Missbrauchsaufarbeitung

„Neuer Anfang“ fordert Rücktritt von Bischof Bode

Der Osnabrücker Bischof und Vizepräsident der Deutschen Bischofskonferenz sieht vom Rücktrittgesuch ab. Er wolle Verbesserungen in der Missbrauchsaufarbeitung vorantreiben. 
Pk mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode
Foto: Guido Kirchner (dpa) | „Bischöfe wie Bode, die sich als Reformer gerieren“ würden nur „auf eine angebliche 'systemische Schuld' der Kirche umlenken, statt zu ihren persönlichen Verfehlungen zu stehen“, so die Initiative "Neuer Anfang".

Nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts zur Missbrauchsaufarbeitung im Bistum Osnabrück am vergangenen Dienstag fordert die Initiative „Neuer Anfang“ den Rücktritt von Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück. In einer Pressemitteilung der Initiative heißt es, der Bischof solle sich seiner Verantwortung stellen und ernsthafte Konsequenzen ziehen, dem Papst seinen Rücktritt anbieten und als stellvertretender Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz sowie als Vizepräsident des Synodalen Weges zurücktreten. 

Bode will Missbrauchsaufarbeitung verbessern

Bischof Bode selbst hatte erst am heutigen Donnerstag bekanntgegeben, trotz Pflichtverletzungen und Führungsversagen kein Rücktrittsgesuch beim Papst einreichen zu wollen. Immerhin bescheinige ihm der Missbrauchsbericht einen Lernprozess in den vergangenen zehn Jahren. Nun will der Bischof eigenen Angaben zufolge alles tun, um die Aufarbeitung von Missbrauch weiter zu verbessern. Dieser Prozess würde durch eine Vakanz des Bischofssitzes nur unterbrochen. Zu seinen Fehlern sagte Bode in einer ersten Reaktion, er sei blind gewesen "für das Leiden und die Perspektive der Betroffenen".

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Diese Aussage hält die Initiative „Neuer Anfang“ für „eine beschönigende Darstellung“. Glaubwürdigkeit erhalte man nicht durch wohlklingende Worte, sondern durch konsequente Handlungen, heißt es in der Mitteilung. Für einen echten Fortschritt in der Missbrauchsaufarbeitung brauche es eine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchskrise.

Ablenken von persönlicher Verantwortung 

Aufarbeitung durch Bischöfe, „die selbst verstrickt sind“, hält der „Neue Anfang“ für den grundfalschen Ansatz. Denn „Bischöfe wie Bode, die sich als Reformer gerieren“ würden nur „auf eine angebliche 'systemische Schuld' der Kirche umlenken, statt zu ihren persönlichen Verfehlungen zu stehen“. 

Die werden im 600-Seiten schweren Bericht deutlich genannt: Besonders schwer seien „Verletzungen der Pflicht zu angemessenen Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Taten von Beschuldigten". Bis über das Jahr 2000 hinaus sei teils in schwerwiegender Weise dagegen verstoßen worden. Bischöfen attestiert der Bericht Führungsversagen. Sie treffe eine „individuelle Verantwortung bei Entscheidungen über den weiteren Einsatz Beschuldigter“.

"Verhöhnung der Opfer"

In einem konkreten Fall hätte Bischof Bode, der seit 1995 im Amt ist, „darauf bestehen müssen, dass entschieden gegen den Beschuldigten vorgegangen wird, um dessen Handeln gegenüber Kindern und Jugendlichen sofort und sicher zu beenden“, also: Kontaktverbote zu Kindern und Jugendlichen. 

Die Initiative nennt es eine „Verhöhnung der Opfer – gerade auch derjenigen, die vermeidbar gewesen werden“, wenn der Bischof zu seiner persönlichen Verantwortung zu stehen nicht bereit sei. Ihm seien dann auch weiterer „Ansehens- und Vertrauensverlust für die Gesamtkirche“ zuzurechnen.

Neben den schweren Verfehlungen kritisiert die aktuelle Studie Studie, dass bis in jüngste Zeit teilweise nachlässig kontrolliert worden sei, was mit Beschuldigten geschieht, die von ihrer Stelle entfernt wurden. Auch Knausrigkeit in den Anerkennungszahlungen und schlechte Kommunikation mit Betroffenen wurde der Diözese vorgeworfen. DT/dsc

 

 

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