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Grammys: Zwischen hartem Rap und Halleluja

Die Grammys spiegelten auch diesmal ein musikalisches Comeback des Religiösen. Ein Künstler nutzt seine Dankesrede für ein offenes Bekenntnis.
Der Country- und Americana-Künstler Jelly Roll
Foto: IMAGO/Ariana Ruiz (www.imago-images.de) | Als der Country- und Americana-Künstler Jelly Roll, der nicht aus dem klassischen christlichen Musikmilieu stammt, in einer der Hauptkategorien ausgezeichnet wurde, nutzte er seine Dankesrede für ein offenes Bekenntnis.

Wie in jedem Jahr verfügten die Grammys auch 2026 über ein eigenes Ensemble christlicher und gospelgeprägter Kategorien: „Best Gospel Album“, „Best Contemporary Christian Music Album“, „Best Roots Gospel Album“. In kaum einem anderen globalen Pop-Preis hat religiös motivierte Musik einen derart festen, regelhaften Platz.

Inhaltlich bleibt das Ausgezeichnete dabei im Rahmen christlich-evangelikaler Glaubenspraxis: Lobpreis, Hoffnung, Trost, biografische Zeugnisse von Glaube und Bewährung. 

Ein Transzendenzverweis hingegen gilt schnell als Grenzüberschreitung

Umso stärker wirkte ein Moment, der diese Ordnung kurzzeitig durchbrach. Als der Country- und Americana-Künstler Jelly Roll, der nicht aus dem klassischen christlichen Musikmilieu stammt, in einer der Hauptkategorien ausgezeichnet wurde, nutzte er seine Dankesrede für ein offenes Bekenntnis. Er sprach von Gott, von Jesus, von persönlicher Umkehr und davon, dass sein Leben ohne diesen Halt nicht denkbar gewesen wäre. Kein ironischer Verweis, keine Metapher – sondern ein direktes Zeugnis, vorgetragen auf der größten Pop-Bühne der Welt.

Die Reaktionen darauf waren bezeichnend. Während Fans den Mut und die Authentizität feierten, reagierten andere mit Befremden oder Spott. Gerade diese Irritation zeigt, wie ungewohnt explizite Gottesbezüge im Mainstream geworden sind. Ein Transzendenzverweis hingegen gilt schnell als Grenzüberschreitung. Dass ausgerechnet ein Künstler aus der kulturellen Provenienz zwischen Country, Hip-Hop und Arbeitermilieu diese Grenze überschritt, ist kein Zufall. Hier spricht kein makelloser Pop-Priester, sondern ein biografisch gebrochener Zeuge.

Dass auch der größte Abräumer des Abends, der Puerto-Ricaner Bad Bunny, Gott für die Gnade des Erfolgs dankte, muss für viele Christen mit lateinamerikanischem Hintergrund noch einmal etwas Besonderes gewesen sein. Tatsächlich war Benito Antonio Martínez Ocasio, so heißt der Sieger mit bürgerlichem Namen, einer der mehrfach prägenden Gewinner. Er wurde ausgezeichnet für das Album des Jahres, zum ersten Mal nur mit Texten auf Spanisch, der Sprache der meisten Immigranten. Und die Gelegenheit, auf großer Bühne die ICE-Praktiken gegenüber in den USA lebenden Ausländern zu geißeln, ließ er sich unter dem Jubel der Festgäste auch nicht entgehen.

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