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Kommentar um "5 vor 12": Hagia Sophia: Kirche, Moschee oder Museum?

Eine Spekulation im „Hürriyet“ bringt – wieder einmal – die Emotionen in Wallung.
Hagia Sophia in Istanbul: Kirche, Moschee oder Museum?
Foto: Stephan Baier | Die Hagia Sophia in Istanbul (Türkei). Foto: Stephan Baier

Das türkische Massenblatt „Hürriyet“ heizt neuerlich Spekulationen an: Präsident Erdogan suche nach einer Formel, den Status der Hagia Sophia so zu ändern, dass sie als Moschee und als Besuchermagnet für Touristen dient. Jetzt ist die Aufregung groß: bei Christen und Muslimen, Europäern und Türken, Laizisten und Frommen.
Kein Wunder: Rund ein Jahrtausend lang war die Stadt am Bosporus das pulsierende Herz der orthodoxen Christenheit, fast ein halbes Jahrtausend das Zentrum des Osmanischen Reichs, dessen Sultan sich als Kalif sah, als geistlicher Führer des Islam. Und mittendrin die Hagia Sophia: die prachtvollste und bedeutendste Basilika von Byzanz, die 1453 gewaltsam zur Reichsmoschee der Osmanen gemacht wurde.

Regierung in Ankara zündelt

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Seit Jahren drängen islamische Kreise in der Türkei darauf, die 1935 zum Museum profanierte Hagia Sophia wieder als Moschee zu nutzen. Erdogan spielt mit den Emotionen: Es sei ein Fehler gewesen, sie zum Museum zu machen, kritisierte er Atatürk. Dann wieder belehrte er streikende Islamisten, die Hagia Sophia werde Museum bleiben, aber er baue ihnen eine neue Moschee. Immer wieder zündelt die Regierung in Ankara: Da setzt sie einen Imam für die Hagia Sophia ein, lässt einen Nebenraum der „Ayasofya“ als Moschee nutzen und Koranrezitationen veranstalten.

Emotionalisierung nützt bei Wahlen

Am offiziellen Status der Hagia Sophia als Museum hat Erdogan bisher nicht gerüttelt. Aber die Politik der Emotionalisierung nützt ihm bei Wahlen. Zu dieser Emotionalisierung tragen nicht nur Ankündigungen bei, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen, sondern auch christliche Petitionen aus Europa und den USA, die sie für die orthodoxe Kirche zurückfordern.

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Stephan Baier

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