Am 1. Oktober 1989 veröffentlichte Johannes Paul II. das Apostolische Schreiben „Quemadmodum communicatis“ über die Märtyrer von Daimiel, die er am selben Tag auf dem Petersplatz in Rom seligsprach. Die 26 Märtyrer aus der Kongregation der Passionisten, überwiegend junge Studenten, waren Opfer der Kirchenverfolgung im Spanischen Bürgerkrieg. Sie werden in dem Schreiben in fünf Gruppen unterteilt, je nach ihrem Todestag. Die fünfte Gruppe umfasst sechs Ordensmänner, die das Blutbad, in dem die Passionisten der ersten Gruppe – Pater Nicephorus von Jesus und Maria und fünf Gefährten – ermordet wurden, schwer verletzt überlebten. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht und dort gepflegt – bis sie drei Monate später von Milizen auf die Straße getrieben und ebenfalls brutal erschossen wurden. Dieser letzten Gruppe von sechs Märtyrern von Daimiel gedenkt die Kirche am 23. Oktober: „Als die Glaubensverfolgung wütete, wurden sie für Christus und seine Kirche erschossen“, heißt es unter diesem Datum im „Martyrologium Romanum“.
Einer der sechs Märtyrer ist Justiniano Cuesta Redondo, der am 19. August 1910 in Alba de los Cardaños in der spanischen Provinz Palencia geboren wurde. Als sein Onkel im Jahr 1920 bei den Passionisten in Corella eintrat, folgte ihm der Zehnjährige zusammen mit einigen weiteren Dorfjungen, um bei den Passionisten die Schule zu besuchen. Mit fünfzehn Jahren – dem damaligen kanonischen Mindestalter – wurde Justiniano in das Noviziat aufgenommen: „Jesus Christus nachzufolgen ist mein ganzes Ideal“, fasste er seinen Lebensplan zusammen. Im September 1926 legte er die einfache Ordensprofess ab und fügte seinem Taufnamen, den er weiterhin führte, den Namen eines großen Heiligen seiner Kongregation, Gabriel von der schmerzhaften Mutter, hinzu.
Von antiklerikalen Milizen verfolgt
1930 ging er zum Theologiestudium nach Saragossa, wo er ein Jahr später die feierlichen Gelübde ablegte. Neben dem Studium verfasste er zahlreiche Texte für eine ordenseigene Zeitschrift. 1933 erlebte Justiniano einen schweren Rückschlag: Aufgrund eines Sprachfehlers wurde ihm zunächst die Priesterweihe verweigert. Nachdem er daran gearbeitet hatte, konnte er sie ein Jahr später dennoch empfangen. Am 24. August 1935 wurde er als Griechischlehrer in das Passionistenkloster im zentralspanischen Daimiel versetzt. In dieser jungen und dynamischen Gemeinschaft bereiteten sich Studenten des Ordens auf die Mission in Lateinamerika vor. Neben dem Unterricht war er in der Pfarrgemeinde als Katechet tätig.
Im Juli 1936 brach der Spanische Bürgerkrieg aus. Antiklerikale Milizen verfolgten Priester und Ordensleute, Kirchen wurden in Brand gesetzt. In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli drangen die Milizen in das Kloster von Daimiel ein, zwangen die Passionisten, das Gebäude zu verlassen, und teilten sie in mehrere Gruppen auf. Pater Justiniano kam in die Gruppe des Provinzoberen, Pater Nicephorus von Jesus und Maria. Sie wurden gezwungen, einen Zug nach Madrid zu besteigen. Nachdem man sie dort als Passionisten erkannt hatte, mussten sie den Waggon in Manzanares wieder verlassen. Am Bahnhof wurde direkt das Feuer auf sie eröffnet.
Der Provinzobere und fünf Studenten waren sofort tot. Sechs weitere – neben Justiniano Ildefonso García Nozal, Euphrasio de Celis Santos, Honorino Carracedo Ramos, Tomás Cuartero Gascón und José María Cuartero Gascón – überlebten schwer verletzt und wurden in das örtliche Krankenhaus transportiert. Hier bekamen sie zunächst Versorgung, Pflege und Schutz, aber drei Monate später kamen Milizen auch in das Krankenhaus. Sie entdeckten die sechs Passionisten und trieben sie auf die Straße. Erneut erlebten sie das, was ihnen bereits drei Monate zuvor angetan wurde: Die Milizen eröffneten das Feuer auf sie. Diesmal starben alle sechs im Kugelhagel. 1941 wurden ihre Reliquien nach Daimiel gebracht, wo sie heute in der Krypta der Kirche der Passionisten ruhen. Gleichzeitig begann ihr Kanonisierungsprozess, der mit der Seligsprechung aller 26 Märtyrer von Daimiel durch Papst Johannes Paul II. seinen feierlichen Höhepunkt fand.
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