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Friesisch herb

Die autofreie Insel Wangerooge wartet mit besonderen Naturerlebnissen auf. Aber auch das ostfriesische Festland ist einen Besuch wert.
Strand Wangerooge
Foto: Ursula Angelika Küffner | Wer beim Anblick des Strandes auf Wangerooge nicht ans Baden denkt, denkt vielleicht an die TV-Werbung einer bekannten friesischen Brauerei.

Die Fähre hat gerade den Hafen von Harlesiel verlassen und bewegt sich im Schneckentempo vorwärts. Es weht eine steife Brise, die Haare der Passagiere flattern im Wind, die Sonne hat sich mal ausnahmsweise hinter den Wolken versteckt, und es ist frisch auf dem Wasser. Aber trotzdem ist es wunderschön.

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Obwohl die Entfernung vom Festland bis nach Wangerooge nur etwa sieben Kilometer beträgt, benötigt das Boot fast eine Dreiviertelstunde Fahrzeit. Zeit genug, das niedersächsische Wattenmeer auf sich wirken zu lassen und den Alltag hinter sich zu lassen. Und mit etwas Glück entdeckt man sogar einen Seehund, der sich auf der Suche nach Beute ganz nahe an die Fähre heranwagt. Jetzt kann der Urlaub beginnen. Viele Gäste kommen seit Jahren auf die autofreie Insel und lieben die Ruhe und Abgeschiedenheit ohne Lärm und Abgase.

Am Hafen angekommen, geht es gleich weiter zur Inselbahn, die das einzige Verkehrsmittel der Insel darstellt. Denn nur mit der Schmalspurbahn gelangen die Besucher in den Ort, die Bahnstrecke führt durch ein einzigartiges Naturschutzgebiet, das nicht betreten werden darf.

Der Platz ist ideal

Der Platz draußen zwischen den Waggons ist ideal, um traumhafte Fotos von den Salzwiesen, Dünen und dem Watt zu schießen. Hier entstehen spektakuläre Aufnahmen der Flora und Fauna. Vor allem Tausende von Zugvögeln, die im Frühjahr und Herbst auf Wangerooge eine Pause einlegen, kann man besonders gut beobachten. Die Inselbahn fährt fast im Schritttempo, um die Vögel nicht zu stören. Den Passagieren bietet sich so die Gelegenheit, die Tiere aus nächster Nähe zu betrachten.

Hier lohnt sich der Blick in alle Richtungen, und wie im Flug vergeht die 20-minütige Fahrzeit. Vom Zug aus sticht den Besuchern außerdem das markante Wahrzeichen Wangerooges, der 56 Meter hohe Westturm, ins Auge. Sein Vorgängermodell von 1601 war gleichzeitig See- und Landmarke und diente als Kirche. Das imposante Bauwerk wird als Jugendherberge genutzt, die inzwischen über einen modernen Anbau verfügt. Ein toller Ausblick ist hier garantiert.

Ein großartiger Blick

Das älteste erhaltene Gebäude auf Wangerooge ist aber der Leuchtturm. Heute genießen Besucher von einer Aussichtsplattform einen großartigen Blick auf die Insel, über das Wattenmeer und die Schifffahrtswege. Die 161 Stufen müssen allerdings zu Fuß bewältigt werden – einen Lift gibt es nicht. Der Leuchtturm beherbergt auch ein Heimatmuseum, das auf Initiative einiger Insulaner eingerichtet wurde.

Schafe
Foto: Ursula Angelika Küffner | Friesische Idylle: Schafe am Deich.

Im Ort von Wangerooge macht Shoppen Spaß, und viele Besucher decken sich zur Sicherheit mit wetterfester Kleidung ein. An der Hauptstraße reihen sich Souvenirshops, Klamottenläden sowie Cafés und Restaurants aneinander, also ein breites Angebot für jeden Besucher.

Ansonsten gibt es auf Wangerooge viel unberührte Natur. Die friesische Insel ist ein Paradies für Wanderer, denn ganz Wangerooge ist durchzogen von Wanderwegen. Ob Inselumrundung, nach Westen oder in den Osten der Insel – die Wege sind abwechslungsreich und bieten immer wieder die Gelegenheit für einen Zwischenstopp am Strand, der sich auch für ein Picknick eignet.

Doch auch das ostfriesische Festland hat viel zu bieten. Bei einem Abstecher in die kleinen Städte und Örtchen in Ostfriesland kommt jeder Besucher auf seine Kosten. Carolinensiel, ein charmanter Hafenort an der Harle, dessen Herzstück der Museumshafen ist, gesäumt von liebevoll restaurierten Häusern, zieht besonders viele Gäste an. Mit einem Schaufelraddampfer geht es von dort aus nach Harlesiel an den Nordseestrand.

