Da das Wort Fleisch geworden ist, spricht nun das Fleisch und schreit den göttlichen Wunsch heraus, uns zu begegnen. Das Wort hat unter uns sein schwaches Zelt aufgeschlagen. Dabei kommen uns unweigerlich die Zelte in Gaza in den Sinn, die seit Wochen dem Regen, dem Wind und der Kälte ausgesetzt sind, ebenso wie die Zelte vieler anderer Flüchtlinge und Vertriebener auf allen Kontinenten oder die notdürftigen Unterschlüpfe Tausender Obdachloser in unseren Städten.
Gefährdet ist das Fleisch der wehrlosen Bevölkerungen, die unter den zahlreichen noch andauernden oder schon beendeten Kriegen leiden, die Trümmer und offene Wunden hinterlassen haben. Verletzlich sind die Seelen und das Leben der jungen Menschen, die zum Kriegsdienst gezwungen werden und dort an der Front die Sinnlosigkeit dessen erkennen, was von ihnen verlangt wird, und auch die Lügen, von denen die großspurigen Reden derer, die sie in den Tod schicken, triefen.
Wenn die Hilflosigkeit anderer unser Herz berührt, wenn der Schmerz anderer unsere felsenfesten Überzeugungen zum Einsturz bringt, dann beginnt schon der Friede. Der Friede Gottes entsteht aus einem Schrei, der wahrgenommen wird, aus einem Weinen, das gehört wird: Er entsteht inmitten von Ruinen, die nach neuer Solidarität rufen, er entsteht aus Träumen und Visionen, die als Prophetien den Lauf der Geschichte wenden. Ja, all dies existiert, denn Jesus ist der Logos, der Sinn, aus dem alles entstanden ist.
Aus der Predigt von Papst Leo am Weihnachtsmorgen im Petersdom, 25. Dezember 2025
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









