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Asia-Bibi-Biografin reagiert „sprachlos“ auf Distanzierung von Biografie

Sie könne nicht glauben, dass Asia Bibi Blasphemie und die Extremisten verteidige, so die Biografin Anne-Isabelle Tollet. Bibi sei nach der Haft „psychisch gestört“, vermutet die französische Autorin.
Die pakistanische Christin Asia Bibi
Foto: Philippe Lopez (AFP) | „Ich bin mit diesem Buch absolut nicht einverstanden, weil es nicht meine Autobiografie ist“, zitiert Ucanews Asia Bibi.

Mit Entsetzen hat die französische Schriftstellerin Anne-Isabelle Tollet auf die Distanzierung der pakistanischen Christin Asia Bibi von der für Ende September geplanten Biografie reagiert. Tollet, die Bibi als einzige Journalistin nach ihrem Freispruch vom Vorwurf der Blasphemie interviewen durfte, erklärte in einer Stellungnahme: „Ich kann nicht glauben, dass Asia Bibi Blasphemie und die Extremisten verteidigt, die nur eines wollen: dass sie hängt.“ Es mache sie „sprachlos“, dass sie genau die pakistanischen Blasphemiegesetze befürworte die ihr Leben ruiniert hätten.

Bibi lobt Rechts- und Justizsystem Pakistans

Dem Programm des Senders Voice of America (VOA) in der pakistanischen Sprache Urdu hatte Asia Bibi gesagt, sie sei an der Biografie nicht beteiligt gewesen, wie der asiatische Pressedienst Ucanews berichtete. „Ich bin mit diesem Buch absolut nicht einverstanden, weil es nicht meine Autobiografie ist“, zitiert Ucanews aus dem Interview. Zudem lobte Bibi das Rechts- und Justizsystem Pakistans und rechtfertige damit indirekt auch das Blasphemiegesetz.

Die Biografin Tollet meinte weiter, sie könne sich Bibis Äußerungen nur damit erklären dass sie nach neun Jahren in Haft „psychisch gestört“ sei. „Sie will wieder in Pakistan leben, daher distanziert sie sich von dem Buch, das von ihrem Leben seit ihrer ersten Todesstrafe aufgrund des Vorwurfs der Blasphemie berichtet.“ 

„Ich habe meine Arbeit gemacht: Sie ist frei!“  

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Die von ihr verfasste Biografie verteidigte Tollet. „Ich habe Asia Bibi im September 2019 getroffen und habe unmittelbar danach das Buch geschrieben.“ Dabei sei sie stets in Kontakt mit Asia Bibi geblieben. Nun werde Bibi von Leuten beraten, die ihr einredeten, sie könne wieder nach Hause zurückkehren, wenn sie diejenigen verteidige, die „ihr die Schlinge um den Hals legen“ wollten. Asia Bibi sei „nicht gebildet“, daher könne sie nicht einschätzen, welche Auswirkungen ihre Kommentare in den Medien hätten.

Für sich persönlich zieht Tollet dennoch das Fazit: „Ich habe meine Arbeit gemacht: Sie ist frei!“  

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