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Der Papst im Raum der Tränen

Jeder konnte sehen, wie ergriffen Leo XIV. bei seiner Amtseinführung war. Der Unglückliche, der zum Papst gewählt wird, hat allen Grund zu weinen.
Papstwahl / Konklave: Habemus Papam, Leo 14. ist gewaehlt
Foto: IMAGO/Alberto Lingria (www.imago-images.de) | Sichtlich gerührt: Papst Leo XIV., wenige Augenblicke nachdem er zum Stellvertreter Christi auf Erden erwählt wurde

Wer Augen im Kopf hat, dem ist nicht entgangen, wie gerührt Papst Leo XIV. am Tag seiner Wahl auf der Loggia war. Und auch dem Letzten ist wohl aufgefallen, dass er am Tag seiner Amtseinführung nahezu in Tränen ausgebrochen ist. Wie er beinahe ungläubig auf den Fischerring an seinem Finger geblickt hat. In der Sixtina gibt es einen Raum, der als „Raum der Tränen“ bekannt ist, weil so manch einer seine Wahl zum Papst dort beweint hat. Man kann es ihm nicht verdenken.

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Unsere Zeit kann den Begriff „Autorität“ nicht besonders gut leiden. Vielleicht beruht es auf einem Missverständnis, das Autorität mit Autoritarismus verwechselt wird. Vielleicht beruht es aber auch auf einer Scheu vor dem rechten Verständnis von Autorität. Denn Autorität bedeutet Verantwortung. Das beginnt in der Keimzelle der Gesellschaft und setzt sich in Politik und Kirche fort.

Als Papst heilig werden ist schwer

Von allen auf Erden lebenden Menschen hat der Papst die von Amts wegen größte Autorität – und die größte Verantwortung vor Gott. Am Jüngsten Tag wird alles, was während seiner Amtszeit in der Kirche und durch das Wirken ihrer Glieder geschehen ist und auf das er irgendwie Einfluss hatte oder realistisch hätte haben können – so er gewollt hätte –, ihm anteilig zugerechnet werden. Im Guten wie im Schlechten. Als Papst heilig zu werden ist möglich, aber unglaublich schwierig. Der Unglückliche, der zum Papst gewählt wird, hat allen Grund zu weinen.

Es kommt hinzu, dass es auf dem Gipfel einsam ist. Eine Familie kann sich mit anderen Familien austauschen, Ordensleute mit anderen Ordensleuten. Priester untereinander. Selbst ein Bischof ist nicht der einzige seiner Art. Der Papst ist vom Rest der Welt isoliert. Es gibt jeweils nur einen lebenden „Vicarius Christi“. Selbst wenn das Umfeld das Papst bis zum Äußersten geht, ihn zu unterstützen, hat doch keiner erlebt, wie es ist, gewissermaßen die Last der Welt auf den Schultern zu tragen. Und oftmals arbeitet das Umfeld eher gegen den Papst.

Absolut notwendig: Gebet für den Papst

Dazu weiß auch der Feind, welche Bedeutung der Papst hat. Ein einziger Heiliger kann viel bewegen – um wie viel mehr aber, wenn dieser Heilige Papst ist? Daher sucht Satan mit allen Mitteln, den Papst zu Fall zu bringen. Wahrscheinlich ist niemand sonst geistlich derartig angegriffen.

Aus all diesen Gründen ist es absolut notwendig, dass die Gläubigen für den Papst beten. Ohne Gebet braucht sich niemand wundern, wenn die Mächte des Bösen – zeitweilig, denn Gott behält stets das Heft in der Hand – einen Sieg davontragen. Viele von uns wünschen sich eine Wende in der Lage der Kirche. Ich auch. Ein Wunsch, der nur zu gerne auf Papst Leo abgeladen wird. Ich will es offen bekennen: Von dem Moment an, in dem Papst Leo auf die Loggia getreten ist, beobachte ich alles, was ich medial von ihm erhasche, mit Argusaugen. Beinahe reflexartig wird jedes Wort, jede Geste, jedes Kleidungsstück, jeder Gesichtsausdruck eingeordnet, bewertet und in Bezug auf mögliche künftige Entscheidungen analysiert. Viel Sinn hat das allerdings nicht. Meine Analysen ändern nichts an personellen und disziplinären Entscheidungen des Papstes und sie werden sicher nicht die Qualität seiner künftigen Lehrschreiben beeinflussen.

Möglich: an einem Wochentag für den Papst fasten

Was in dieser Lage sinnvoll ist: zu beten. Und zwar unabhängig davon, wie die Bewertung der päpstlichen Äußerungen und Handlungen ausfällt. Sollte einmal eine Bewertung negativ ausfallen, so sollte dies höchstens dazu führen, dass wir noch mehr für den Papst beten. Wer dazu in der Lage ist, kann vielleicht sogar darüber nachdenken, einen Tag in der Woche für den Papst zu fasten. Im Übrigen aber kehre jeder vor seiner Türe. Wir sind alle Sünder – und wer weiß, wie sich jemand aus unseren Reihen an Stelle Papst Leos schlagen würde… Der amerikanische Priester Fr. Chad Ripperger sagt: „We get the leaders we deserve.“ („Wir bekommen die Anführer, die wir verdienen.“) Suchen wir, mit Gottes Hilfe heilig zu werden. Einem heiligen Volk aber wird beizeiten auch ein heiliger Papst gegeben werden.

Die Autorin ist 21 Jahre alt und studiert Katholische Theologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

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