Frische Meeresbrise

Hier weht eine frische Meeresbrise, doch am Sandstrand im Strandkorb kann man geschützt vor dem Wind schon im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen in Badekleidung genießen. Bei einem Spaziergang auf dem Deich ist Schafezählen angesagt, denn denen kommt man dort ganz nahe. In Harlesiel kommen auch die Fähren von Wangerooge an, und von hier aus sind Tagesausflüge auf die Insel möglich.

Überall an der ostfriesischen Nordseeküste trifft man auf kleine, gemütliche Cafés, die den Gästen den echten Ostfriesentee anbieten. Das darf sich kein Besucher entgehen lassen. Denn für die regionale Teezeremonie gibt es strikte Regeln: Auf den Kluntje, einen großen weißen Kandiszucker, der zuerst in die Tasse kommt, wird der starke Ostfriesentee aus der Kanne eingeschenkt, obendrauf am Rand entlang die Sahne dazu, und fertig ist die ostfriesische Delikatesse. Und bitte auf keinen Fall umrühren.

Der Löffel kommt immer erst in die Tasse, wenn man fertig ist. Ein Besuchermagnet ist Jever, das am Rande von Ostfriesland liegt. Und nicht nur wegen einer bekannten, großen Brauerei. In Jever hat sich das Zentrum mit einer kleinen Fußgängerzone herausgeputzt. Die engen Gassen, gesäumt von altehrwürdig-historischen Gebäuden, laden zum Bummeln ein. Ein Highlight in Jever ist das Schloss, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde.

Besonders schön ist der Park um das Schloss herum. Im Frühling erlebt man dort eine wahre Blütenexplosion, im Schlossgarten bilden weiße Blüten einen schneeweißen Teppich, und die rosa Magnolienblüten verwandeln den Park in ein Märchenland. Bewacht wird das Ganze von vorlauten Krähen, die es sich in den Bäumen rund um das Schloss bequem gemacht haben und lautstark auf sich aufmerksam machen. Norddeich ist auch immer einen Besuch wert.

Ein Highlight ist der enorm breite Strand. Am liebsten kommen die Gäste jedoch zur Seehundstation des Ortes, in der verletzte und verwaiste Seehunde gepflegt werden. In der anerkannten Betreuungsstation für Meeressäuger werden Seehunde und Kegelrobben aufgezogen und in die Nordsee zurückgebracht. Die Station ist zuständig für das gesamte niedersächsische Wattenmeer.

Kindgerechte Ausstellung

Durch die Scheibe im Untergeschoss kann man die Tiere im Becken hautnah beobachten und ist fasziniert von den beeindruckenden Schwimmkünsten und lustigen Kunststücken der Tiere. Besucher können sich außerdem in der informativen und kindgerechten Erlebnisausstellung rund um den Lebensraum Wattenmeer informieren. Eine gute Schlechtwetteralternative für Familien.

In Norden, der ältesten Stadt Ostfrieslands, kann man drei imposante Windmühlen bestaunen. Berühmt ist die Stadt auch für das Ostfriesische Teemuseum im Alten Rathaus, das nicht nur Einblick in die Welt der ostfriesischen Teekultur, sondern in die der ganzen Welt gibt.

Dorthin kommen auch viele Friesen, wenn sie etwas Ruhe von der Hektik des Alltags haben und eine Tasse echten Ostfriesentee in historischer Umgebung genießen wollen. Im Museum wird nicht nur über die Anbaugebiete, Verarbeitung und Herstellung von Tee informiert, sondern es gibt auch zahllose Ausstellungsstücke aus aller Welt rund um den Tee, wie etwa Teekannen, Löffel und sonstiges Zubehör.

Die Stadt aus „Friesland“

Ein besonderes Highlight in Ostfriesland ist die Stadt Leer, die man aus der Krimifilmreihe „Friesland“ kennt. Bereits in der Innenstadt erkennt man viele Locations aus den Filmen wieder und kann auf den Spuren der Krimis wandeln. In der extralangen Fußgängerzone werden Shoppingträume wahr, die Altstadt der Stadt an der Leda und Ems ist ein besonderes Schmuckstück. Kleine Läden, gemütliche Teestuben und einladende Restaurants machen den Aufenthalt hier zu einem wunderschönen Erlebnis.

Etwas außerhalb von Leer befindet sich das Schloss Evenburg, ein echtes Juwel. Das einem Märchenschloss ähnelnde Hauptgebäude liegt auf einer Insel, umgeben von einem Wassergraben. In dem barocken Wasserschloss, in dem einst die Grafen von Wedel residierten, werden auch Kostümführungen angeboten, die vor allem für Familien interessant sind.

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Das wunderschöne Kulturdenkmal liegt inmitten eines englischen Parks, von dem aus endlos scheinende Alleen in die Umgebung führen. Der Park ist zu jeder Zeit wunderschön, im Frühling jedoch, wenn die Bäume blühen, ist er einfach spektakulär und zieht Besucher von nah und fern an.


Die Autorin ist freie Journalistin.

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Ursula Angelika Küffner

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