„Fürchtet euch nicht vor denen, welche den Leib töten, aber die Seele nicht töten können.“ (Mt 10, 28a): Wer seit der jüngsten Veröffentlichung der Epstein-Files noch nicht verstanden hat, dass der Unterschied zwischen mancher Verschwörungstheorie und der Wahrheit lediglich in Zeitspannen gemessen wird, der braucht dringend eine Operation am Grauen Star.
Und in gewisser Hinsicht ist er beinahe zu beneiden, denn er kann sich der glücklichen Illusion hingeben, die Welt werde überwiegend von im Grunde anständigen Menschen regiert.
Der Rest von uns dürfte irgendwann in jüngster Zeit mehr oder weniger abrupt und schmerzhaft dem Reich der Träume entrissen worden sein. Eigentlich sollte ein Christ nicht überrascht sein.
Die Schrift sagt ja, dass Satan der Fürst dieser Welt ist. Dass das Unkraut bis zum Zeitpunkt der Ernte ordentlich gewachsen sein dürfte. Aber vielleicht haben wir uns einschläfern lassen von der Vorstellung eines irdischen Reichs der Humanität, haben vergessen, dass nur einer der wahre Friedensfürst ist.
Man fühlt sich an der Nase herumgeführt
Jetzt haben wir also das Schlamassel. Vermeintliche politische Gegner hängen auf derselben Insel ab für okkult-rituelles Netflix und Chill mit Minderjährigen. Man fühlt sich ordentlich an der Nase herumgeführt und kann nicht umhin zu fragen: Habe ich überhaupt irgendeinen Einfluss? Oder wird lange vor einer Wahl ausgemacht, wer den Spaß gewinnen soll? Ein erster Impuls ist, sich ausgeliefert und hilflos zu fühlen. Ein weltlicher Impuls.
Denn selbstverständlich sind wir nicht ausgeliefert. Es gibt jemanden, der alle korrupten Politiker und sogar deren sehr viel intelligentere und durchtriebenere dämonische „Hintermänner“ mit Leichtigkeit in die Tasche stecken kann – und es eines Tages auch wird. Alles, was geschieht, wird von Gott zumindest zugelassen. Und nichts, was im Plan Gottes liegt, sollte uns Angst einflößen.
Ich kann nur spekulieren, mit welchen Hintergedanken die jetzt bekannt gemachten Bruchstücke der Epstein-Files veröffentlicht wurden. Aber ich weiß, dass für uns alle eine Chance darin liegt: Üben wir uns in Gottvertrauen. Das mag durchaus einer der Gründe sein, warum der Herr uns all dies zumutet. Wem vertrauen wir wirklich? Der Politik? Oder Gott? Wo sind wir zu Hause? In der Welt? Oder in der civitas Dei?
Gottvertrauen ist die beste Form des politischen Widerstands
Mit Gottvertrauen auf politische Krisen zu reagieren, ist zugleich die beste Form des Widerstandes gegen weltliche Korruption. „Wir haben nicht zu kämpfen wider Fleisch und Blut, sondern wider die Oberherrschaften und Mächte, wider die Beherrscher der Welt in dieser Finsternis, wider die Geister der Bosheit in der Luft.“ (Eph 6, 12) Was ist der beste Widerstand gegen eine sündige Welt?
Heilig zu werden. Was kann uns dann noch jemand antun? „Ihr werdet […] überliefert werden, und sie werden einige von euch töten. Ihr werdet von allen gehasst sein um meines Namens willen; aber kein Haar von eurem Haupte soll verloren gehen.
Der Schaden der Sünde
In eurer Geduld werdet ihr eure Seelen besitzen.“ Das Einzige, was dem Menschen auf Dauer wirklich schaden kann, ist die Sünde. Doch die Sünde ist ja das Einzige, was uns niemand von außen antun kann. Fürchten wir uns also nicht. Ohne unser Einverständnis kann uns niemand schaden. Ohne unser Einverständnis kann uns auch niemand unseren einzigen wirklich wertvollen Besitz wegnehmen: die Gnade Gottes.
Ausgeliefert? Hilflos? Von wegen. „Der Herr ist mein Helfer; ich will mich nicht fürchten, was mir auch tun mag der Mensch.“ (Ps 117, 6) Und „wenn Gott für uns ist, wer ist wider uns?“ (Röm 8, 31)
Darum: Vertrauen wir auf Gott und lassen wir uns von den Feinden Gottes nicht erschrecken. „Der im Himmel wohnet, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.“ (Ps 2, 4) Viva Christo Rey!
Die Autorin ist 22 Jahre alt, studiert katholische Theologie und lebt in München.
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