Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Feuilleton

Facebook-Gesetz soll in Karlsruhe gekippt werden

Eine Gruppe um Hedwig von Beverfoerde erhebt Verfassungsbeschwerde gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz.
Facebook-Löschzentrum in Berlin: Hier wird das NetzDG umgesetzt.
Foto: Soeren Stache (dpa) | Mitarbeiter im Löschzentrum von Facebook. Foto: Soeren Stache/dpa.

Am 28. September 2018 wurde von drei Bürgern die erste umfassend begründete Verfassungsbeschwerde gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz eingereicht. Hedwig von Beverfoerde, die vor allem durch ihr politisches Engagement für den Schutz der Familie und als Organisatorin der Demo für alle bekannt wurde ist eine der Beschwerdeführerinnen.

30-tägige Sperrung gegen Beschwerdeführer Martin Wind

Ihr pointiertes Auftreten auch in den sozialen Medien macht sie natürlich zum Ziel für politische Gegner, die mit dem Meldeknopf statt mit Argumenten Politik machen wollen. Der zweite im Bunde ist Martin Wind. Der freie Journalist nimmt schon von Berufs wegen kein Blatt vor den Mund und ist mehrfach von Facebook mit Löschungen und zuletzt mit einer 30-tägigen Sperrung „bestraft“ worden. Gemeinsam mit einer weiteren Person, die nicht namentlich genannt werden möchte, streiten diese nun gegen ein umstrittenes und nach Ansicht zahlreicher Experten verfassungswidriges Gesetz.

Trotz Bedenken und Einwänden: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gilt seit gut einem Jahr

Die umstrittene Rechtsnorm trägt den Namen Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG). Es wurde im vergangenen Jahr ganz kurz vor Ende der Legislaturperiode verabschiedet. Nur selten kann man erleben, wie ein Gesetz in einem solchen Parforceritt durch die Legislative gepeitscht wird. Im Ministerium war es auf Weisung des damaligen Bundesjustizministers Heiko Maas mit der heißen Nadel gestrickt worden. Die Mehrheit der Sachverständigen kam in einer Anhörung ebenso, wie der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages in seinem Gutachten zu der Auffassung, der Gesetzentwurf sei verfassungswidrig. Der Entwurf ging leicht modifiziert und nach Korrektur gröbster Fehler trotz aller nach wie vor bestehenden Bedenken und Einwände durchs Parlament. Es ist seit 1. Oktober 2017 in Kraft.

Die Beschwerde hat durchaus eine Chance

Fachleute geben der Beschwerde, die nun beim höchsten Gericht unseres Landes anhängig ist, durchaus eine Chance. Die Beschwerdeführer werden von dem Verfassungsrechtler Dr. Lipinski aus Heidelberg vertreten. Einen ersten Punktsieg können die Beschwerdeführer für sich verbuchen: Die Verfassungsbeschwerde wurde angenommen.

DT

Warum die Beschwerdeführer einen Befangenheitsantrag gegen Bundesverfassungsrichterin Susanne Baer stellten, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 22. November 2018.

Themen & Autoren
Deutscher Bundestag Hedwig von Beverfoerde Heiko Maas Verfassungswidrigkeit

Weitere Artikel

Heute wird das Bundesverfassungsgericht 75 Jahre alt. Grund genug, einen Blick auf unser Grundgesetz, seine Auslegung und seine Brüche zu werfen.
12.03.2026, 08 Uhr
Georg Dietlein
Verfassungsgericht erklärt nach Veto des Präsidenten die Umsetzung eines EuGH-Urteils für verfassungswidrig. Die Regierung erkennt die Entscheidung jedoch nicht an.
31.07.2026, 10 Uhr
José García
Eine Expertenkommission hat neue Empfehlungen für ein sicheres Navigieren in der digitalen Welt vorgelegt. Über einzelne Vorschläge wird allerdings kontrovers diskutiert.
03.07.2026, 13 Uhr
Dorothea Schmidt

Kirche

Die Schönstätter Marienschwestern feiern 100-jähriges Bestehen: Die Generaloberin Schwester Joanna M. Buckley erläutert die Ziele ihrer marianisch geprägten Pädagogik.
04.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Erntedank: Warum wir nicht nur einmal im Jahr für volle Erntekörbe danken sollten, sondern täglich auch für das, was anders kommt als geplant.
04.10.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie besucht einen Monat lang die Bistümer Augsburg, Freiburg und Limburg: Die Reliquienreise der heiligen Bernadette steht fest. Auf der Liste stehen 18 Klöster und Kirchen.
01.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Wir können uns nicht immer zum Richter über alles aufschwingen. In einem freien Akt der Anerkennung von etwas Größerem wird das Gute für uns sichtbar.
04.10.2026, 19 Uhr
Engelbert Recktenwald