„Grenzen auszuloten und lustvoll zu überschreiten war von jeher eine zentrale Aufgabe der Kunst“, meint Viktor Schoner, Intendant der Staatsoper Stuttgart. Woher er diese Erkenntnis hat, bleibt sein Geheimnis. Es gibt auch Menschen, die der Auffassung sind, die zentrale Aufgabe von Kunst sei es, Menschen durch Schönheit zu erfreuen.
In jedem Fall gilt: Kunst kommt von Können. Und wer nichts kann, der muss sich staatlich subventionieren lassen. Denn ohne entsprechende Unterstützung könnte Schoner seine eigenwillige Definition kaum umsetzen, die so hervorragend zu jener Aufführung passt, die in dieser Woche zu zahlreichen Erste-Hilfe-Einsätzen in seinem Haus geführt hat.
Da hilft nur Wegschauen
Die Inszenierung von Paul Hindemiths „Sancta Susanna“ (Uraufführung 1922) sorgte bei vielen Zuschauern für Übelkeit, die ärztlich behandelt werden musste. Verwunderlich ist das nicht, sind doch in der Inszenierung nackte Nonnen, explizite sexuelle Handlungen, Darstellungen sexueller Gewalt, Piercingvorgänge sowie echtes Blut zu sehen. Auch das hätte allerdings nicht verwundern dürfen, wurde die Aufführung doch von der „Performancekünstlerin“ Florentina Holzinger inszeniert, die meint, ein guter Tänzer sei jemand, „der auf Stichwort urinieren könne“.
Holzinger lege den Finger „in die Wunde patriarchaler und klerikal-religiöser Herrschaft“, lautet die Deutung des Stuttgarter Stadtdekans Christian Hermes. Mag sein, aber wie man sich mit einem solch abgedroschenen Gemeinplatz als mutiges Mitglied der künstlerischen Avantgarde fühlen kann, bleibt ebenso ein Geheimnis wie die Antwort auf die Frage, warum eine derartige Kritik in solch ekelerregender Weisen stattfinden muss.
Den besten Tipp gab immer noch Sebastian Ebling, Pressesprecher der Stuttgarter Oper: „In der Vorstellung hilft es im Zweifelsfall, auch mal wegzuschauen.“ Wer fürs Wegschauen Geld und Zeit opfern will, soll das gerne tun.
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