Würzburg

Vier Schwestern in vor-emanzipatorischer Zeit

Der klassische Roman „Little Women“ neu interpretiert: Greta Gerwig verbindet Treue zum Original mit ihrer eigenen Sicht.

Garcías Filmtipp: "Little women"- Flimszene mit Emma Watson
Obwohl in den 1860er Jahren Frauen noch eher begrenzte Chancen besitzen, wachsen die Schwestern Amy (Florence Pugh), Jo (Saoirse Ronan) und Meg (Emma Watson, von links) mit unterschiedlichen Wünschen und Träumen für ihre Zukunft auf. Foto: Sony

Der auf eigenen Erlebnissen der Autorin basierende Roman „Little Women“ von Louisa May Alcott (1832–1888) über das Heranwachsen von vier Schwestern an der US-Ostküste in den Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs gehört zu den erfolgreichen Werken der Jugendliteratur überhaupt. „Little Women“ wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 1994 (mit Winona Ryder in der Hauptrolle), im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Betty und ihre Schwestern“.

Bekanntes Thema auf erfrischend-eigenwillige Art interpretiert

Nun verfilmt den Roman Greta Gerwig, die mit „Lady Bird“ ihr Talent unter Beweis stellte, ein bekanntes Thema auf erfrischend-eigenwillige Art zu interpretieren. In „Little Women“ erzählt sie zwar klassisch das Leben der vier March-Schwestern Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) aus Jos Sicht. Drehbuchautorin und Regisseurin Gerwig setzt jedoch eine Art Rahmenhandlung ein: Ihr Film beginnt, als Jo einem New Yorker Verleger ihre Kurzgeschichten anbietet. Erst dann wird die Geschichte der vier Schwestern als ausführliche Rückblende chronologisch erzählt. Dieses Stilmittel erlaubt es der Regisseurin etwa, den Romanschluss neu zu interpretieren, als dann Jo dem Verleger den Roman „Little Women“ anbietet.

 

„Little Women“ handelt von den Zukunftsräumen vier junger Frauen zu einer Zeit, in der Frauen noch ziemlich begrenzte Chancen hatten. Jo als Alter Ego Louisa May Alcotts bekommt in Greta Gerwigs Bearbeitung allerdings neue Nuancen gerade im Bereich der Emanzipation, freilich ohne schrille feministische Untertöne.

Film lebt über das hervorragende Produktionsdesign

Gerwigs Film lebt über das hervorragende Produktionsdesign und die bestens unterstützende Filmmusik von Alexandre Desplat hinaus von einem großartigen Ensemble: Neben einer wie immer überzeugenden Saoirse Ronan sticht auch Timothée Chalamet heraus, unterstützt von den erfahrenen Darstellern Chris Cooper, Laura Dern und Meryl Streep.

„Little Women“ wurde für den Oscar in sechs Kategorien, darunter „Bester Film“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.