Medjugorje

Franziskanerpater: Medjugorie „einmalig“ in der katholischen Kirche

Am heutigen Freitag geht das Jugendfestival in Medjugorje zu Ende. Der Franziskanerpater Tomislav Pervan, seit Jahrzehnten in der Region tätig, zieht ein positives Fazit. Und er erklärt, woher die Faszination für den Pilgerort rührt.
Medjugorje
Foto: Picasa | Der seit Jahrzehnten in Medjugorje wirkende Franziskanerpater Tomislav Pervan sagt, die Ereignisse in Medjugorje seien "eine Aktualisierung und Realisierung des Evangeliums.

Als „einmalig in der ganzen katholischen Kirche“ hat der Franziskanerpater Tomislav Pervan das Internationale Jugendfestival in Medjugorje bezeichnet, das an diesem Freitag zu Ende ging. Gegenüber der Tagespost erklärte Pervan, der momentan ein Frauenkloster in der Nähe des herzegowinischen Wallfahrtsortes betreut, andere bedeutende Pilgerorte wie Lourdes, Fatima oder Guadalupe seien derzeit „erschreckend leer“, während zum Jugendfestival nach Medjugorje Tausende von Pilgern gekommen wären.

Die Menschen haben Hunger nach Spirituellem

Lesen Sie auch:

Die sechstägige Veranstaltung, die in diesem Jahr unter dem Motto „Was muss ich Gutes tun?“ stattfand, besuchten nach Angaben der Veranstalter rund 10.000 Jugendliche aus 54 Ländern. Die höchsten Teilnehmerzahlen verzeichneten die Gastgeberländer Bosnien und Kroatien, aber auch zahlreiche Gläubige aus Polen, der Ukraine und Rumänien reisten in den Pilgerort. Die Abschlussmesse am Donnerstagabend verfolgten fünf Millionen Zuschauer über TV- und Internetstreams.

„Für mich ist es wirklich ein Wunder, dass so viele gekommen sind, vor alles aus dem europäischen Osten“, betonte Pater Pervan, der von 1994 bis 2001 Provinzial der Franziskaner von Herzegowina war. Das große Interesse zeige: „Die Menschen haben einen Hunger nach Spirituellem, nach Gott, der Mensch ist ,unheilbar‘ religiös.“ Pervan verwies auch auf den polnischen Papst Johannes Paul II., der gesagt habe, Europa müsse mit beiden Lungenflügeln durchatmen, um voll zum Atmen kommen. „Vor allem in dieser Pandemie, in der man sieht, dass Atmen lebenswichtig ist“, so der 74-jährige Geistliche.

Man müsse die Jugendlichen bewundern, die trotz der hohen Temperaturen von teilweise bis zu 42 Grad am Programm des Jugendfestivals teilgenommen hätten. „All das unter der sengenden Hitze. Die Adria ist nur eine halbe Stunde Fahrt entfernt, dort kann man schwimmen und sich ausruhen – trotzdem kommen sie nach Medjugorje und baden hier im eigenen Schweiß. Ist das nicht ein Opfer, eine Leistung?“   

Mutige und ermunternde Worte von Kardinal Sarah

Auch der afrikanische Kurienkardinal Robert Sarah nahm am Jugendfestival teil, feierte Gottesdienste und leitete Katechesen. In Anbetracht von dessen hochrangiger Position nannte Pervan Sarahs Kommen „ein Wunder“. Der Kardinal habe „mutige und ermunternde Worte“ an die versammelten Gläubigen gerichtet. „Ihm geht es um die Kirche. Um die christliche Wahrheit, die heute verwässert wird“, so Franziskanerpater. Aus Sarahs Worten und Werken spreche die „Liebe zu Gott, Christus, zum heiligen Geist, Maria und der Kirche“.  

Auf die Frage, wie er sich die anhaltende Faszination für den Pilgerort Medjugorje erkläre, antwortete Pervan, man könne Pilger mit Zugvögeln vergleichen: „Sie suchen Wärme, ein Nest, ein Heim, Orte, wo es einem warm ums Herz wird, wo man sich zuhause fühlt. Und wo ist man besser aufgehoben als bei der Mutter?“ So verhalte es sich auch mit Medjugorje. 

Auch das Sakrament der Beichte spiele bei der Anziehung des Ortes eine wichtige Rolle. Während seiner zwanzigjährigen Beichtpraxis in Medjugorje habe er dies täglich bezeugen können. „Viele sagen, in Medjugorje herrscht eine positive Atmosphäre, eine gewisse ,Aura‘, die einen umgibt und in die Knie zwingt und in den Beichtstuhl führt“. Daher sei Medjugorje auch zum „Beichtstuhl der Welt“ erklärt worden. „Mit Recht“, wie Pater Pervan meint: „Davon konnten sich alle überzeugen, die in diesen Tagen hier waren. Und das ist ein klares Zeichen vom Himmel, wo Ruhe und Frieden zu finden sind: Bei der Mutter, die zu ihrem Sohn hinführt.“  DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Er wisse nicht, wohin der Synodale Weg führen solle, meint der afrikanische Kurienkardinal - und warnt vor einer Neuerfindung der Kirche.
23.09.2021, 08  Uhr
Meldung
Aktion im Wallfahrtsort. Claudia Weiß vom Youcat-Team will mit jungen Missionaren in dem Marienwallfahrtsort für den Glauben werben. Eine internationale Initiative.
05.04.2022, 19  Uhr
Barbara Stühlmeyer
Themen & Autoren
Meldung Geistliche und Priester Gläubige Gottesdienste Jesus Christus Johannes Paul II. Kardinäle Katholische Kirche Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kurienkardinäle Pilger Päpste Robert Sarah

Kirche

Der vom Synodalem Weg geplante Synodale Rat stößt auf dezidierte Kritik. Laut Kardinal Kasper zerstört ein solches Gremium die Struktur, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“.  
05.07.2022, 10 Uhr
Dorothea Schmidt
Dass der US-Supreme-Court „Roe vs. Wade“ gekippt hat, war zweifelsfrei ein Sieg für den Lebensschutz. Sich von den Mächtigen der Welt das Heil zu erwarten, ginge aber an der Wirklichkeit vorbei.
05.07.2022, 07 Uhr
Rudolf Gehrig
Warum der Zweite Weltkrieg für die orthodoxe Kirche Entspannung brachte, die Verfolgung der Katholiken in der Sowjetunion aber stärker wurde.
05.07.2022, 19 Uhr
Rudolf Grulich