Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erfurt

Corona: Warnung vor „Retrokatholizismus“

Die Erfurter Theologin Julia Knop warnt angesichts der Coronakrise vor "Magie" und "Regression".
Weihwasser und Coronavirus
Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa) | "Magische Restbestände und regressive Muster, die einen fatalen Trost versprechen, sind theologisch zu dekonstruieren", so die Erfurter Dogmatikerin Knop. Weder Weihwasser noch Hostie wirkten viruzid.

Die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop hat sich mit einem Beitrag auf dem Blog der katholisch-theologischen Fakultät Erfurt gegen einen „Retrokatholzismus“ gewandt, der angesichts der Coronakrise wieder aufträte: „Magische Restbestände und regressive Muster, die einen fatalen Trost versprechen, sind theologisch zu dekonstruieren. Weder Weihwasser noch Hostie wirken viruzid. Und nicht alles, was erlaubt ist und vor Jahrzehnten einmal gängig war, ist heute sinnvoll.“

Lesen Sie auch:

Eine „deinstitutionalisierte und überkonfessionelle" Weise, Christ zu sein

Explizit nannte das Mitglied der Vollversammlung des Synodalen Weges und des „Synodalforums Macht und Gewaltenteilung“ Einzelkommunionen außerhalb der privat zelebrierten Messe, Sakramentsprozessionen, die Marienweihen von Bistümern, Generalabsolutionen und die Gewährung von Ablässen.

Dagegen erfänden Menschen jetzt „kreativ und eigenständig neue Formen von Gebet und Solidarität, die sie untereinander und mit Gott verbinden“. Unabhängig von Konfession und Religion muteten Menschen Gott „ihre Verunsicherung, ihre Einsamkeit und ihre Toten zu“. Durch Gebet und Gottesdienst zuhause entstehe nun eine „deinstitutionalisierte und überkonfessionelle Weise, Christ*in und Kirche oder einfach ein gottgläubiger Mensch zu sein“. Knop führte weiter aus, dass Christen nicht behaupteten, dass das Leid einen Sinn hätte, aber dass sie es „in den größeren Horizont Gottes“ stellten.

Zurückhaltend, was umfassende Welterklärungen angeht

Dabei habe die Erfahrung von Natur- und menschengemachten Katastrophen die Theologie zurückhaltend werden lassen, was umfassende Welterklärungen angeht. An die Stelle ausgeklügelter Theodizee-Entwürfe sei der Verweis auf die Grenzen solcher Konstruktionen getreten. Auch die Frage, ob die Coronakrise einen ‚höheren Sinn‘ habe, müsse um Gottes und der Menschen willen offen bleiben: Theologie stehe dafür ein,“ dass die Klage angesichts hunderttausendfacher Infektionen und zigtausender Toter, die isoliert und trostlos starben, nicht verstummt“, so Knop.

DT/ska

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Corona Pandemie

Weitere Artikel

„Liebend, streitend, prägend“ – und in der Forschung lange übersehen: Geschwister. Ein Blick auf eine ganz besondere menschliche Verbindung.
21.06.2026, 17 Uhr
Annalia Machuy
Der Tech-Milliardär Peter Thiel wurde eingeladen, bei den Wiener Festwochen über den Antichrist zu diskutieren. Nach scharfen Kontroversen lud man ihn nun wieder aus.
31.05.2026, 13 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Bei einer Podiumsdiskussion in der Konrad-Adenauer-Stiftung sprechen führende Kirchenvertreter aus der Ukraine über Glaube im Krieg und eine möglich Aussöhnung mit Russland.
30.06.2026, 17 Uhr
Michael Leh
Kurz vor den Bischofsweihen warnt der Papst die Priesterbruderschaft St. Pius X. vor einem „schismatischen Akt“. Jetzt reagiert deren Generaloberer mit einem persönlichen Brief.
30.06.2026, 13 Uhr
Meldung
Den Synodalen Weg in seinem Lauf hält offenbar weder Papst noch Kurie auf: Die eigentlich obsolete deutsche Kommission zur Frauenweihe sucht Mitglieder.
30.06.2026, 11 Uhr
Regina Einig