Bei seinem Abschlussvortrag zur 50. Katholischen Sozialwoche in Triest (deutsche Übersetzung von „vatican news“) hat sich Papst Franziskus zur Krise der Demokratie geäußert. Die besteht dem Papst zufolge in Korruption, Gesetzlosigkeit und den „verschiedenen Formen der sozialen Ausgrenzung“ – Phänomenen, die die Partizipation aller einschränkten.
Das Wort Demokratie sei schließlich nicht mit Volksentscheid gleichzusetzen, sondern verlange, dass sich potentiell jeder beteiligen und äußern könne. Auch sei die Demokratie keine leere Hülle, sondern „an die Werte der Person, der Geschwisterlichkeit und der integralen Ökologie gebunden.“
Krebsgeschwür der Gleichgültigkeit
„Jeder muss sich als Teil eines Gemeinschaftsprojekts verstehen“, so der Papst; niemand dürfe sich nutzlos fühlen: „Jedes Mal, wenn jemand ausgegrenzt wird, leidet der ganze soziale Körper. Die Wegwerf-Kultur steht für eine Stadt, in der kein Platz ist für die Armen, die Ungeborenen, die Schwachen, die Kranken, die Kinder, die Frauen, die jungen Menschen, die alten Menschen.“
Dabei seien bestimmte Formen der sozialen Fürsorge, die die Menschenwürde nicht anerkennten, nur soziale Heuchelei, und eine gleichgültige Distanzierung von der sozialen Wirklichkeit. Die Gleichgültigkeit aber sei ein Krebsgeschwür der Demokratie.
Zurück zum Gemeinwohl
Katholiken müssten demgegenüber „eine Verpflichtung zum Gemeinwohl eingehen“ und dürften sich nicht mit einem „privaten Glauben“ zufriedengeben: „Wir müssen eine Stimme sein, die anprangert und Vorschläge macht in einer Gesellschaft, die oft tonlos ist und in der zu viele keine Stimme haben.“ Das sei „politische Liebe, die sich nicht damit begnügt, die Auswirkungen zu pflegen, sondern versucht, die Ursachen zu bekämpfen“ – und damit eine Form der Nächstenliebe. „Lernen wir immer mehr und immer besser, gemeinsam als Volk Gottes zu gehen, um ein Sauerteig der Teilhabe inmitten des Volkes zu sein, zu dem wir gehören“, appellierte der Pontifex an seine Zuhörer.
Konkreter wurde der Papst später am gleichen Tag in seiner Predigt in der Abschlussmesse. „Bitte, nehmen wir nicht an Jesus Anstoß, sondern empören wir uns über all die Situationen, in denen das Leben verroht, verwundet und getötet wird“, sagte Franziskus. Der Kirche von Triest, diesem „Kreuzungspunkt von Völkern und Kulturen“, wolle er sagen: „Engagiert euch weiter an vorderster Front, um das Evangelium der Hoffnung zu verbreiten, vor allem für die Menschen, die von der Balkanroute kommen“. „Von diesem Grenzgebiet aus“, so der Papst, „wollen wir den Traum von einer neuen Zivilisation nähren, die sich auf Frieden und Geschwisterlichkeit gründet.“ (jra)
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









