Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erzbistum Hamburg

Osnabrücker Missbrauchsgutachten betrifft auch Hamburg

Auch das Erzbistum Hamburg ist von den Ergebnissen des Osnabrücker Zwischenberichts betroffen. Erzbischof Heße bittet um Entschuldigung. Er empfinde „Scham“ für „Fehler der Vergangenheit“.
Erzbischof Dr. Stefan Heße
Foto: Go¼nther Ortmann via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | „Das erfüllt mich mit Scham. Die Fehler der Vergangenheit können nicht rückgängig gemacht werden. Und es wäre zu wenig, dafür nur um Entschuldigung zu bitten.“

Nachdem bereits am Montag die Zwischenergebnisse für das Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Bistum Osnabrück veröffentlicht worden sind, stellt sich nun heraus, dass auch das Erzbistum Hamburg betroffen ist. Bis 1995 wurde dessen Personal aus Osnabrück verwaltet. Sechs der 15 Priester und Diakone, deren Fälle das Gutachten beleuchtet, waren nach 1995 im Erzbistum tätig.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße nahm am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter seines Erzbistums Stellung zu diesen Entwicklungen: „Das erfüllt mich mit Scham. Die Fehler der Vergangenheit können nicht rückgängig gemacht werden. Und es wäre zu wenig, dafür nur um Entschuldigung zu bitten.“ Er sehe ein, dass im Umgang mit Betroffenen von sexuellem Missbrauch erhebliche Fehler gemacht worden seien. In demselben Brief erklärte er weiter, man müsse die Ergebnisse des Zwischenberichtes nutzen „um unsere Sorge um die Betroffenen und unser Handeln gegenüber Beschuldigten weiter zu verbessern“. Man habe bereits damit begonnen, das spiegele auch das Gutachten so wieder.

Lesen Sie auch:

Stellungnahme des Osnabrücker Katholikenrates

Indes stellet sich der Katholikenrat des Bistums Osnabrück am Freitag hinter seinen Bischof Franz-Josef Bode. Dieser habe klargestellt, „dass er sich den Herausforderungen stellen will und konkrete Veränderungen einleiten wird“, so Katharina Abeln, die Vorsitzende der Laienvertretung. Schon durch sein diözesanes Schutzkonzept wäre ein wichtiger „Schritt in die richtige Richtung eingeleitet“ worden. 

Nachdem durch den Zwischenbericht bekannt wurde, dass unter seiner Verwaltung massive „Pflichtverletzungen“, besonders im Umgang mit Missbrauchsbetroffenen, zu beobachten waren, hatte Bode bekanntgegeben er wolle nicht zurücktreten. Der Osnabrücker Bischof habe die richtige Entscheidung getroffen, „angesichts der jetzt erkennbaren Lage sein Amt weiterhin wahrzunehmen und die künftige Entwicklung zu gestalten“, so Abeln dazu.

Bischof Bode begründete seine Entscheidung vor allem durch den Lernprozess in der Aufarbeitung des Missbrauchs. Außerdem sei er nur noch drei Jahre „hier im Amt, sodass ich meinte, dass ich die Verantwortung für die Betroffenen besser wahrnehmen kann, als wenn jetzt eine Sedisvakanz kommt und das über ein Jahr alles unterbrochen wird und das Ganze irritiert wird.“ DT/jmo

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bistum Osnabrück Diakon Erzbistum Hamburg Erzdiözese Franz-Josef Bode Stefan Heße

Weitere Artikel

Das Erzbistum Hamburg setzt sein Sexualkonzept um – trotz der Klarstellung aus Rom, und folgt damit einem bekannten Muster.
20.08.2026, 11 Uhr
Sina Alsayed

Kirche

Franziskus hatte Argentinien gemieden, Leo trifft Milei: Der offizielle Plan für die Reise von Leo XIV. nach Uruguay, Argentinien und Peru liegt vor.
21.09.2026, 16 Uhr
Meldung
Der polnische Franziskaner-Minorit Piotr Maria Januszewsk bereitet sich auf den Einsatz in der Seelsorge vor: Warum sich er sich für ein Leben in Deutschland entschieden hat.
21.09.2026, 13 Uhr
Susanne Hartfiel
Ein ehemaliger Schüler der Ordensschule Notre-Dame de Bétharram behauptet, von Bischof Pierre-Marie Théas sexuell missbraucht worden zu sein. Zu Ermittlungen wird es wohl nicht kommen.
21.09.2026, 06 Uhr
Meldung
Nachdem die Szene im Internet als eucharistisches Wunder gedeutet wurde, stellt Pfarrer Brent Bowman klar: Er habe eine „persönliche geistliche Erfahrung“ gemacht.
18.09.2026, 10 Uhr
Dorothea Schmidt
Gleicher Lohn für ungleiche Arbeit, davon spricht das Gleichnis vom Weinberg. Denn Gottes Barmherzigkeit funktioniert anders als menschliche Gerechtigkeit.
19.09.2026, 21 Uhr
Margarete Strauss