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Grapschen nach dem Baum des Lebens

Wo Kinderwunscherfüllung zur Dienstleistung wird, gerät die Würde des Menschen unter die Räder.
Unerfüllter Kinderwunsch und Leihmutterschaft
Foto: IMAGO / McPHOTO | Ja, der unerfüllte Kinderwunsch ist ein tiefes Leid für betroffene Paare. Dieses Leid ist ernst zu nehmen. Aber darf man deshalb über einen anderen Menschen verfügen?

„Hollywood – das Land der Träume!“ In Los Angeles wurde nicht nur der Traum von „Pretty Woman“ wahr, von einem Ritter auf einem weißen Pferd gerettet zu werden. Nein, es geht noch viel mehr. Heute können sich dort kinderlose Paare im Kinderwunschzentrum „Tree of Life“ den Traum vom eigenen Kind durch Leihmutterschaft erfüllen. „Tree of Life“? Da müsste es eigentlich klingeln. Der Baum des Lebens…

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Dass der Mensch sich nicht mit dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zufriedengibt, sondern auch nach dem Baum des Lebens greifen würde, hatte Gott in seiner Weisheit vorausgesehen. Nicht umsonst versperrte er seinen Geschöpfen den Weg dorthin. Doch dieser Wunsch im Menschen, wie Gott zu sein – allmächtig und ewig, Herr über Leben und Tod –, blieb bestehen. Dies zeigen nicht nur Abtreibung, Euthanasie oder die Versuchungen des Transhumanismus.

„Wish for a Baby“-Messe kennt fast nur ein Thema

Auf der „Wish for a Baby“-Messe in Berlin am vergangenen Wochenende drehte sich beim Großteil der Aussteller alles um die in Deutschland aus gutem Grund verbotene Leihmutterschaft – und darum, wie sich dieses Verbot im Ausland umgehen lässt. Im Mittelpunkt steht der Mensch – aber nicht jeder Mensch. Nur die erwachsenen Menschen. Die, die bereits alt genug sind – und genug Geld auf dem Konto haben –, um sich ihre Wünsche selbstbestimmt zu erfüllen. Die, die groß genug sind, an die hohen Zweige des Baums des Lebens heranzureichen und nach seiner Frucht zu grapschen.

Ja, der unerfüllte Kinderwunsch ist ein tiefes Leid für betroffene Paare – Entschuldigung: für die betroffenen Menschen. Denn schließlich bedarf es heutzutage ja keines Partners mehr, um ein Kind kaufen zu können. Dieses Leid ist ernst zu nehmen. Aber darf man deshalb über einen anderen Menschen verfügen? Darf man den eigenen Wunsch über die Gesundheit eines anderen, wehrlosen Menschen stellen? Darf man Verlassenheits- und Bindungstrauma  eines Kindes in Kauf nehmen, das bei der Geburt von seiner Mutter getrennt wird – von jener Mutter, die neun Monate lang seine ganze Welt war?

Der Mensch ist nicht Mittel zum Zweck. Er existiert, weil er ins Leben geliebt wurde. Ihn durch kalte Technik zu erzeugen und zu verkaufen, um andere glücklich zu machen, widerspricht zutiefst seiner Würde. 

Tragische Schicksale hinter dem süßen Schein

Es ist pervers, von „Liebe“ zu diesem Kind zu sprechen, wenn man ihm von Anfang an tiefe seelische Verwundungen zumutet, wenn man es wie ein Objekt bestellt und kauft. Es ist eine Lüge, von „bedingungsloser Liebe“ zu sprechen, wenn man mithilfe der Präimplantationsdiagnostik den besten Embryo auswählt: bitte ohne Fehl und Makel, selbstverständlich auch mit dem gewünschten Geschlecht.

Die Traumfabrik in Los Angeles ist verführerisch. „Alles, was ihr wollt“, sagte der nette Herr am Stand von „Tree of Life“. Hinter dem süßen Schein des so liebevollen Leihmutterschaftsgeschäfts verbergen sich tragische Schicksale. Der deutsche Staat darf nicht länger wegschauen, wenn auf deutschem Boden für Leihmutterschaft geworben wird. Der Baum des Lebens ist kein Selbstbedienungsladen.

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