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In jeder Taufe liegt ein kleines Ostern

Viele Eltern lassen ihre Kinder an Ostern taufen. Doch was steckt hinter der Taufe – und welche Verantwortung geht mit ihr einher?
Kind wird getauft
Foto: Imago/YAY Images | Bei der Taufe versprechen Eltern, ihr Kind im Glauben an Jesus Christus zu erziehen. Viele erleben diesen Auftrag als herausfordernd.

Der Katechismus bezeichnet die Taufe als Eingangstor zum Leben im Geiste und als Grundlage des christlichen Lebens. Wie die letzten offiziellen Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz zeigen, haben im Jahr 2024 in Deutschland mehr als 2 000 Erwachsene das Sakrament empfangen. Doch die meisten Menschen empfangen sie als Kind – häufig an Ostern. Das ist kein Zufall, denn die beiden Ereignisse gehören untrennbar zusammen. Für viele Familien ist die Taufe Ausdruck eines bewussten Glaubens, für andere eher der Wunsch, dem Kind einen Segen mitzugeben. So lohnt es sich, einen genaueren Blick auf ihren Ablauf zu werfen. 

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Vor der Tauffeier spielen die Vorbereitungsgespräche in den Gemeinden eine wichtige Rolle. Sie sollen nicht nur organisatorische Fragen klären, sondern auch helfen, die Bedeutung des Sakraments zu verstehen. Die Taufe ist mehr als ein symbolisches Willkommens- oder Segnungsfest für ein Kind. Als Sakrament ist sie ein äußeres Zeichen mit einer inneren Wirkung. Der Täufling wird in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen, von der Herrschaft des Bösen befreit und sein Leben wird unter Christi Herrschaft gestellt.

Die Wahl der Paten bedarf des Gebets

Die Liturgie macht diese Bedeutung der Taufe sichtbar. So beginnt die Feier mit der Frage an die Eltern: „Welchen Namen haben Sie ihrem Kind gegeben?“, denn der Name ist Identität und Gott ruft jeden Menschen bei seinem Namen (Jes 43,1). Das Kreuzzeichen, das auf die Stirn des Täuflings gezeichnet wird, weist auf die Zugehörigkeit zu Christus hin. Auch die Eltern und Paten zeichnen dem Täufling das Kreuzzeichen auf die Stirn, um zu verdeutlichen, dass sie ihre Verantwortung für die christliche Erziehung übernehmen wollen.

Die Lesung des Evangeliums zeigt den Zusammenhang der Taufe mit Gottes Wort auf, und die Anrufung der Heiligen veranschaulicht, dass das Kind nicht einfach in eine weltliche Institution, sondern in die Gemeinschaft der Kirche aller Zeiten aufgenommen wird und auf ihre Fürsprache bauen darf. Die Handauflegung und das Gebet für die Befreiung aus der Herrschaft des Bösen verweisen auf eine zentrale Aussage: Jeder Mensch, der in diese gefallene Welt geboren wurde, ist von Gott getrennt. Mit der Taufe ändert sich dies. Nun gehört der Täufling zu Jesus Christus und steht unter Gottes Schutz und Segen.

Die Rolle der Eltern und Paten ist bei der Kindertaufe von besonderer Bedeutung. Denn auch wenn bei allen Getauften der Glaube nach der Taufe wachsen muss, so ist es die besondere Aufgabe der Eltern und Paten, dafür Sorge zu tragen, dass das Kind im Glauben aufwächst. Es ist ein Versprechen, das sie dem Kind und allen Anwesenden vor Gott geben. Aus diesem Grund ist die Wahl der Paten sehr wichtig.

Oft werden die Paten aus dem familiären Umfeld oder Freundeskreis ausgewählt. Die Kirche sieht für sie jedoch eine konkrete Aufgabe vor, nämlich ein Vorbild im Glauben zu sein, für das Patenkind zu beten und gemeinsam mit den Eltern dafür Sorge zu tragen, dass das Kind im Glauben wächst. Dies ist keine leichte Aufgabe und bedarf sorgfältiger Überlegung sowie des Gebets.

Im eigentlichen Taufritus wird der Täufling dreimal mit Wasser übergossen. Der Spender spricht die Worte: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das Element des Wassers steht für Reinigung, Leben und Neubeginn. In der biblischen Tradition erinnert Wasser an entscheidende Übergänge: von der Urflut der Schöpfung über die Sintflut und Noah bis zum Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer, der die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft kennzeichnet. Hier geschieht Wirklichkeit: Gott befreit den Menschen aus der Herrschaft der Sünde und des Bösen und schenkt ihm die Freiheit der Kinder Gottes.

Bei der Salbung mit dem Chrisam, einem vom Bischof geweihten Öl, wird dem Neugetauften der Heilige Geist geschenkt und mit Christus zum Priester, Propheten und König gesalbt. Es ist schon die Vorausschau auf die Firmung, wenn der Bischof dann die zweite Salbung mit dem heiligen Chrisam spendet und so die Taufe „konfirmiert“ (bekräftigt).

Eines der bekanntesten Zeichen der Taufe ist wohl das weiße Kleid. Denn der Getaufte hat Christus als Gewand angelegt (Gal 3,27). Wie es in der Offenbarung heißt, ist sein Gewand im Blut des Lammes weiß gemacht worden (Offb 7,14). Die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet, denn Christus hat den Neugetauften erleuchtet und zum „Licht der Welt“ (Mt 5,14) gerufen. Den Eltern wird sie mitgegeben mit dem Auftrag, dieses Licht zu bewahren und den Glauben an Jesus Christus zum Wachstum zu bringen.

Ein Neubeginn – auch für die Eltern

Der Effata-Ritus zeigt zum Schluss auf, was durch die Taufe möglich ist: Das Kind kann Gottes Wort hören und verstehen und soll es verkünden. Das Kind tiefer zum Glauben zu führen und ihm zu helfen, das Wort Gottes zu verstehen und zu verkündigen, ist eine große Aufgabe, die viele Eltern als herausfordernd empfinden. Dabei geht es nicht um Perfektionismus, sondern darum, seinen eigenen Glauben in die Erziehung der Kinder mit hineinzunehmen. Auch für Eltern, die noch nicht tief im Glauben verwurzelt sind, kann dies ein Ausgangspunkt sein. Denn diese Aufgabe kann – egal wie groß der Glaube ist – nur mit Gottes Hilfe gelingen. Der Segen, besonders für die Eltern, die nun eine wichtige Aufgabe vor sich haben, schließt die Tauffeier ab.

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Die Taufe ist der Beginn des Glaubensweges und des geistlichen Wachstums – nicht nur für das Kind selbst, sondern eben auch für die Eltern und jeden Getauften. Aus diesem Grund wird in jeder Osternacht das Taufgelübde erneuert. Und in jeder gefeierten Taufe liegt ein kleines Ostern mitten im Alltag. Der Übergang von der Dunkelheit ins Licht, aus der Knechtschaft in die Freiheit der Kinder Gottes, vom Tod zum Leben.


Die Autorin ist Sozialpädagogin, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie schreibt auf ihrem Blog über das Kirchenjahr: www.sanktwerk.de/blog.

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