Zwei Welten prallten am Samstag mitten in Köln aufeinander: der Marsch für das Leben und die Demonstration von „ProChoice Köln“. Auf der einen Seite freudige Wiedersehen, Schlager und kölsche Klassiker von der Band, viele Kleinkinder, Luftballons und Tanz. Die beiden jungen Moderatoren riefen vor allem dazu auf, das Leben zu feiern. Wo man hinblickte, sah man Zeichen von Hoffnung, Zuversicht und Zukunft. Die Polizei schaute hier nur zu, maßregeln musste sie keinen der Lebensschützer.
Und auf der anderen Seite des Kölner Neumarkts schwarz gekleidete Menschen, die sich kritisch beraten. Frustrierte Gesichter und Technomusik mit kämpferischen Texten. Aufgebracht klingt es, als die Sprecherin die Menge dazu auffordert, möglichst „laut und wütend“ gegen die „Fundis“ zu demonstrieren. Polizisten umringen sie und trotzdem werden einige den Tag über handgreiflich.
Wieso die Aufregung? Sind die Menschen von „Pro Choice“ sich etwa doch nicht sicher, dass ihre Ansichten stimmen? Dass es in Ordnung ist, Kinder nach Belieben abzutreiben? Dass Abtreibung sogar ein „Menschenrecht“ ist? Wieso muss man die eigene Meinung so aggressiv verteidigen?
Wer die Wahrheit vertritt, der muss keine Angst haben. Der kann so gelassen demonstrieren wie das kleine Mädchen, das den Marsch für das Leben auf Rollschuhen begleitete. „Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien“, heißt es im Johannesevangelium. Die Wahrheit braucht kein Gebrüll und auch keine Gewalt. Die Wahrheit ist friedvoll, so wie das Leben.
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