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Generation unter Druck

Eine Studie hat unter die Lupe genommen, wie die Generation Alpha denkt. Hier geht es um die Geburtsjahrgänge seit 2010
Bernd Siggelkow
Foto: Imago/Funke Foto Services | Das christliche Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“ hat täglich mit der Generation Alpha zu tun. Leiter und Gründer Bernd Siggelkow meint, dass die Kinder und Jugendlichen stabile Ansprechpartner benötigen.

Wie steht es um das Selbstwertgefühl der Generation Alpha? Dieser Frage ist eine aktuelle Sozialstudie der Bepanthen-Kinderförderung nachgegangen, die von der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld durchgeführt wurde. Viele der seit 2010 geborenen Kinder und Jugendlichen halten sich für leistungsfähig und wertvoll, berichten zugleich aber von Selbstzweifeln, Angst vor Fehlern und hohem Erwartungsdruck.

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96 Prozent der Befragten geben an, gute Eigenschaften zu besitzen, 95 Prozent halten sich für genauso wertvoll wie andere Menschen. 88 Prozent meinen, vieles mindestens so gut zu können wie Gleichaltrige. Auch die befragten Kinder zwischen sechs und elf Jahren trauen sich viel zu: 94 Prozent sind überzeugt, vieles genauso gut oder besser zu können als andere Kinder. Das Selbstbild der Generation Alpha wirkt damit zunächst positiv.
Auf der anderen Seite stimmt jeder zweite Jugendliche der Aussage „Ich habe oft Angst, etwas falsch zu machen“ zu. 54 Prozent fühlen sich nach eigenen Angaben manchmal davon überfordert, die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen. Fast jeder Zweite wünscht sich mehr Respekt vor sich selbst. Ein Viertel der Befragten berichtet, sich zeitweise sogar „richtig nutzlos“ zu fühlen. Auch Schwierigkeiten, Probleme zu lösen oder neue Situationen zu meistern, betreffen einen erheblichen Teil der Jugendlichen.

„Die Studienergebnisse zeigen eine Generation, die sich selbst nicht prinzipiell negativ sieht. Gleichzeitig wird aber deutlich, wie stark viele junge Menschen heutzutage unter Druck stehen. Selbstwert muss im Alltag immer wieder gestützt werden – durch Anerkennung, Beziehungen und die Erfahrung, auch mit Fehlern angenommen zu sein“, erklärt Studienleiter Holger Ziegler von der Universität Bielefeld in einer Pressemitteilung der Bayer Vital GmbH.

Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick auf die soziale Herkunft. Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status berichten deutlich häufiger von Sorgen, Selbstzweifeln und Angst vor Fehlern als Gleichaltrige aus bessergestellten Elternhäusern. 28 Prozent von ihnen geben an, Sorgen zu haben. Unter Jugendlichen mit hohem sozioökonomischem Status sind es 13 Prozent. 62 Prozent der Jugendlichen mit niedrigem Status sagen, sie hätten Angst, etwas falsch zu machen, bei Jugendlichen mit hohem Status sind es nur 40 Prozent. Auch der Wunsch nach mehr Selbstrespekt ist in dieser Gruppe deutlich stärker ausgeprägt: 57 Prozent der Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischem Status wünschen sich mehr Selbstrespekt, bei Jugendlichen mit hohem Status sind es 44 Prozent.

Studie wurde von der „Arche“ begleitet

„Gerade dort, wo Familien unter Druck stehen, können stabile Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner und die zusätzliche Stärkung durch Ermutigung der Kinder einen enormen Unterschied machen. Viele Kinder brauchen Menschen, die ihnen etwas zutrauen, zuhören und ihnen zeigen, dass sie wertvoll sind“, sagt Bernd Siggelkow, Gründer des christlichen Kinderhilfswerks „Die Arche“, das die Studie begleitet hat.

Zudem sieht die Studie einen Zusammenhang zwischen intensiver Nutzung von Social Media und einem geringeren Selbstwertgefühl. Bei Jugendlichen, die an Schultagen sechs Stunden oder mehr in sozialen Netzwerken verbringen, ist der Anteil derjenigen mit unterdurchschnittlichem Selbstwert fast dreimal so hoch wie bei Jugendlichen, die weniger als zwei Stunden am Tag in den Social Media-Kanälen verbringen.

Viele der Generation Alpha finden ihre Vorbilder nicht zuerst unter Influencern oder Prominenten, sondern in ihrem direkten Umfeld. 76 Prozent der Kinder und 64 Prozent der Jugendlichen geben an, im privaten Umfeld ein Vorbild zu haben. Meistens handelt es sich dabei um Eltern, Geschwister oder andere Verwandte. Für die meisten stehen dabei nicht etwa Reichtum, Schönheit oder Status im Vordergrund, sondern Hilfsbereitschaft, Fürsorge, Gerechtigkeitssinn und Verlässlichkeit.

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Doch auch hier wird eine Schieflage sichtbar: Jugendliche aus sozial schwächeren Familien haben seltener reale Vorbilder im privaten Umfeld und orientieren sich häufiger an medialen Figuren. Gerade dort, wo verlässliche Bezugspersonen fehlen oder familiäre Belastungen groß sind, wächst damit die Bedeutung von Vorbildern aus sozialen Netzwerken, Unterhaltungsformaten oder dem Sport.
Die „Generation Alpha“ kann nach der Studie keineswegs pauschal als „schwach“ oder „orientierungslos“ beschrieben werden. Viele Kinder und Jugendliche wissen um ihre Fähigkeiten und orientieren sich an Vorbildern, die für Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Gerechtigkeit stehen. Zugleich wird deutlich, wie stark diese Generation unter Druck steht.

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