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Kardinal Kaspers Vorschlag ist kein Ausweg

Kardinal Walter Kasper schlägt den Synodalen vor, sich am Rottenburger Modell des Diözesanrats zu orientieren. Die Praxis zeigt, dass dies nicht funktionieren dürfte.
Vorschlag von Kardinal Kasper stößt auf Kritik
Foto: IMAGO/Markus Ulmer (www.imago-images.de) | Kasper zufolge könnte das so genannte Rottenburger Modell den verfahrenen Karren wieder in die synodale Spur bringen. Am mehr Laienbeteiligung führe kein Weg vorbei.

Nach dem Brandbrief aus Rom, in dem drei Dikasterienleiter mit Zustimmung des Papstes die deutschen Bischöfe im Vorfeld ihrer Frühjahrsvollversammlung aufgefordert hatten, nicht über die Satzung des Synodalen Wegs abzustimmen, deutete Kardinal Walter Kasper auf der Internetseite der theologischen Zeitschrift „communio“ eine Lösungsstrategie für den Synodalen Weg an, die dem Anspruch der Synodalen nach Mitwirkung der Laien Rechnung trage. Aus seiner Sicht könnte das so genannte Rottenburger Modell den verfahrenen Karren wieder in die synodale Spur bringen, erklärte der vormalige Rottenburg-Stuttgarter Bischof in seinem Beitrag. An mehr Laienbeteiligung an Entscheidungen in der Kirche führe kein Weg vorbei.

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Beim Rottenburger Modell hat der Diözesanrat beschlussfassende Kompetenz, während es dem Bischof vorbehalten bleibt, diese Beschlüsse in Kraft zu setzen. Anders als beim Synodalen Weg gebe der Bischof jedoch kein Votum ab. Der Bischof stehe im Rottenburger Modell somit nicht über der Synode und die Synode nicht über ihm. „Beide brauchen einander“, so Kasper. 

Kein Ausweg für den Synodalen Weg

Aus Sicht der Theologieprofessoren Gregor Maria Hoff, Julia Knop und Matthias Sellmann zielt Kaspers Vorschlag ins Leere. Sie sehen im Rottenburger Modell keine Alternative zum Synodalen Rat, sondern etwas ganz Ähnliches: „Genau genommen ist es gar keine Alternative, sondern ganz ähnlich. Ein Gremium, das die Autorität des Bischofsamts infragestellt, stand auf dem Synodalen Weg nie zur Debatte“, heißt es in einer Replik der drei Theologen in der aktuellen Ausgabe der Herder-Korrespondenz.

Dass der Vorschlag des Kardinals als Ausweg für den von konträren Positionen zwischen Bischöfen und Laien geprägten Synodalen Weg taugt, scheint in der Tat unwahrscheinlich. 

Das Rottenburg-Stuttgarter Modell bietet jedenfalls kein Beispiel für den statistischen Normalfall des Synodalen Wegs, bei dem sich Bischöfe und Laien regelmäßig in konträren und unvereinbaren Positionen gegenüberstanden. Mit einem Showdown, wie er sich in den Synodalversammlungen mitunter abspielte, haben die kompromissbereiten Katholiken im Ländle überhaupt keine Erfahrung. In der Praxis haben sich die Rottenburg-Stuttgarter Bischöfe und auch der Diözesanadministrator nie gegen das Votum des Diözesanrats gestellt. 

Mitglieder des Synodalen Rats untereinander tief gespalten

Konkret bedeutet das: In den vergangenen 44 Jahren gab es unter den Bischöfen Carl Joseph Leiprecht, Georg Moser, Walter Kasper und Gebhard Fürst tatsächlich keinen einzigen Fall von ungelöster Uneinigkeit zwischen den Bischöfen und dem Diözesanrat. Wie die untereinander tief gespaltenen Mitglieder eines Synodalen Rats solche Kompromisse schließen sollen, ist eine Frage, die Kardinal Kasper bisher offen gelassen hat.  DT/reg

Lesen Sie weitere Hintergründe zum Vorschlag Kardinal Kaspers und der Republik der Synodalen in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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