Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nichte von Maximilian Schell im Gespräch

Marie Theres Relin - eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht

Die Schauspielerin spricht über feministische Anerkennung von Hausfrauen und ihren Bestseller „Szenen keiner Ehe“.
Marie Theres Relin zeichnet im Bestseller „Szenen keiner Ehe“ gemeinsam mit Ex-Mann Franz Xaver Kroetz die Geschichte ihrer Ehe nach.
Foto: Tobias Hase (dpa) | Marie Theres Relin zeichnet im Bestseller „Szenen keiner Ehe“ gemeinsam mit Ex-Mann Franz Xaver Kroetz die Geschichte ihrer Ehe nach.

Die Schauspielerin Marie Theres Relin spricht sich für eine feministische Anerkennung von Hausfrauen aus. Im Gespräch mit der "Tagespost" erklärt sie: „Simone de Beauvoir, die ich sehr verehre, hatte keine Kinder.“ Laut Relin habe ihr dadurch ein großer Teil von Emanzipation gefehlt. „Sie durfte ihre Freiheit leben, aber lass mich bitte als Mutti auch die Freiheit leben!“ Ohne Mütter, betont die 57-Jährige, gebe es keine Gesellschaft. „Deshalb müssen wir Müttern die Chance geben, die Kinder gern großzuziehen.“

„Sie haben ihn aber nicht verführt?“

Relin spricht auch über den Missbrauch, den sie in ihrer Familie erlebte, nicht nur als 14-Jährige durch ihren Onkel, den Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell, sondern auch durch ihren eigenen Vater, der sie als Dreijährige nackt gezeichnet habe. „Das war für mich Normalität“, so Relin. Ihr Liebesleben hätten diese Erlebnisse nicht beeinflusst. Allerdings habe es sie „gefoltert“, dass der Schein der Familie habe gewahrt werden müssen. „Man wird mundtot gemacht und es wird gefragt: ,Sie haben ihn aber nicht verführt?‘“, so Relin.

Lesen Sie auch:

Jüngst veröffentlichte Relin zusammen mit ihrem Ex-Mann, dem Dramatiker Franz Xaver Kroetz, das Buch "Szenen keiner Ehe". Dazu erzählt sie gegenüber dieser Zeitung: „Mir war klar, dass Kroetz sich eher in seinem Elend suhlt." Laut Relin handelt das Buch von der Geschichte einer Frau, die „mit beiden Beinen im Leben steht“, dann aber mit dem Ex-Mann in die alte Atmosphäre zurückgelangt. „Das Ich bröckelt stückchenweise ab, sie gibt sich wieder ein wenig auf“, so Relin. Durch die Ergründung alter Muster finde sie dann aber zu ihrer Unabhängigkeit zurück. „Ich beschreibe mein, ja, Losertum, um zu zeigen, dass aus jeder negativen Erfahrung eine positive Geschichte werden kann“, so Relin.  DT/sdu

Mehr über Relins Erfahrungen in ihrer Ehe, ihr Verständnis von Brüderlichkeit und was sie unter Dichtung und Wahrheit versteht, erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Simone de Beauvoir

Weitere Artikel

James Vanderbilts Film „Nürnberg“: große Schauspielkunst und intensives Kammerspiel, aber schwach in der historischen und moralischen Einordnung.
07.05.2026, 11 Uhr
José García
„Jedermann“ und seine Gesichter: Wie große Schauspieler die berühmteste Rolle der Salzburger Festspiele prägten.
06.04.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser