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„Es ist nicht egal, wie es den Kindern geht“

Kölsche Stimmung für das Leben: Rund 2.000 Lebensschützer protestieren und feiern am Samstag beim Marsch für das Leben. Gegendemonstranten werfen eine Farbbombe.
Marsch für das Leben Köln 2026
Foto: Josef Kuhn | Ausgelassene Stimmung prägten den Marsch für das Leben am Samstag. Dafür sorgten in erster Linie die vielen jungen Teilnehmer und Helfer.

Die Flyer des Stands der „Stiftung Ja zum Leben“ fliegen auf den Kiesboden. Wo sie lagen, prangen nun lila Farbpfützen. Die Kleider der Interessenten, die vorhin mit Stiftungsmitgliedern gesprochen haben, sind von oben bis unten mit lila Farbe bespritzt. Schuld ist eine Farbbombe der Gegendemonstranten. Ein junger Mann läuft den Tätern hinterher: einem Mann und einer Frau vom Bündnis „Pro Choice“, die sich zur Tarnung die typischen grünen Westen der Teilnehmer vom „Marsch für das Leben“ besorgt hatten. Er übergibt sie der Polizei, die ihre Daten aufnimmt. Wortlos wischen freiwillige Helfer die Farbe von dem Stand.

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Der vierte Kölner Marsch für das Leben beginnt in wenigen Minuten. Auf dem Kölner Neumarkt – diesjähriger Start- und Endpunkt – stehen Lebensschutzorganisationen wie die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) und der Bundesverband Lebensrecht (BVL) unter weißen Zelten. Der Platz füllt sich mit Menschen. Heute sind besonders viele Familien gekommen. Auch einige Ordensschwestern aus Frankreich, Priester und der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. „Ich finde es wichtig, dass hier Kinder zu sehen sind. Um die geht es ja. Kämen nur Erwachsene, würde das dem Thema widersprechen“, sagt eine Mutter, die ihr vier Monate altes Baby vor dem Bauch trägt. Ihr zweijähriger Sohn läuft alleine umher: immer zu den Polizisten, weil er sie spannend findet. „Gefährdet fühle ich mich hier mit meinen Kindern nicht; dank der Polizei“, sagt seine Mutter. Hinter ihrem Rücken pfeifen schrill die Gegendemonstranten von der Organisation „ProChoice Köln“. Die meisten tragen schwarze Anziehsachen, manche dazu lila Warnwesten. Bevor es losgeht, schreiben einige sich Namensschilder. Hinter dem Namen steht in Klammern das Pronomen, mit dem man angeredet werden möchte.

Marsch für das Leben 2026 in Köln
Foto: Josef Kuhn | Statt sich von der sogenannten „Antifa" irritieren zu lassen, feierten die Lebensschützer singend das Leben.

„Bei der Demo da drüben laufen Leute der AfD mit, ganz viele christliche Fundamentalistinnen. Wir sind für ein freiheitliches Menschenbild und die Selbstbestimmung über weibliche Körper. Für uns ist Abtreibung Healthcare“, erklärt die Sprecherin der Gegendemonstranten, eine Studentin aus Köln, der „Tagespost“. „Ganz vorne laufen bei uns die Flinta, hinten die Cis-Männer“, verkündet ihre Kollegin nun die Regeln. (Anmerk. d. Red.: „Flinta“ ist eine Abkürzung für verschiedene Geschlechtsidentitäten, ein „Cis-Mann“ ist ein biologischer Mann, der sich auch als Mann identifiziert.) Und wesentlich sei, so fügt sie hinzu: „Richtig laut und wütend demonstrieren.“

Martine Hoppermann beim Marsch für das Leben 2026 in Köln
Foto: Josef Kuhn | Eine der beiden Moderatoren: Martine Hoppermann

„Uns ist das nicht egal”

„Was heute ganz wichtig ist: Ich möchte nur strahlende Gesichter sehen. Freut euch, jubelt“, erklärt hundert Meter weiter Moderatorin Martine Hoppermann über Mikrofon den Lebensschützern. Gelbe und rote Heliumluftballons ragen aus der Menge hervor. Ebenso Schilder mit Babys und Kindern mit Trisomie 21 darauf. „Jedes Kind will leben“, steht auf einem. Der Bundesverband Lebensrecht – Veranstalter vom Marsch – verteilt Rosinenbrötchen und Wasser. Wo man hinsieht, begrüßen sich die Menschen. „Na, ready, um mit den Cis-Männern zu reden?“, fragt ein junger Mann humorvoll zur Begrüßung einen Freund. Der Theologe Markus Voss spricht nun auf der Bühne. Wenn ein Kind im Bauch sterbe, sei das sehr schlimm. Aber ein Kind vorsätzlich zu töten, sei noch viel schlimmer. Er appelliert an die Männer und Väter, Verantwortung zu tragen. Die Band, die „Holzhäuser Seppeln“, junge Männer aus Frankfurt, setzt wieder ein, mit „Leev Marie“.

