Leitartikel: Kein Ausverkauf der Sakramente

Regina Einig, Autorin
Foto: DT | Regina Einig.

Die Firmung hat in den ersten Jahrzehnten nach dem Konzil den Rang eines Vorzeigesakraments erobert. Vorbereitung und Fest waren persönlicher geprägt als die Firmungen der heutigen Großelterngeneration. War es noch in den fünfziger Jahren üblich, Jugendliche klassenweise zu einer Firmmesse ohne Anwesenheit der Eltern zu führen und Lehrer oder Kirchenvorstände als Firmpaten für hunderte Firmlinge einzubestellen, entwickelte sich das Fest seit den siebziger Jahren zum Familienfest: mit individuell ausgewählten Paten und Katechesen. Bewähren konnte sich der neue Stil allerdings nur innerhalb einer halbwegs intakten Volkskirche. Wo die Volkskirche wegbricht, fehlen oft auch die Voraussetzungen für eine sinnvolle Firmvorbereitung.

Auf diese Weise konnten sich in den säkularisierten Ländern Westeuropas sämtliche Defizite der Erstkommunionvorbereitung auf die Firmlinge übertragen. Je mehr Familien als Multiplikatoren für die Glaubensweitergabe ausfallen, desto stärker entsteht der Eindruck, der Patient Firmung sei ein aussichtsloser Fall. Eine auf Eventkultur ausgelegte Vorbereitung mit Erlebnispädagogik und Jugendkirche mag den Verantwortlichen in den Diözesen kurzfristige Zustimmung sichern, betrügt die Jugendlichen aber doch um das Wesentliche. Weder der regelmäßige Besuch der Sonntagsmesse noch die Grundlagen des Glaubenswissens sind bei vielen Gefirmten nach dem Fest abrufbar. Wie die Erstkommunion, ist auch die Firmung vielerorts zur verschenkten Gelegenheit geworden, die Weichen in Richtung Neuevangelisierung zu stellen. Von dieser Warte aus betrachtet lässt sich gut nachvollziehen, dass das Bistums Bozen-Brixen die Firmvorbereitung neu aufstellen will (Seite 5). Zwei Jahre Firmvorbereitung sind ein angemessener Zeitraum, um Firmlinge an die Bedeutung ihrer Taufe zu erinnern und ihnen klar zu machen, dass Sakramente keine Verfügungsmasse sind, die Kirchensteuerzahler nach Gusto einfordern können. Zwei Jahre sind aber auch genug Zeit, um Defizite aufzufangen und die dringend notwendigen geistlichen Wahlverwandtschaften wachsen zu lassen, die fehlende Vorbilder in den eigenen Familien zumindest teilweise ersetzen können. Zwei Jahre taugen auch als Brückenschlag zur Berufungsfrage, der sich Jugendliche nach der Firmung stellen sollten. Wenn der Ausverkauf der Sakramente gestoppt werden soll, muss sich auch die Perspektive auf die kirchliche Trauung und das Priestertum ändern. Die Firmung hat hier die Funktion eines Brückenkopfes: Eucharistie und Beichte als Pfeiler des geistlichen Lebens sind nicht allein Erziehungssache, sondern auch eine Frage des Trainings: Learning by doing ist eine Maxime für das geistliche Leben, die Jugendlichen durchaus zu vermitteln ist.

Wem dieser Weg zu weit ist, soll sich fragen, was ihm der Glaube eigentlich bedeutet. Die Firmung ist kein niedrigschwelliges Angebot. Es darf Firmlingen zugemutet werden, selbst Verantwortung für ihren geistlichen Weg zu übernehmen. Im besten Fall wird die Firmung zu einem geistlichen Stolperstein, für alle Beteiligten – auch die Pfarrei. Niemand braucht sich in der Fehlvorstellung zu wiegen, das kirchliche Leben gewinne an Anziehungskraft, wenn sie Standards in der Sakramentenvorbereitung unablässig unterbiete.

 
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