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Leo in Bamenda: „Heute und nicht morgen ist der rechte Zeitpunkt“

Bei einer Heiligen Messe im konflikterschütterten Nordwesten Kameruns rief Papst Leo die Menschen zu Frieden und Versöhnung auf.
Pope Leo XIV Apostolic Visit To Cameroon
Foto: IMAGO/ABACA (www.imago-images.de) | Im Zentrum von Papst Leos Predigt stand ein geistlicher Aufruf, der zugleich eine klare gesellschaftliche Dimension hatte: „Gott ist Neuheit, Gott erschafft Neues, Gott macht uns zu mutigen Menschen, die dem Bösen ...

Als „Pilger des Friedens und der Einheit“ hat Papst Leo XIV. bei einer Heiligen Messe in der drittgrößten Stadt Kameruns, Bamenda, die Wunden des Landes offen angesprochen. Es gebe „viele Gründe und Situationen, die uns das Herz brechen und uns Kummer bereiten“, sagte er. Die Hoffnung auf eine friedliche und versöhnte Zukunft sei bedroht durch Armut, Hunger, moralische und soziale Spannungen, durch Mängel im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie durch die wachsende Abwanderung junger Menschen.

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Der Heilige Vater war am Vormittag von Yaoundé, der Hauptstadt des zentralafrikanischen Landes, in die Hauptstadt der Nordwestregion gereist. In Bamenda traf er zunächst mit der katholischen Gemeinschaft zu einem Friedenstreffen zusammen. Am Nachmittag feierte er auf dem Gelände des Internationalen Flughafens die Heilige Messe, ehe er nach Yaoundé zurückkehrte.

Papst: Frieden und Versöhnung keine fernen Ideale

Papst Leo benannte auch die äußeren Ursachen der Krise: jene Übel, die von Menschen verursacht werden, „die den afrikanischen Kontinent um des Profits willen weiterhin ausbeuten und plündern“. Angesichts dieser Lasten rief er dazu auf, sich nicht von Ohnmacht und Resignation bestimmen zu lassen: „Heute und nicht morgen, jetzt und nicht in der Zukunft ist der rechte Zeitpunkt“, so der Papst unter großem Applaus der teilnehmenden Gläubigen, um das Land neu aufzubauen und „das Mosaik der Einheit aus der Vielfalt und dem Reichtum des Landes und des Kontinents wieder zusammenzufügen“. 

Frieden und Versöhnung seien keine fernen Ideale, betonte der Papst, sondern konkrete Aufgaben des Heute. Wo Situationen über lange Zeit unverändert blieben, wachse die Versuchung, nichts Neues mehr zu erwarten. Doch das Wort Gottes eröffne neue Horizonte, berühre Herzen und mache Menschen zu „aktiven Protagonisten des Wandels“.

Im Zentrum seiner Predigt stand ein geistlicher Aufruf, der zugleich eine klare gesellschaftliche Dimension hatte: „Gott ist Neuheit, Gott erschafft Neues, Gott macht uns zu mutigen Menschen, die dem Bösen trotzen und Gutes bewirken.“ Der Papst erinnerte an das Zeugnis der Apostel, die trotz Drohungen bekannten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Darin sah er eine Ermutigung für alle, die sich nach Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden sehnen. Trost für gebrochene Herzen und Hoffnung auf Erneuerung der Gesellschaft seien möglich, wenn Menschen sich Gott und seinem Wort anvertrauten.

Leo mahnt zu geistlicher Wachsamkeit

Zugleich mahnte Papst Leo zu geistlicher Wachsamkeit. Die Kirche müsse die Inkulturation des Evangeliums fördern, dürfe den katholischen Glauben jedoch nicht „mit religiösen oder esoterischen Strömungen vermischen“, die oftmals politischen oder wirtschaftlichen Interessen dienten. „Gott allein befreit“, betonte er. „Nur sein Wort eröffnet Wege der Freiheit, nur sein Geist macht uns zu neuen Menschen, die dieses Land verändern können.“ 

In seinem Dankeswort bezeichnete Erzbischof Andrew Nkea Fuanya von Bamenda den Papstbesuch als Zeichen tiefer Gemeinschaft und Nähe. Er dankte dem Papst für eine Anwesenheit, die „geistige Erquickung, moralische Ermutigung, psychische Stärkung und körperlichen Trost“ geschenkt habe. Der Papst sei gekommen „wie der gute Hirte, der seine Herde niemals unbeaufsichtigt lässt“. Gerade in Zeiten von Unsicherheit, Angst und Entmutigung habe seine Anwesenheit die Herzen vieler Menschen neu belebt.

Besuch unter außergewöhnlichen Vorzeichen

Der Erzbischof wählte biblische Bilder für den Mut des Papstes. In seiner Anwesenheit in Bamenda erkenne man Daniel in der Löwengrube, den Mut von Schadrak, Meschak und Abednego im Feuerofen und Christus selbst, der gekommen sei, „um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben“. Trotz aller Stimmen, die ihn von der Reise hätten abhalten wollen, sei der Papst zu den Menschen gekommen, „als sie ihn am meisten brauchten“. Der Erzbischof verband diese Hoffnung mit der Verheißung des Propheten Jesaja: Schwerter sollen zu Pflugscharen werden und Lanzen zu Winzermessern. Zum Abschluss überreichte Leo XIV. dem Erzbischof einen Kelch aus dem Vatikan für die Feier der Heiligen Messe für Frieden und Gerechtigkeit.

Der Apostolische Besuch von Papst Leo in Kamerun steht unter außergewöhnlichen Vorzeichen. Im Vorfeld seiner Ankunft kündigten separatistische Gruppen, die im Nordwesten und Südwesten des Landes gegen die Regierung des mehrheitlich französischsprachigen Staates kämpfen, einen dreitägigen Waffenstillstand an. Pilgern und Gläubigen sollte so eine sichere Teilnahme an den päpstlichen Feiern in Yaoundé, Bamenda und Douala ermöglicht werden. Für die Menschen in den englischsprachigen Regionen, die seit fast zehn Jahren mit Schüssen, Blockaden, Angst und Unsicherheit leben, ist bereits diese kurze Stille ein Zeichen lebendiger Hoffnung. 

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Themen & Autoren
José García Papstreisen

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