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Wenn der Katholizismus zu männlich wird

Katholische Instagram-Influencer werben erfolgreich für ihren Glauben, und „Kirche + Leben“ wittert toxische Männlichkeit. Doch wer ist hier ausgrenzender?
Chefredakteur Benjamin Leven, Rheinufer in Düsseldorf
Foto: DT / IMAGO / Werner Otto | Warum kommt ihr nicht in die Messe? Warum seid ihr so faul? Menschen entspannen auf der Spanischen Treppe am Rheinufer, im Hintergrund die Kirche St. Lambertus in Düsseldorf.

Sie gehen ins Fitnessstudio, haben gegelte Haare, tragen enge Oberteile und posieren vor Autos. Sie sprechen die Sprache migrantisch geprägter junger Männer. Und sie werben für die katholische Kirche. Der Instagram-Account „Katholisch Düsseldorf“ hat in den letzten Wochen und Monaten viele Follower gewonnen. In einem der Reels fragt jemand:
„Was macht ihr zu Hause? Warum kommt ihr nicht in die Messe? Warum seid ihr so faul?“

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Für eine Autorin des Münsteraner Kirchenportals „Kirche + Leben“ ist das zu viel. Sie schreibt in einem Kommentar: „Der Auftritt auf Instagram zeigt eine unheilvolle Symbiose von toxischer Männlichkeit, reaktionärem Traditionalismus, Queerfeindlichkeit und Chauvinismus.“

Ihre Kritik: Die Sprecher würden die Angehörigen anderer Religionen und queere Menschen auffordern, sich ihnen anzuschließen, und behaupten, nur der Katholizismus könne sie in die Wahrheit führen, nur Jesus sie von ihren Sünden befreien. Damit würden sie „einen Wahrheitsanspruch“ erheben und sich so über andere stellen. „Sie laden alle ein, während sie zugleich viele ausschließen“, so die Autorin. Doch dass jemand, der andere überzeugen will, selbst glaubt, dass das, wofür er einsteht, wahr ist – das ist nicht überheblich, sondern logisch.

Das Milieu, das „Katholisch Düsseldorf“ anspricht, wird von den gängigen „Angeboten“ des deutschen Katholizismus seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht. Das „katholische Online-Magazin“ aus dem Bistum Münster will diesen jungen Männern nun die Kirchentür vor der Nase zuknallen. Eine deutsche Autorin teilt ihnen mit: Ihr seid zu männlich, zu traditionell, zu chauvinistisch.

Man mag einzelne Aussagen in den Videos kritikwürdig finden. Man mag auch den kirchen- und gesellschaftspolitischen Hintergrund der Akteure dubios finden. Und doch wirkt der Wahrheitsanspruch, den „Kirche + Leben“ in seinem Kommentar erhebt, am Ende ausgrenzender als die Botschaft von „Katholisch Düsseldorf“.

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