Nach Ansicht des „Focus“-Gründers Helmut Markwort ist der Meinungskorridor in Deutschland enger geworden. Es sei kein Zufall, wenn bei Umfragen von Allensbach oder anderen Instituten die Leute klagen, sie trauten sich nicht mehr, ihre Meinung zu sagen“, so der 86-Jährige, der bis 2010 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins war, im Gespräch mit der „Tagespost“. „Heute wird man wahnsinnig schnell als Nazi beschimpft und in die rechte Ecke gestellt. Das ist abenteuerlich.“
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, erklärt Markwort, sei „einfach stark grünlastig“. Als Beispiel aus jüngster Zeit führt er an, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck bei der Gedenkfeier zum 17. Juni, dem Tag des Volksaufstands in der DDR, bei der Nationalhymne nicht mitgesungen, „sondern einfach seine Lippen zusammengepresst“ habe. „Nun hat er ja schon früher einmal gesagt, dass er mit dem Begriff ,Vaterland‘ nichts anfangen könne“, sagt Markwort. Dieser Vorfall sei von den öffentlich-rechtlichen Medien jedoch nicht aufgegriffen worden. Sein Eindruck sei: „Es entstehen Gegenwelten im Netz.“
"Menschen, die weniger wissen, müssen mehr glauben"
Markwort beklagt auch, dass die Leseintensität der Menschen heute geringer ausfalle, da sie sich zunehmend über das Internet informierten. „Wenn ich etwa eine ,Seite drei‘ von der Süddeutschen oder von der FAZ zu Hause lese, das dauert dann schon eine Viertelstunde.“ Er glaube allerdings nicht, „dass viele Leute vor dem Computer sitzen und 15 Minuten lang einen Text lesen. Die klicken hin und her“.
Zudem stellt der Journalist fest: „Menschen, die weniger wissen, müssen mehr glauben. Das ist gefährlich.“ Der Bürger, der sich umfassend informiere und auf dieser Basis seine Wahlentscheidung treffe, sei dagegen der Idealzustand. DT/mlu
Was Helmut Markwort von Robert Habeck hält und was es mit seiner Leidenschaft für das Theater auf sich hat: Lesen Sie das ausführliche Interview in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".









