Hamburg hat Nein gesagt zu Olympia. Während die Linken jubeln, lecken die Befürworter von Olympischen Spielen an der Elbe ihre Wunden. Was für eine vertane Chance: Die Hansestadt ist draußen, im Rennen um die deutsche Kandidatur bleiben damit noch München, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin.
Die Bewerbung war offen gehalten: Die Spiele in Hamburg 2036, 2040 oder 2044 – der Deutsche Olympische Sportbund hätte nach einem erfolgreichen Referendum entschieden, für welches Ausrichtungsjahr konkret kandidiert wird. Damit hat eine Minderheit von 357.000 Hamburgern eine Zukunftsentscheidung getroffen, die nicht mehr korrigierbar ist. Die Metropolregion außerhalb des Stadtgebiets wurde gar nicht gefragt.
Ein Schuss ins eigene Knie
Die Obstruktion der Olympia-Verweigerer, die eher aus den ärmeren Stadtteilen Hamburgs kommen, gleicht dabei einem Schuss ins eigene Knie. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Olympische Dorf war in der „Science City Hamburg Bahrenfeld" geplant, wo auf städtischen Flächen bezahlbarer Wohnraum entstehen sollte – mit einem geplanten Anteil geförderter Wohnungen von 56 Prozent. Damit hätte eines der Hauptthemen der Stadtentwicklung, nämlich die Wohnungsnot, einen entscheidenden Impuls zum Besseren erhalten. Das Gleiche lässt sich sagen zum öffentlichen Nahverkehr, zu Bildungs- und Freizeiteinrichtungen und zur touristischen Infrastruktur.
Erst im Oktober wurde das Hamburger Ziel der Klimaneutralität dahingehend modifiziert, dass jetzt schon im Jahr 2040 Hamburg sauber sein soll. Experten sagen: unmöglich und gefährlich für Stadtentwicklung und sozialen Zusammenhalt. Wieder waren es die gleichen Kräfte wie bei Olympia mit über 300.000 Stimmen, die eine hochproblematische Zukunftsentscheidung getroffen haben. Es geht um schnell und effizient mobilisierbare, linksalternative Kräfte, die jederzeit politische Vorhaben blockieren können. Vor allem solche, die irgendwie ökonomischen Aufbruch und Fortschritt betreffen.
Hamburgs Bürgermeister Tschentscher vor Herausforderung
Hamburgs Erster Bürgermeister, der Zahnarzt Peter Tschentscher, steht nun vor der Herausforderung, diese rot geschwollene, chronische Parodontitis in Hamburgs Politik zu bekämpfen. Sonst drohen der Stadt die ökonomischen Zähne auszufallen. Damit sie auch morgen noch kräftig zubeißen können, sollten sich die Kräfte der Mitte endlich aufraffen, um gegenhalten zu können. Oder hat die Stadt, das stolze „Tor zur Welt“, ihr bürgerschaftliches Immunsystem schon so weit geschwächt, dass eine wirksame Korrektur gar nicht mehr möglich ist?
Kleines Aperçu: Egal, wer in Deutschland den Zuschlag für Olympia bekäme, die Segelwettbewerbe fänden immer in Kiel statt. Für manche stolzen Pfeffersäcke in ihren dunkelblauen Sakkos mit Goldknöpfen und Clubkrawatte wäre das die eigentliche Schmach.
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