Sarajevo

Bosniens Bischöfe fordern eine neue Verfassung

Das Abkommen von Dayton vor 25 Jahren habe weder Gerechtigkeit noch Stabilität gebracht, so die katholischen Bischöfe Bosniens.

Bosnien - Srebrenica
Srebrenica: Menschen gehen zwischen den Grabsteinen der Gedenkstätte Potocari, rund 150 km nordöstlich von Sarajevo. Der Vertrag von Dayton habe „keinen stabilen und gerechten Frieden geschaffen“, meinen die bosnischen Bischöfe. Foto: Darko Vojinovic (AP)

25 Jahre nach Ende des Kriegs in Bosnien-Herzegowina ziehen die katholischen Bischöfe des Landes eine bittere Bilanz: Der Vertrag von Dayton, mit dem am 21. November 1995 der Krieg endete, habe „keinen stabilen und gerechten Frieden geschaffen“, schreiben die Bischöfe in einem Aufruf am Freitag. Es gebe bis heute weder eine Gleichberechtigung der drei Staatsvölker und der nationalen Minderheiten noch die Möglichkeit zur Rückkehr für Vertriebene und Flüchtlinge noch eine Entschädigung für das zerstörte und geplünderte Eigentum der Bürger und Religionsgemeinschaften.

Rechtfertigung für frühere und neue Ungerechtigkeiten

Das Abkommen von Dayton habe als Rechtfertigung für frühere und neue Ungerechtigkeiten gedient, nicht aber für die Schaffung eines Friedens auf der Basis von Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Hunderttausende einheimische Katholiken konnten nach Angaben der Bischöfe nicht in ihre Heimat zurückkehren: In der serbisch beherrschten Landeshälfte sei „fast die gesamte katholische Bevölkerung ausgerottet“ worden. In der anderen Landeshälfte werde sie immer geringer, weil junge Menschen und Familien vor Kriminalität und Korruption ins Ausland abwanderten.

Die katholischen Bischöfe Bosnien-Herzegowinas sehen es als ihre Pflicht an, gegenseitige Schuldvergebung zu fördern, für das Gemeinwohl zu kämpfen, Ungerechtigkeiten anzuprangern und das Böse beim Namen zu nennen. Papst Johannes Paul II. habe sie bei seinem Besuch in Sarajevo 1997 darauf verpflichtet, „unsere prophetische Stimme zu erheben und auf die Gewalttaten hinzuweisen“ sowie „sich von keiner irdischen Autorität einschüchtern zu lassen“, heißt es in dem Aufruf. Die Bischöfe unter dem Vorsitz des Kardinals von Sarajevo, Vinko Puljić, fordern nun die Schaffung einer neuen Verfassung für Bosnien-Herzegowina.  DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.