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Dann teilt Ludwig Brühl, der zweite Moderator, seine Erfahrungen von der Kinderwunschmesse, auf der er im letzten Jahr in Köln war und wo unter anderem Leihmutterschaft beworben wurde. Sein Fazit: Leihmutterschaft gehört „nicht eingehegt, nicht reguliert, nicht beschränkt, sondern verboten“. Den Kinderkäufern sei es egal, dass für jedes Kind, das durch Leihmutterschaft geboren werde, circa 15 andere ihr Leben lassen müssen. „Uns ist das nicht egal. Es ist nicht egal, wie es Kindern geht“, wendet Brühl sich an die Menge.

Ludwig Brühl
Foto: Josef Kuhn | Das Publikum stimmte ihm zu: Moderator Ludwig Brühl plädierte vehement dafür, Leihmutterschaft zu verbieten.

2.000 Menschen machen sich dann in Richtung Apostelkirche und Wallfahrtskirche Maria in der Kupfergasse auf den Weg. Mit mehreren Hundertschaften sorge die Kölner Polizei für Sicherheit, heute auch mit Drohnen, sagt eine Pressesprecherin der „Tagespost“. Genauere Angaben dürfe sie nicht machen. An der Spitze vom Marsch fährt ein Mädchen auf Rollschuhen. Um das linke Handgelenk hat sie die Schnur ihres Ballons geknotet. Ab und zu weicht sie den Polizeitrupps aus, die an ihr vorbeirennen. Die Stimmung: heiter. Aus den Musikboxen in Bollerwagen ertönen pausenlos Lieder, etwa „Polka, polka, polka“ und „Sweet Caroline“. Nur eine einzige Strafanzeige wegen Sachbeschädigung sei rausgegangen. Gegen einen Mann, der das Banner des Marsches angesprayt hat. Ganz friedlich unterhielt er sich zunächst mit einem Lebensschützer – und plötzlich zückte er die Spraydose.

Luftballons Marsch für das Leben 2026 in Köln
Foto: Josef Kuhn | Heliumluftballons für das Leben.

Knallharte Polizei

Eine Mutter reiht sich mit Kinderwagen in den Zug ein. „Weißt du was, ihr habt mich auf eine Idee gebracht“, spricht eine Gegendemonstrantin sie an, die am Straßenrand steht. Ihre Stimme klingt ironisch und ein wenig spöttisch. „Wegen euch treibe ich nun noch mehr Kinder ab. Vielleicht fünfmal. Vielleicht aber auch zehnmal“, sagt sie und kichert.

Martine Hoppermann
Foto: Josef Kuhn | Eineinhalb Stunden zogen die Demonstranten durch die Innenstadt von Köln. Der Marsch endete gegen 16 Uhr wieder am Kölner Neumarkt.

„Ich glaube, wir setzen hier ein klares Statement: Menschen stehen hinter dem Recht der Kinder auf Leben. Meine Hoffnung ist, dass unsere Gesellschaft lebensbejahender wird“, begründet ein Lehramtsstudent aus Porta Westfalica seine Anwesenheit. „Wir haben für das Wichtigste unserer Gesellschaft eingestanden: Für das Recht auf Leben. Wir sind für die Ungeborenen, Alten und Kranken auf die Straße gegangen“, zeigt sich Hauptorganisatorin Mona Schwaderlapp am Ende zufrieden. Alles sei gut und sicher verlaufen, sind sich Polizei und Lebensschützer einig. „Die Polizei war knallhart und professionell“, sagt Clemens Neck, der Routenführer des Marsches, dieser Zeitung.  Es ist 16 Uhr, das offizielle Programm beendet. Viele Teilnehmer bleiben, um sich zu unterhalten. Vor der Bühne tanzen junge Menschen Knotentanz zu „Viva Colonia“. Und es geht weiter, betont Brühl: „Leben Sie den Marsch jeden Tag. Sprechen Sie darüber, seien Sie eine Stimme für die Stimmlosen.”

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Themen & Autoren
Elisabeth Hüffer Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. Alternative für Deutschland Bundesverband Lebensrecht Dominikus Schwaderlapp Marsch für das Leben

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