Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Wenn der Katholizismus zu männlich wird

Katholische Instagram-Influencer werben erfolgreich für ihren Glauben, und „Kirche + Leben“ wittert toxische Männlichkeit. Doch wer ist hier ausgrenzender?
Chefredakteur Benjamin Leven, Rheinufer in Düsseldorf
Foto: DT / IMAGO / Werner Otto | Warum kommt ihr nicht in die Messe? Warum seid ihr so faul? Menschen entspannen auf der Spanischen Treppe am Rheinufer, im Hintergrund die Kirche St. Lambertus in Düsseldorf.

Sie gehen ins Fitnessstudio, haben gegelte Haare, tragen enge Oberteile und posieren vor Autos. Sie sprechen die Sprache migrantisch geprägter junger Männer. Und sie werben für die katholische Kirche. Der Instagram-Account „Katholisch Düsseldorf“ hat in den letzten Wochen und Monaten viele Follower gewonnen. In einem der Reels fragt jemand:
„Was macht ihr zu Hause? Warum kommt ihr nicht in die Messe? Warum seid ihr so faul?“

Lesen Sie auch:

Für eine Autorin des Münsteraner Kirchenportals „Kirche + Leben“ ist das zu viel. Sie schreibt in einem Kommentar: „Der Auftritt auf Instagram zeigt eine unheilvolle Symbiose von toxischer Männlichkeit, reaktionärem Traditionalismus, Queerfeindlichkeit und Chauvinismus.“

Ihre Kritik: Die Sprecher würden die Angehörigen anderer Religionen und queere Menschen auffordern, sich ihnen anzuschließen, und behaupten, nur der Katholizismus könne sie in die Wahrheit führen, nur Jesus sie von ihren Sünden befreien. Damit würden sie „einen Wahrheitsanspruch“ erheben und sich so über andere stellen. „Sie laden alle ein, während sie zugleich viele ausschließen“, so die Autorin. Doch dass jemand, der andere überzeugen will, selbst glaubt, dass das, wofür er einsteht, wahr ist – das ist nicht überheblich, sondern logisch.

Das Milieu, das „Katholisch Düsseldorf“ anspricht, wird von den gängigen „Angeboten“ des deutschen Katholizismus seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht. Das „katholische Online-Magazin“ aus dem Bistum Münster will diesen jungen Männern nun die Kirchentür vor der Nase zuknallen. Eine deutsche Autorin teilt ihnen mit: Ihr seid zu männlich, zu traditionell, zu chauvinistisch.

Man mag einzelne Aussagen in den Videos kritikwürdig finden. Man mag auch den kirchen- und gesellschaftspolitischen Hintergrund der Akteure dubios finden. Und doch wirkt der Wahrheitsanspruch, den „Kirche + Leben“ in seinem Kommentar erhebt, am Ende ausgrenzender als die Botschaft von „Katholisch Düsseldorf“.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Benjamin Leven Bistum Münster Katholische Kirche

Weitere Artikel

Heinrich Heine war Gottes-Verehrer und Religions-Verächter - und doch mit gewisser Sympathie für das Katholische.
18.11.2025, 17 Uhr
Urs Buhlmann
Steckt der Teufel in UFOs? Das behauptet der Chefexorzist der Erzdiözese Washington. Kardinal Robert McElroy hat ihn dafür seines Amtes enthoben.
13.06.2026, 13 Uhr
Esther von Krosigk
Junge Menschen entdecken den katholischen Glauben – leise, sehnsüchtig, ohne kirchenpolitische Diskussionen. Immer mehr möchten getauft werden, vor allem in Berlin und Köln.
07.03.2026, 15 Uhr
Elisabeth Hüffer

Kirche

Unerlaubte Bischofsweihen und Exkommunikation: Weit weg von Rom, in Écône, spürt man die Last eines historischen Moments jenseits der roten Linie.
09.07.2026, 09 Uhr
Alexander von Schönburg
Was kann der Mensch noch besser als die Künstliche Intelligenz? Knapp sieben Wochen nach „Magnifica humanitas“ zieht Reinhard Kardinal Marx in München ein selbstbewusstes Fazit.
08.07.2026, 19 Uhr
Jakob Ranke
Bei der dritten Ausgabe des Altöttinger Benedikt-XVI.-Forums steht Heilung im Mittelpunkt. Wie kann der Glauben dabei helfen? Ein Bericht.
07.07.2026, 15 Uhr
Athinea Andryszczak
Nach einem positiven Trend bei Taufen und Konversionen macht sich auch ein wachsendes Interesse am Priesterberuf bemerkbar. Besonders in einem Bistum zeigt sich die Wende.
07.07.2026, 15 Uhr
Simon Kajan