Ob Jens Spahn mit so viel Gegenwind gerechnet hat? Just am Tag der Sommerpressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz machte er über die „Bild“-Zeitung bekannt, die Dienste einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten in Anspruch genommen zu haben. O-Ton: „Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung! BILD erfuhr exklusiv: CDU-Politiker Jens Spahn (46) und sein Ehemann Daniel Funke (44) sind Eltern geworden. Ihr Sohn Georg kam per Leihmutter zur Welt.“
Falls der Unionsfraktionsvorsitzende mit einem „menschlichen Auftritt“ samt Kinderwagen-Foto vorgehabt hatte, Sympathiepunkte zu sammeln, ging der Plan nicht auf. Stattdessen löste die Nachricht eine Debatte über die Leihmutterschaft aus – und Spahn erhielt Kritik von verschiedenen Seiten.
Fast alle kritisieren Spahns Doppelmoral
Dass es gute ethische Gründe gegen die Praxis gibt, war dabei längst nicht nur von Konservativen zu hören, sondern auch aus den Reihen der Grünen, etwa von Janosch Dahmen. Er finde es richtig, dass die Gesetze „dem Schutz der austragenden Frau vor Ausbeutung, der Vermeidung einer Kommerzialisierung von Schwangerschaft und Geburt sowie dem Schutz des Kindes vor komplexen Abstammungskonflikten“ eine große Bedeutung zumessen würden, wurde der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion zitiert. Und Feministin Alice Schwarzer sagte: „Menschen sind keine Ware. Käuflich sollte weder eine Frau als Gebärmaschine sein noch ein für Geld produziertes Kaufkind.“ In der Union wird Kritik bisher nur verhalten geäußert – auch wenn Kenner der Partei sagen, dass intern durchaus Unruhe herrscht.
Auch die katholischen Bischöfe halten sich bislang bedeckt. Dabei ist die kirchliche Position klar. Papst Franziskus hat Leihmutterschaft als „verwerflich“ bezeichnet; der Vatikan fordert eine weltweite Ächtung.
Natürlich teilen nicht alle Kommentatoren die ethischen Positionen der katholischen Kirche in Sachen Reproduktionsmedizin. Was in den meisten Wortmeldungen kritisiert wird, ist die Doppelmoral: Spahn nimmt eine Option für sich in Anspruch, die in Deutschland verboten ist, die von der eigenen Partei strikt abgelehnt wird – zuletzt beim CDU-Bundesparteitag im Februar –, und die er selbst in der Vergangenheit ausdrücklich kritisiert hatte.
Die „Nachricht voller Liebe, Glück und Veränderung“ – sie ist für Spahn zum Bumerang geworden.
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