliebten Halbgottes Maui, dem er bereits in den Animationsfilmen „Vaiana“ (2016) und „Vaiana 2“ (2024) seine Stimme gab, spielt er jetzt in der neuen Realverfilmung des ersten „Vaiana“-Themas. Die damaligen Animationsfilme wurden für den Disney-Konzern zu Kinohits und spielten gemeinsam mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar ein. Der erste Film stieg bei Disney+ sogar zum meistgestreamten Film der letzten Jahre auf. Damit war es nur eine Frage der Zeit, bis man sich irgendwann auch an eine Live-Action-Adaption des Südsee-Abenteuers machen würde. Für viele Fans war es aber dann doch eine große Überraschung, als Disney 2023 ein Live-Action-Remake von „Vaiana“ ankündigte – gerade einmal sieben Jahre nach der Veröffentlichung des animierten Originals.
Skeptische Kritiker
Wenn populäre Animationsfiguren in Realverfilmungen zurückkehren, sorgt das unter Fans immer wieder für Gesprächsstoff; somit hielt sich auch die Begeisterung über die Ankündigung eher in Grenzen und warf Fragen nach Existenzberechtigung und Notwendigkeit einer so frühen Realverfilmung auf. Diese Kontroversen bestimmen nun auch zahlreiche Filmkritiken. Denn das Live-Action-Abenteuer hält sich so extrem eng an die beliebte Vorlage von 2016, dass Kenner des Originals kaum etwas Neues zu sehen und zu hören bekommen. Warum gibt es diesen Film dann überhaupt – und lohnt sich der Gang ins Kino? Der Film entstand unter der Regie von Emmy- und Tony-Award-Gewinner Thomas Kail („Hamilton“). Auch in seiner Eins-zu-eins-Kopie des originalen Animationsfilms lebt die 16-jährige Häuptlingstochter Vaiana (Catherine Laga’aia) gemeinsam mit ihrer Familie und ihrem Stamm auf der polynesischen Insel Motunui.
Eigentlich scheint ihre Heimat das Paradies auf Erden zu sein und ihr Vater, der Häuptling Tui (John Tui), hat sie bereits als künftiges Oberhaupt ihres Stammes auserwählt. Doch obwohl es streng verboten ist, das die Insel umgebende Riff zu überqueren, zieht es Vaiana immer wieder hinaus aufs Meer. Als die Pflanzen auf der Insel von einer mysteriösen Krankheit befallen werden und gleichzeitig der Fischfang ausbleibt, bedroht das die Existenz des Stammes. Da enthüllt Vaianas Großmutter Tala (Rena Owen) ihr, dass ihre Vorfahren nicht immer auf der Insel gelebt haben, sondern einst ein reisendes Volk waren. Diese Offenbarung wird für Vaiana zu einem entscheidenden Schritt, sich in die weite Welt hinauszuwagen. Und so bricht sie schließlich auf, um den Halbgott Maui (Dwayne Johnson) zu finden, der einst das Herz der Göttin Te Fiti gestohlen und damit die mysteriöse Krankheit über die Welt gebracht hat. So viel zur bekannten Geschichte des Films.
Hochglanz ohne Mehrwert
In den vergangenen Jahren hat der Zauber von Disney für viele seinen Glanz verloren. Die Traumfabrik, einst ein Garant für fantastische Kinoerlebnisse und volle Kinokassen, kämpft seit Jahren immer wieder mit negativer Kritik und mageren Einspielergebnissen. Daher macht Disney es sich aus monetären Gründen vermehrt zur Aufgabe, beliebte Animationsfilme durch Realverfilmungen zum Leben zu erwecken. Nach „Arielle, die Meerjungfrau“ (2023), „Mufasa“ (2024), „Schneewittchen“ (2025) und „Lilo & Stitch“ (2025) erscheint somit mit „Vaiana“ (Originaltitel „Moana“) jetzt die nächste Disney-Geschichte als Live-Action-Produktion auf der großen Leinwand. Der kurze zeitliche Abstand zu dem Originalfilm tut der Realverfilmung jedoch keinen wirklichen Gefallen, weil „Vaiana“ von 2016 zum einen der deutlich bessere Film ist und zum andern diese Heldenreise immer noch fantastisch aussieht und daher definitiv keinen Neuanstrich und erst recht keine detaillierte Eins-zu-eins-Kopie gebraucht hat. Die Realverfilmung ist mit ihren Hochglanzbildern folglich schön mitanzusehen, aber wagt keinerlei Experimente und bietet daher einfach keinen tatsächlichen Mehrwert.
Zwischen echt und virtuell
Die junge Vaiana-Darstellerin Catherine Laga’aia macht zwar ihren Job sehr gut, versprüht jugendlichen Charme und Begeisterung, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Dwayne Johnson, der den Film mitproduziert hat, als Maui gewöhnungsbedürftig ist, da er mit seinen 54 Jahren bereits viel zu alt für seine Rolle ist und weder sein angemalter muskulöser Oberkörper noch seine lockige Langhaarperücke auf seinem kahlen Haupt wirklich überzeugen können. Wie beim animierten Original liegt auch der Charme des neuen Films nach wie vor in der emotionalen Geschichte, den von polynesischer Kultur inspirierten Schauwerten und den eingängigen Songs mit Ohrwurm-Qualität. „How Far I’ll Go“ bzw. „Ich bin bereit“ in der deutschen Fassung wurde nicht umsonst für einen Oscar als bester Song nominiert – und den singt Catherine Laga’aia genauso schön wie ihre Vorgängerin Auliʻi Cravalho aus dem Animationsfilm.
Doch die Mischung aus echten Schauspielern und computeranimierten Effekten sorgt mitunter auch für Irritationen. Denn nicht nur das Dauer-Mantra weiblicher Selbstermächtigung bei modernen Disney-Prinzessinnen wirkt generisch, sondern auch die kitschigen Spezialeffekte, die nicht mehr als einen müden Déjà-vu-Effekt erzeugen können. Insgesamt ist die Realverfilmung von „Vaiana“ zwar ein mit Abstrichen schönes und buntes Abenteuer mit sympathischen Figuren und tollen Gesangseinlagen geworden, aber die Frage bleibt, ob dieser Film tatsächlich nötig war, wenn man die Unterschiede zur Originalvorlage fast schon mit der Lupe suchen muss.
„Vaiana“, USA 2026, 116 Minuten, Regie: Thomas Kail, seit dem 9. Juli im Kino.
Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln.
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