Das Beichtgeheimnis ist unverletzlich. „Dem Beichtvater ist es daher streng verboten, den Pönitenten durch Worte oder auf irgendeine andere Weise und aus irgendeinem Grund irgendwie zu verraten“, heißt es im Codex des kanonischen Rechtes. Erstmals ausdrücklich formuliert wurde das Beichtgeheimnis vom Vierten Laterankonzil 1215. Aber schon seit dem 5. Jahrhundert, als die öffentliche Buße durch die Ohrenbeichte ersetzt wurde, lag über dem, was ein reuiger Sünder einem Priester anvertraut hatte, das Siegel der Verschwiegenheit.
Einige Priester bezahlten die Wahrung dieses Siegels mit ihrem Leben, wie der heilige Johannes Nepomuk im 14. Jahrhundert, als der böhmische König Wenzel vergeblich aus ihm herauszupressen versuchte, was seine Gemahlin ihm gebeichtet hatte. Autoritäre Regime wollten Priester zum Bruch des Beichtsiegels zwingen– so starb zum Beispiel der westfälische Ordensgeistliche Josef Averesch an den Folgen von Malariaversuchen, die in Dachau an ihm vorgenommen worden waren. Er war im Konzentrationslager eingesperrt worden, weil er eisern schwieg, als die Gestapo ihn aufforderte, ein Beichtgeheimnis preiszugeben. Am 7. November wird in Guatemala ein weiterer Märtyrer des Beichtsiegels seliggesprochen: der Franziskaner Augusto Rafael Ramírez Monasterio.
Der neue Selige wurde am 5. November 1937 in Guatemala-Stadt geboren. Nach der Grundschule in seiner Heimat besuchte er das Gymnasium bei den Franziskanern in Diriamba in Nicaragua, wo seine Ordensberufung heranwuchs. Zu Weihnachten 1958 trat er in das Noviziat der Franziskaner im spanischen Jumilla ein, wo er ein Jahr später die Profess ablegte. Er absolvierte das gesamte Studium in Spanien, bis zur Priesterweihe im Jahr 1967, kehrte dann vorübergehend als Ausbilder nach Diriamba zurück und war von 1972 bis 1977 wieder in Spanien, um sein Studium an der Universität Salamanca abzuschließen.
Ansteckender Lebensmut und Humor
Nach der Rückkehr in seine Heimat war Pater Augusto Ramírez in Antigua Guatemala, der einstigen kolonialen Hauptstadt des Landes, im Hochland der Anden tätig. Die politische Lage in Guatemala war äußerst schwierig. Wechselnde Militärregime wurden durch linke Guerillatruppen bekämpft; ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg forderte zahlreiche Todesopfer und ließ die Bevölkerung immer mehr verelenden. In dieser Situation wirkte Pater Augusto mit echt franziskanischem Geist: Immer fröhlich und oft zu Scherzen aufgelegt, widmete er sich vor allem den Jugendlichen. Er erteilte ihnen Gesangsunterricht und leitete einen Chor. Sein ansteckender Lebensmut und sein Humor machten ihn bei den Menschen sehr beliebt. Gleichzeitig besuchte er unermüdlich die Kranken und Sterbenden in den Familien und in den Krankenhäusern, vor allem aber verbrachte er zahllose Stunden im Beichtstuhl, oft von 6.30 Uhr am Morgen bis in den späten Nachmittag hinein.
Genau dies wurde dem Franziskaner im Jahr 1983 zum Verhängnis. Im Juni legte ein Bauer bei ihm die Beichte ab. Er hatte am Guerillakampf teilgenommen, wollte aber sein Leben ändern und eine Amnestie in Anspruch nehmen, die von der Regierung zugesagt worden war. Um dem einfachen Mann zu helfen, begleitete Pater Augusto ihn nach der Beichte zur Polizeistation, um die notwendigen Dokumente zu beantragen. Statt der versprochenen Amnestie wartete hier jedoch die Festnahme auf den Bauern. Auch Pater Augusto wurde verhaftet, in einen separaten Raum geführt und aufgefordert, zu erzählen, was er über den Bauern wusste. Als er die Aussage verweigerte und sich dabei auf das Beichtgeheimnis berief, wurde er geschlagen und gefoltert.
Nach einer vorübergehenden Freilassung wurde Pater Augusto am 7. November 1983 erneut festgenommen und befragt. „Es war eine Beichte, ich kann nichts darüber sagen“, antwortete er. Daraufhin verfrachtete man ihn in einen Militärwagen. Als dieser zum Stadtrand fuhr, wo er ermordet werden sollte, sprang er an einer roten Ampel aus dem Wagen und flüchtete. Der Franziskaner, barfuß und im Ordensgewand, wurde rücklings von den Soldaten erschossen. Seine sterblichen Überreste ruhen heute in der Kirche „San Francisco El Grande“ in Antigua Guatemala.
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