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Gegensätze ziehen sich an

Zwei Verleger, zwei verschiedene Welten: Berliner-Zeitungs-Verleger Holger Friedrich diskutierte mit Springer-Chef Mathias Döpfner.
Mathias Döpfner
Foto: IMAGO/Roni Rekomaa (www.imago-images.de) | Stellte sich der Diskussion mit Holger Friedrich: Mathias Döpfner.

Das ist die positive Botschaft des Abends, die jenseits aller deutlichen Unterschiede auch über den Tag hinausreicht: Hier kommen zwei Verleger zusammen, die beide nicht nur an eine Zukunft für ihre Medien glauben, sondern auch zutiefst davon überzeugt sind, dass diese Gesellschaft diese Medien benötigt. Und damit hängt eng zusammen: Deutschland tut es gut, wenn gestritten wird. Und dieser Streit muss möglichst breit geführt werden. So eine Debatte ist aber eben nur möglich, wenn alle im Land vorhandenen Sichtweisen dabei gehört werden. Die Aufgabe der Medien liegt darin, diese unterschiedlichen Perspektiven abzubilden.

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Auch wenn es nicht direkt angesprochen wurde, so ist die Frage nach der Aufgabe der Medien in unserer Gesellschaft das große Thema, das das Gespräch zwischen Holger Friedrich und Mathias Döpfner an diesem Montagabend beherrscht. Friedrich, Verleger der „Berliner Zeitung“ und seit Kurzem der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“, war dabei der Einlader. Döpfner hingegen, der Kopf des Springer-Verlags, war es, der sich auf unter Umständen feindliches Terrain wagte. Am Ort selbst wurde zu DDR-Zeiten die „Aktuelle Kamera“ aufgenommen. Das Publikum ist eher ostdeutsch geprägt. Und dann ist da noch Friedrich selbst: Er talkte auch schon mit seinem Duzfreund Egon Krenz und bescheinigte dem ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden eine humanistische Grundhaltung, die mit dazu beigetragen habe, dass es 1989 nicht zu staatlichen Gewaltexzessen gekommen sei. Döpfner hingegen, der den Verlag führt, in dem die DDR nur in Anführungszeichen geschrieben wurde, sorgte für viel Aufregung, als private Chat-Nachrichten von ihm veröffentlicht wurden, in denen er den Ostdeutschen eine gewisse Affinität zu totalitären Ideologien bescheinigt hatte. Das ist zwar schon einige Zeit her und Döpfner hat sich auch längst entschuldigt, aber klar ist: Hier treffen zwei Gegensätze aufeinander, das bestimmt die Dramaturgie des Abends.

Friedrich ist dabei der Frager, der, der die Pointen machen kann, der ein Heimspiel hat. Aber Döpfner reagiert gelassen und folgt einer Tugend, die für den Verleger auch ein typisches Merkmal für einen Journalismus sein mag, der sich den Werten des freien Westens verpflichtet fühlt: Neugier. Während Friedrich jede Gelegenheit nutzt, etwa indem er den Unterricht in „Politische Ökonomie“ in der DDR lobt, um sich zum Sprachrohr des „Wut-Ossis“ zu machen, bleibt Döpfner ruhig und lässt sich nicht provozieren. Das sorgt dafür, dass sich für den unvoreingenommenen Zuschauer (das Gespräch kann man sich noch als Video bei Youtube ansehen) ein Gefühl für die Grundbefindlichkeit einstellt, in der Holger Friedrich und das spezielle Milieu leben, in das dieser mit seinen Zeitungen hineinsendet. Sie können sich nicht recht entscheiden: Ist die Bundesrepublik nun auf dem Weg zur DDR 2.0 oder war diese DDR nicht eben doch der bessere deutsche Staat? Über solche Probleme müssen nicht nur Verleger reden, sondern ganz Deutschland. Aber es ist ein Anfang.

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