Amazon-Film „Voyagers“: Die menschliche Zukunft sichern

Leben ohne Gesellschaft und Familie: Trotz der überbetonten Action stellt der Amazon-Film „Voyagers“

wichtige Fragen über Freiheit und die Zweckbestimmung des Menschen Von José García

Die Suche nach Alternativen für eine unbewohnbar gewordene Erde stellt inzwischen ein Science-Fiction-Subgenre dar. In Neill Blomkamps „Elysium“ (DT vom 17.8.2013) beispielsweise haben sich die Reichen in eine riesige, rotierende, über der Erde schwebende Raumstation geflüchtet, der offenbar die Zukunft gehört, wenn auf der Erde kein Leben mehr möglich ist.

Dies ist ebenfalls die Prämisse des nun bei Amazon Prime gestarteten Spielfilm „Voyagers“, der sich gar keiner langen Einführung bedient. Es reicht der Hinweis, dass die Erde erschöpft sei, weswegen der Fortbestand der Menschheit allein im Finden eines für den Menschen bewohnbaren Planeten gesichert sei. Ein solcher Planet sei im Jahre 2063 gefunden worden. Der Haken: Er ist 86 Jahre entfernt. Dies bedeutet: Die Mission muss „generationenübergreifend“ sein: Erst die Enkelkinder der ursprünglichen Crew wird den Planeten erreichen. Die Ausgangslage des Filmes von Drehbuchautor und Regisseur Neil Burger nimmt sich originell aus, und stellt auch tiefgreifende Fragen, insbesondere über die Freiheit. Denn die Expeditionsmitglieder werden nicht ausgewählt, sondern mittels künstlicher Fortpflanzung im Labor gezüchtet: 30 Jungen und Mädchen, natürlich aller Hautfarben, die in einer vollständig von der Außenwelt abgeschotteten Blase aufwachsen – überwacht vom Wissenschaftler Richard Alling (Colin Farrell), der sich dazu entschließt, die Mission ohne Wiederkehr auf einem Raumschiff mit dem bezeichneten Namen „Humanitas“ zu leiten.

Die Zukunft der Menschheit macht sich auf dem Weg, als die Crewmitglieder noch Kinder sind. Ein weiterer Zeitsprung, wobei gerade mal wenig mehr als acht Filmminuten vergangen sind, und zehn Jahre nach dem Start sind die Kinder junge Erwachsene geworden. Junge Erwachsene, die sich nach dem Sinn ihrer Existenz fragen, zumal sie nicht um sich selbst gezeugt, sondern nur mit dem Zweck „gemacht“ wurden, die Zukunft der Spezies zu sichern: „Unser Leben ist nicht wichtig“, sagt denn auch Christopher (Tye Sheridan) zu Richard, worauf der Expeditionsleiter antwortet: „Dein Leben und mein Leben sind so wichtig wie jedes andere auch, ob hier oder auf der Erde.“ Solche Dialoge sind allerdings in „Voyagers“ zwar eher rar gesät, weil – dies hat Neil Burgers Film ebenfalls mit dem eingangs erwähnten „Elysium“ gemeinsam – die Action bald überhandnimmt. Die sich dahinter verbergenden Fragen stellt der Film jedoch: Die Frage etwa nach Freiheit und Zweckbestimmung oder auch nach einer gesellschaftlichen Ordnung, die sich Menschen geben wollen, die ohne Familie und Gesellschaft aufwachsen mussten. Oder auch: Warum sollten Menschen ihr eigenes, konkretes Leben für die Zukunft einer abstrakten Spezies nicht nur aufs Spiel setzen, sondern bewusst verbrauchen? Die klaustrophobische Anmutung des Raumschiffes, die dank der teilweise schnellen Kamerafahrten noch gesteigert wird, trägt entscheidend zum Verständnis der Schwere bei, die bei der Beantwortung dieser Fragen auf den jungen Menschen lastet.

„Voyagers“, Drehbuch und Regie: Neil Burger, USA 2001, 110 Minuten, Amazon Prime Video.

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