Mit einer Festakademie wurde die Philosophin und Religionswissenschaftlerin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz am Samstag von der Hochschule Heiligenkreuz emeritiert. Seit 2011 leitete sie, nach ihrer Pensionierung an der TU Dresden, das damals neugegründete „Europäische Institut für Philosophie und Religion“ (EUPHRat) an der „Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“. Als Großkanzler der Hochschule würdigte Abt Maximilian Heim die vielfach ausgezeichnete Philosophin, die in ein Denken eingeführt habe, „das Vernunft und Glaube miteinander verbindet, als die Elemente, die zur Wahrheit führen“. Das Denken wie das Lehren von Gerl-Falkovitz zeige, „dass akademische Strenge und geistliche Tiefe einander brauchen und bedingen“, so Abt Maximilian Heim.
Pater Karl Wallner, der 2011 die Gründung des „EUPHRat“ als damaliger Rektor der Hochschule ermöglicht hatte, erklärte in seinem Festvortrag im Kaisersaal des Zisterzienserstiftes, warum es keine Theologie ohne Philosophie geben könne. Gerade Joseph Ratzinger habe die Unverzichtbarkeit des Denkens betont, weil die Natur die Voraussetzung für das Übernatürliche sei. Dabei dürfe man den Geschenk-Charakter der Natur nicht übersehen. Es sei schon immer katholische Überzeugung gewesen, dass die natürlichen Fähigkeiten des Menschen durch die Sünde zwar beschädigt, aber nicht völlig korrumpiert seien. Luther dagegen habe einen „dramatischen anthropologischen Pessimismus“ entwickelt. Die Gnade zerstöre die Natur nicht, sondern baue auf ihr auf. Gerl-Falkovitz habe in ihrem Wirken gezeigt, wie eine Synthese von Glaube und Vernunft gelingt, so Karl Wallner.
Zu geistigen Höhenflügen inspiriert
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz habe „geradezu prophetische Tagungen“ in Heiligenkreuz organisiert und „zu geistigen Höhenflügen inspiriert“, meinte der Forschungsdekan der Zisterzienserhochschule, Pater Wolfgang Buchmüller. Zudem habe sie die Studenten „in Erlebniswelten der Literatur der Moderne“ eingeführt. Wolfgang Klausnitzer, der Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, verwies in seiner Ansprache auf die wechselseitige Verwiesenheit von Glaube und Vernunft in der Enzyklika „Fides et Ratio“ von Papst Johannes Paul II. und im Denken Joseph Ratzingers.
Pater Kosmas Thielmann zeigte auf, wie nach einer Epoche der Sprachlosigkeit zwischen Theologie und Philosophie mit den Phänomenologen rund um Edmund Husserl das Gespräch wieder aufgenommen wurde. Mittlerweile gebe es in unterschiedlichen Sprachräumen wieder „anschlussfähige Philosophen“.
Philosophie reicht nicht aus
„Zuweilen wird der Professor auch zum Confessor“, meinte Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz selbst in ihrer Abschiedsvorlesung. Die Offenbarung Gottes warte nicht auf Zustimmung, sondern zeige sich: „Jerusalem zeigt einen Einbruch des Anderen, dem das Denken nicht gewachsen ist.“ Gleichzeitig sei das Christus-Ereignis aber kosmisch und eröffne einen neuen Universalismus. Paulus zitierend zeigte die Philosophin, dass angesichts der Bereitschaft, sich von Christus rufen zu lassen, alle Formen staatlicher und sakraler Macht zweitrangig werden: „Wer gerufen ist, ist herausgerufen. Die Unterscheidungen dieser Welt sind nichtig geworden.“
Gerl-Falkovitz legte dar, wie das Christentum zur „am meisten universalen Religion“ wurde. Die heutigen Gesellschaften jedoch würden ihre Schätze vergraben. Mit Verweis auf Papst Benedikt XVI. meinte die Philosophin: „Glaube kann der Vernunft ihr Sinnziel vorgeben.“ Das Christentum habe dem Denken „seine Hochform geschenkt“. Philosophie aber reiche nicht aus, um den Menschen zu Gott zu führen. „Auch die Rationalität der Theologie reicht dazu nicht aus, so notwendig sie ist.“ Es brauche auch die Begegnung des Herzens. DT/sba
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